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Thema des Monats Juli: Schwangerschaft und Sport – was Frauen beachten sollten

Inzwischen weiß man, dass auch Schwangere von regelmäßiger Bewegung profitieren und sich einige typische Schwangerschaftsprobleme vermeiden lassen.

01.07.2005

Noch vor wenigen Jahren war Sport während der Schwangerschaft ein absolutes Tabu.  Es bestand Sorge hinsichtlich der Verletzungsgefahr Sport treibender Schwangerer und deren ungeborenen Babys. Auch eine mögliche Überwärmung oder Beckenbodenverhärtung durch die körperliche Aktivität wurden als Problemfelder diskutiert. Inzwischen weiß man, dass auch Schwangere von regelmäßiger Bewegung profitieren und sich einige typische Schwangerschaftsprobleme vermeiden lassen. Frauen, die während der Schwangerschaft regelmäßig aktiv sind, leiden zum Beispiel seltener an Thrombosen und Krampfadern. Zugleich hilft das körperliche Training psychischen Stress abzubauen, der gegebenenfalls Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen begünstigt. Dennoch ist natürlich eine gewisse Vorsicht erforderlich. Das sportliche Training muss an die besonderen Bedingungen der Schwangerschaft und die jeweilige Schwangerschaftsphase angepasst werden. Schwangere sollten Überlastungen vermeiden und in der fortgeschrittenen Schwangerschaft sollten bestimmte Sportarten unterlassen werden.

Was ist erlaubt, was wird empfohlen? Das American College of Obstetricians and Gynecologist (ACOG) publizierte im Januar 2002 folgende Empfehlungen und Richtlinien zu diesem Thema (aus: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 12/ 2003, S. 369-370):

Die körperlichen Veränderungen während der Schwangerschaft

Bereits in der Frühschwangerschaft kommt es im mütterlichen Organismus zu deutlichen Veränderungen, die die körperliche Leistungsfähigkeit beeinflussen. Dazu zählen die kardiovaskulären Adaptionen, wie der Anstieg des Blutvolumens (ca. 10% am Ende des 1. Schwangerschaftsdrittels), der Anstieg der Herzfrequenz (ca. 20% im 2. und 3. Schwangerschaftsdrittel) und des Schlagvolumens (30-50% in der Mitte der Schwangerschaft). Der periphere Widerstand in den Gefäßen sinkt und der arterielle Blutdruck fällt um 5-10 mmHg, was im Zusammenhang mit der Zunahme der Gefäßversorgung von Uterus und Plazenta steht.

Veränderungen treten auch in der Atmung ein. Die Sauerstoffaufnahme ist in Ruhe um 10-20% erhöht. Besonders im 3. Schwangerschaftsdrittel vergrößert sich die Atemarbeit durch den erhöhten Zwerchfellstand. Die Folge: die aerobe Leistungsfähigkeit bei körperlicher Aktivität sinkt in dieser Phase.
Zugleich bedeutet die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft vor allem für die Gewichts tragenden Gelenke (untere Extremitäten) eine erhöhte Belastung. Durch die „bauchseitige“ Mehrbelastung kann sich eine Hyperlordose (Hohlkreuz) entwickeln – eine häufige Ursache für schwangerschaftsbedingte Rückenbeschwerden. Unter dem hormonellen Einfluss (Östrogen, Relaxin) nimmt auch die Bänderfestigkeit ab. Diese Instabilität kann zu Beschwerden im Bewegungsapparat führen.
Durch die beeinträchtigte Temperaturregulation besteht zudem die Gefahr der belastungsinduzierten Hyperthermie, was zur Schädigung des Kindes führen könnte. 

Fetale Reaktionen auf körperliche Aktivitäten der Mutter

Die Mehrdurchblutung der Muskulatur der Mutter durch die körperliche Aktivität führt offenbar kaum zu Veränderungen in der kindlichen Versorgung. Laut Literatur wurden nur geringe  Zunahmen(10 - 30 % Schläge / Minute) der fetalen Herzfrequenz beobachtet. Es wurde kein Einfluss der körperlichen Aktivität auf das kindliche Wachstum gesehen.

Welche Belastungen sind sinnvoll?

Grundsätzlich sind alle aeroben Belastungen (ausdauerorientierte Sportarten) geeignet, auch ein Lauftraining, sofern der erhöhte Energie- und Flüssigkeitsbedarf ausgeglichen wird und eine Überwärmung vermieden wird. Im Hochsommer sollte das Training daher in die kühlen Morgenstunden verlegt werden. Für die Belastungen gilt: der submaximale Bereich sollte keinesfalls überstiegen werden. Mit Zunahme des Körpergewichtes (2. und 3. Schwangerschaftsdrittel) sollten der Trainingsumfang und die Trainingsintensität allmählich reduziert werden und zu sportlichen Aktivitäten übergegangen werden, die den mütterlichen Bewegungsapparat weniger belasten, z.B. Walking / Nordic Walking, Rad fahren, Wassergymnastik, Schwimmen.

Auch gegen ein Krafttraining im Kraftausdauerbereich (niedrige Gewichte, hohe Wiederholungszahlen) ist während der Schwangerschaft nichts einzuwenden. Isometrische Übungen und das Heben hoher Gewichte sollten allerdings vermieden werden. Bei gymnastischen Übungen ist ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel darauf zu achten, auf längere Rückenlagen zu verzichten.

Eine unnötige Gefahr liegt in Sportarten mit einem erhöhten Sturz- und Verletzungsrisiko und mit hohen Beschleunigungs- und Abbremskräften bedeuten. Dazu zählen Kampfsport- und Spielsportarten, auch Rückschlagspiele, Klettern, Tauchen, Fallschirmspringen und Ski alpin. Sportverletzungen in der Schwangerschaft stellen durch die Diagnostik (z.B. Röntgen) und ggf. Therapie (Operation, Narkose) mit Ruhigstellung und Schonung, sowie einem erhöhten Thromboserisiko, eine zusätzliche Gefahr für die Schwangere dar.

Prinzipiell gilt, dass diese Empfehlungen nur eine Orientierung darstellen. Im individuellen Fall sollte immer mit einem Arzt Rücksprache gehalten werden. Eine eingehende fachärztliche Beurteilung der Sportfähigkeit in der Schwangerschaft ist zwingend erforderlich, wenn medizinische Risikofaktoren wir Herz- oder Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus, Anfalls- oder Schilddrüsenerkrankungen bestehen. Selbiges gilt bei Fehl- oder Frühgeburten in einer vorherigen Schwangerschaft, bei Mehrlingsschwangerschaften oder bei Komplikationen in der bestehenden Schwangerschaft (vaginale Blutungen, vorzeitige Wehen, verlangsamtes Wachstum des Feten …). Zwar ist in solchen Fällen auch nicht immer ein generelles Sportverbot für die Schwangere angezeigt, jedoch gilt es, die genannten Risiken bei der Auswahl und Ausübung der betreffenden Sportarten zu berücksichtigen.

Wichtige Warnsignale, bei denen Sie einen Arzt aufsuchen sollten

• Vaginale Blutungen
• Dyspnoe (Atemnot) vor Erschöpfung
• Verwirrtheit
• Kopfschmerzen
• Brustschmerzen
• Muskelschwäche
• Wadenschmerzen oder -schwellungen
• Abnahme kindlicher Bewegungen
• Vorzeitige Wehen
• Verlust von Fruchtwasser

Welche Vorteile bringt ein dosiertes sportliches Training während der Schwangerschaft?

Insgesamt steigert Sport das Wohlbefinden der Schwangeren. Ausdauerorientierte (aerobe) Belastungen erhalten die körperliche Leistungsfähigkeit während der Schwangerschaft bis zur Zeit der Entbindung und des Wochenbettes. Die Sauerstoffversorgung von Mutter und Feten wird, bedingt durch die positiven Effekte der aeroben Belastung auf Plasma- und Blutvolumen, verbessert. Die Bildung von Thrombosen, Krampfadern und Hämorrhoiden kann durch mäßig betriebenen Sport vorgebeugt werden. Ferner hilft körperliches Training psychischen Stress abzubauen, der sonst gegebenenfalls Schwangerschaft- und Geburtskomplikationen begünstigt. Das körperliche Training erhält und stärkt die Kraft der Bauch- und Rückenmuskulatur und reduziert somit Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparates.


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