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Olympiasieger Josia Thugwane gibt nicht nach - „Ich kann noch einige Jahre laufen.“

Josia Thugwane gewann 1996 als erster farbiger Südafrikaner eine olympische Goldmedaille im Marathonlauf

11.07.2005

„Viele haben mich schon abgeschrieben, aber ich weiß, dass ich noch einige gute Marathonläufe rennen kann“, sagt Josia Thugwane, der 1996 als erster farbiger Südafrikaner eine olympische Goldmedaille gewann. Er sagt dies, obwohl der Marathon-Olympiasieger von Atlanta beim Wien-Marathon vor einiger Zeit in einem Hitzerennen aufgab. Der 1,58 Meter kleine und 45 Kilogramm leichte Langstreckenläufer hat immer wieder bewiesen, dass er Rückschläge verkraften kann. Kaum ein anderer Athlet dürfte so viele Hochs und Tiefs erlebt haben wie der 34-Jährige – und zwar nicht nur sportliche sondern auch menschliche.

Erste Prämie mit 8.50 Euro

In ärmsten Verhältnissen aufgewachsen, lebte Josia Thugwane mit seiner Familie in einer Wellblechhütte. Geld verdiente er als Putzkraft in einer Mine. Josia Thugwane konnte nicht lesen, nicht schreiben und sprach natürlich kein Englisch. Fußballspielen war ein Hobby, doch dann versuchte er es mit dem Laufsport, denn er hatte gehört, dass man damit Geld verdienen kann. Seine erste Prämie gewann er bei einem Halbmarathon – es handelte sich um 8,50 Euro. 

Nachdem er 1996 Südafrikas Marathon-Meisterschaften gewonnen und sich damit für Olympia qualifiziert hatte, begannen die Probleme, die ihn jahrelang plagen sollten. Noch vor den Spielen wurde er in seinem Auto überfallen. Eine Kugel streifte ihn am Kinn, die Narbe ist heute noch zu sehen. Es gelang ihm, aus dem Fahrzeug zu springen und zu entkommen. „Nach meinem Olympiasieg war ich monatelang im Fernsehen, und ständig erschienen Zeitungsartikel über mich. Dadurch wurde es noch schlimmer“, erzählt Josia Thugwane.

In Fukuoka 2:07:28

Während seine sportlichen Leistungen stark schwankten – in Fukuoka gewann er 1997 in der Weltklassezeit von 2:07:28, doch bei mehreren hochkarätigen Rennen gab er auf –, gab es Bedrohungen gegen ihn und seine Familie. Auf Erpressungsversuche ging Josia Thugwane nicht ein. Doch als eines Tages der Kopf eines Affen auf den Zaun vor seinem Haus gespießt worden war, zog er nach Johannesburg in ein sicheres Wohnviertel und trainierte fortan zeitweise in den USA.

„Erst seit zwei Jahren ist es ruhiger, weil ich nicht mehr erfolgreich war“, sagt Josia Thugwane. Zu seinem letzten Marathonsieg lief er 2002 in Nagano. Vor kurzem ist der Olympiasieger aus Johannesburg in die Nähe von Pretoria gezogen. „Ich habe eine Farm gekauft, denn das ist die Zukunft für mich und meine Familie.“ Außerdem betreut Josia Thugwane dort eine Gruppe von jungen Läufern, denen er eine Perspektive geben möchte. „Vielleicht haben sie eines Tages die Chance, mit dem Sport Geld zu verdienen. Es sind aber nicht nur Läufer, auch einigen Fußballspielern versuche ich zu helfen.“

Er selbst spricht inzwischen recht gut Englisch. „Meine Kinder haben es in der Schule gelernt und mir dann geholfen.“ Dass die Farm nicht so sicher ist wie das Haus in Johannesburg nimmt Josia Thugwane in Kauf. Wenn er wieder Erfolg haben sollte, muss er mit neuen Bedrohungen rechnen. Aber Josia Thugwane will nicht nachgeben:

„Ich kann noch einige Jahre laufen.“


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