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Laufen ist in Kenia kein Volkssport, sondern eine Notwendigkeit und eine Chance

27.07.2005

© Victah Sailer

Man kann nicht unbedingt sagen, dass Laufen in Kenia ein Volkssport ist. Es gibt keine Kette von Rennen, bei denen fünfstellige Zahlen von Läufern an den Start gehen. Laufen ist in Kenia im Gegensatz zu vielen anderen Ländern der Welt kein Hobby in diesem Sinne. Laufen ist viel mehr. Es ist eine Notwendigkeit. Und der Sport bietet zudem eine große, existenzielle Chance. Denn die meisten kenianischen Topläufer kommen aus armen Verhältnissen. Mit ihren Erfolgen können sie sich selbst und ihren Familien ein besseres Leben finanzieren – viele haben durch Start- und Sieggelder sogar für den Rest des Lebens ausgesorgt.

Laufen ist der Exportschlager Kenias. Vielleicht noch mit Safaritouren, doch ansonsten macht Kenia mit nichts anderem so viele positive Schlagzeilen und erregt derartige internationale Aufmerksamkeit wie mit den Läufern des Landes. Von den rund 150 weltweit bedeutendsten Straßenrennen haben die Kenianer im vergangenen Jahr 70 Prozent gewonnen. Bei den Frauen ist die Quote etwas niedriger, sie liegt bei gut 45 Prozent. Im Marathon ergibt sich ein identisches Bild. In Berlin zum Beispiel kam der Marathonsieger in den letzten sechs Jahren immer aus Kenia. In den letzten vier Jahren belegten Kenias Männer dabei mindestens die ersten drei Plätze. Beim legendären Boston-Marathon stellte Kenia in den letzten 15 Auflagen nur zweimal nicht den Sieger.

Der Erfolg der Läufer hat inzwischen auch eine wirtschaftliche Bedeutung im westlichen Kenia, wo die meisten Topläufer herkommen. „Das Geld, das die kenianischen Läufer in Europa und Amerika verdienen, investieren sie in ihrer Heimat im westlichen Hochland. Dies ist dort ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor, der auch Arbeitsplätze schafft“, erklärt Tom Ratcliffe, der amerikanische Manager der Trainingsgruppe KIMbia, die sich hauptsächlich aus Kenianern zusammensetzt. Viele Läufer investieren in Farmland. Doch Timothy Cherigat zum Beispiel, der Sieger des Boston-Marathons 2004, baut zurzeit in Eldoret (West-Kenia) eine Tankstelle.
 
Ein typisches Beispiel für eine erfolgreiche Läuferkarriere bietet Abraham Chebii. Als drittes von sieben Kindern ist er aufgewachsen auf einer Farm in Kenias Great Rift Valley. Im westlichen Hochland musste er jeden Tag zur Schule rennen. „Es ist normal für kenianische Kinder, dass sie zur Schule rennen. Niemand geht, alle rennen“, erklärt Abraham Chebii. Die Schulwege auf unbefestigten Straßen sind oft hügelig, die Kinder rennen in der Regel barfuß. Für Abraham Chebii betrug eine einfache Strecke zur Schule drei Kilometer. Da er in der Mittagspause nach Hause rannte und dann wieder zurück, lief Abraham Chebii täglich zwölf Kilometer. „Wir haben immer bis zum letztmöglichen Zeitpunkt gewartet, bevor wir losliefen. Außerdem sollten wir zum Essen pünktlich sein. Daher hatten wir gar keine andere Wahl, wir mussten rennen.“

Damit hat Abraham Chebii wie viele andere Kollegen unbewusst eine Grundlage gelegt für seine Karriere. Zwar hat er schon als Kind den Hindernisläufer Moses Kiptanui bewundert, doch zunächst war er nicht sonderlich erfolgreich bei Schulwettbewerben über die Mittelstrecken oder im Cross. Andere liefen schneller. Als nicht genug Geld vorhanden war, um ein Studium zu finanzieren, setzte Abraham Chebii auf den Laufsport. Und er hatte Glück. In den Langstreckenrennen zeigte er Talent – und so war es ausgerechnet Moses Kiptanui, der ihn eines Tages ansprach und in ein Trainingslager mitnahm.

Heute ist Abraham Chebii ein Weltklasseläufer über 5.000 Meter, vor dem selbst der äthiopische Weltrekordler Kenenisa Bekele großen Respekt hat. In einem Endspurt Bekele zu schlagen, das ist bisher nur sehr wenigen Läufern gelungen – einer davon ist Abraham Chebii. Und wer Kenenisa Bekele schlägt, wird geachtet in Kenia. Die Äthiopier sind die großen Rivalen.

Längst nicht alle kenianischen Läufer sind Stars in ihrer Heimat. Wer aber Goldmedaillen holt oder Weltrekorde bricht oder eines der großen Marathonrennen gewinnt, der wird gefeiert. „Ich möchte als großer Läufer bekannt werden, deswegen muss mein Name in die Rekordbücher“, hatte Daniel Komen, eines der größten kenianischen Talente aller Zeiten, einmal gesagt. Seit fast zehn Jahren sind seine Weltrekorde über 3.000 m und 2 Meilen unangetastet. Als Paul Tergat nach seinem Marathon-Weltrekord in Berlin 2003 zurück nach Kenia kam, wurde er im offenen Wagen stundenlang durchs Land gefahren.

Doch auch die weniger bekannten Läufer werden zumindest bewundert. Es gibt Fotos, auf denen Schulkinder im Hochland am Wegesrand stehen. Sie schauen auf die Straße. Autos sind nicht zu sehen, die sie bestaunen könnten, aber Läufer, die im Training vorbeirennen. Dass es Profis sind, erkannt man schon von weitem an der Kleidung.
 


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