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Deutsche Läufer rennen hinterher, DLV setzt falsches Zeichen

"Es geht auch um die Motivation der anderen deutschen Läufer für die Zukunft"!

07.08.2005

Als vor 22 Jahren die Geschichte der IAAF Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Helsinki begann, gehörten die deutschen Langstreckenläufer noch zur Weltelite. Sieben Medaillen gewannen die Athleten damals auf den Strecken zwischen 800 Meter und Marathon bei der WM-Premiere. Willi Wülbeck und Patriz Ilg gewannen für das bundesdeutsche Team sogar Gold über 800 Meter beziehungsweise im 3000 m Hindernislauf. Kaum weniger spektakulär rannte im Trikot der DDR Werner Schildhauer zu zwei Silbermedaillen über 5.000 und 10.000 m.

Die deutschen Läufer spielen keine Rolle mehr

22 Jahre später spielen deutsche Läufer längst keine Rolle mehr in der Weltspitze. In der Zeit nach Dieter Baumann und dem kurzen, sensationellen Höhenflug von Nils Schumann, der bei Olympia 2000 Gold gewann, ist nichts mehr übrig geblieben. Der letzte deutsche Läufer, der bei einer WM oder bei Olympia in einem Finale stand, war Nils Schumann. Bei der WM 2001 in Edmonton wurde er Fünfter über 800 m.

Bei den Frauen sah es lange Zeit besser aus. Noch im vergangenen Jahr wurde Irina Mikitenko immerhin Siebente im olympischen 5.000-m-Finale. Doch aufgrund einer Babypause fehlt sie in Helsinki, wo nun alles zusammen nur noch drei deutsche Läufer an den Start gehen. 36 Startplätze hätte das deutsche Team in 12 Wettbewerben belegen können. Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg) lief trotz einer Erkältung ordentlich und wurde in einem hochklassigen Feld 17. über 10.000 m. Über 800 m komplettieren Monika Gradzki (Wattenscheid) und René Herms (Pirna) das deutsche Mini-Lauf-Aufgebot.

An der Spitze läuft nichs mehr

Während die Laufveranstaltungen in Deutschland weiter boomen, läuft in der Spitze praktisch nichts mehr. Sicherlich, vor 22 Jahren hatte die große Zeit der afrikanischen Läufer noch nicht richtig begonnen. Erst einige Jahre später begannen sie damit, den kompletten Langstreckenbereich immer stärker zu dominieren.

Doch es ist möglich, mit den afrikanischen Läufern mitzuhalten. Das wird man in Helsinki vielleicht so deutlich sehen, wie schon seit Jahren nicht mehr. Die Britin Paula Radcliffe beweist dies seit Jahren, und die beiden Olympiasieger Juri Borsakowski (Russland/800 m) und Stefano Baldini (Italien/Marathon) werden auch in Helsinki am Start sein. Zu beachten sind auch der australische 5.000-m-Läufer Craig Mottram, Frankreichs Hindernisläufer Bob Tahri oder Alan Webb (USA) über 1500 m.

Trainieren einfach nicht hart genug

„Ich glaube, die deutschen Läufer trainieren einfach nicht hart genug“, sagt die frühere kenianische Marathon-Weltrekordlerin Tegla Loroupe. Sie lebt und trainiert zeitweilig in der Nähe von Detmold bei ihrem deutschen Manager Volker Wagner. Sicherlich ist es ein Risiko, vollkommen auf das zeitintensive Langstreckentraining zu setzen und eine Berufsausbildung zunächst hinten an zu stellen.

Dass Erfolge auch für europäische und amerikanische Langstreckenläufer möglich sind, davon ist auch Dieter Hogen überzeugt. Der Lauftrainer, der früher Uta Pippig betreute und heute eine Gruppe von internationalen Läufern trainiert sagt: „Viele Athleten investieren weit weniger als notwendige 100 Prozent, und durchschnittliche Leistungen gelten zu schnell als gut – in Deutschland und Amerika. Wenn man in Weltklasse-Leistungsbereiche hineinkommen möchte, muss man sehr viel bedingungsloser und härter trainieren, als es sich viele vorstellen können. Doch wer bereit ist, 24 Stunden am Tag entsprechend zu leben, Geduld hat und entsprechend arbeitet, kann die Weltspitze erreichen.“ Dieter Hogen trainiert unter anderen den 3.000-m-Hindernisläufer Bob Tahri, der sich am heutigen Sonntag für das Finale qualifizieren möchte.

Über 3000 m Hindernis hätte eigentlich auch ein vierter deutscher Läufer an den Start gehen sollen. Doch der von Dieter Baumann trainierte Filmon Ghirmai (LAV Tübingen) wurde vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) kurzfristig aus dem Kader gestrichen. Er hatte einen Leistungsnachweis, der im Juli erstmals von den nominierten Athleten gefordert worden  war, nicht erbracht. Neu war zudem, dass auch Langstreckenläufer bis einschließlich 5.000 m im Vorfeld zweimal die Norm hatten laufen müssen.

Insider im Langstreckenbereich können diese Regelung nicht nachvollziehen. Derartig viele Leistungsnachweise sowie der Pflichtstart bei den Deutschen Meisterschaften mögen für Werfer oder Sprinter keine Hürde darstellen, wohl aber für Läufer. Eine langfristige, gezielte Vorbereitung, oft in Verbindung mit mehrwöchigen Höhentrainingslagern, ist so gut wie unmöglich geworden.

Es geht auch um die Motivation der anderen Läufer für die Zukunft

Hinzu kam bei Filmon Ghirmai noch ein Verletzungsproblem an der Achillessehne. Er musste das Training unterbrechen. „Man verliert dadurch nicht die Form, aber den Rhythmus“, erklärt Dieter Baumann, der beklagt, dass es seitens des DLV nicht einmal ein Gespräch mit ihm gegeben hatte, bevor die Entscheidung gegen Filmon Ghirmai fiel. Und Dieter Baumann sagt: „Hier geht es ja nicht nur um Filmon, sondern auch um die Motivation der anderen Läufer für die Zukunft.“

Auch Dieter Hogen hält die Qualifikationsregelung für unglücklich: „Athleten, die gerade so die Norm geschafft haben und sich bis zur WM noch etwas verbessern wollen, werden unter psychischen Stress gesetzt – das stört auf jeden Fall die Vorbereitung. Und die, die gerade auf dem Weg sind, das sind ja die, die man eigentlich fördern möchte.“ Filmon Ghirmai hat inzwischen die Saison abgebrochen.


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