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Roadrunner, Elite, Achill. Kleine Geschichte der Laufschuhe

12.08.2005

Adidas-Gründer „Adi“ Dassler war einer der Vorreiter für die Konstruktion moderner Laufschuhe. Auf dem Foto hält er eine seiner bahnbrechenden Erfindungen in der Hand: Schraubstollen für Fußballschuhe, mit denen die deutsche Nationalmannschaft 1954 in Ber
© Adidas

Roadrunner, Elite, Achill. Kleine Geschichte der Laufschuhe

In Kooperation mit RUNNER’S WORLD erscheint hier jeden Monat ein Thema aus dem aktuellen Heft.

Früher war vielleicht vieles besser. Laufschuhe waren es ganz sicher nicht. Die Geschichte des modernen Laufschuhs ist noch nicht sehr alt und hängt in erster Linie mit dem Entstehen eines Massenmarktes zusammen, der sich nach Beginn des ersten Laufbooms in den USA Mitte der siebziger Jahre abzeichnete. Erst in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren kann daher von deutlichen Entwicklungssprüngen die Rede sein. Wer seit 25 Jahren und mehr läuft, kann sich noch gut an die ersten Modelle erinnern.
Natürlich gab es schon vorher Sportschuhe, die auch zum Laufen genutzt wurden. Spezielle Schuhe für Langstreckenläufer waren in der Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieg oft Einzelanfertigungen. In den Anfängen stammten Laufschuhe vor allem von deutschen Schuhmachermeistern, die sich dem Sport verschrieben hatten.

Eugen Brütting und die Dassler-Brüder waren die Pioniere
Eugen Brütting und die Dassler-Brüder Adi und Horst sind hier zu erwähnen. Nach gemeinsamem Beginn und späterem Streit gründete der eine später das Unternehmen Adidas, der andere Puma. Beide blieben in der fränkischen Kleinstadt Herzogenaurach. Weiter östlich, im fernen Japan, war es Kihachiro Onitsuka, der bereits in den fünfziger und sechziger Jahren Laufschuhe entwickelte. Seine Marke hieß zunächst Onitsuka Tiger, später Asics Tiger und schließlich Asics. Onitsuka und die Dassler-Brüder kannten sich übrigens sehr gut.
Impulse aus den USA gab es ebenfalls, aber sie kamen vergleichsweise spät, erst in den siebziger und vor allem in den achtziger Jahren. An erster Stelle steht hier natürlich Nike, hervorgegangen aus der Firma Blue Ribbon Sports, die in den sechziger Jahren als US-Importeur von Asics-Tiger-Schuhen begann. Die Nike-Gründer waren Lauftrainer Bill Bowerman und sein ehemaliger Läufer-Schützling Phil Knight, ein ehemaliger Mittelstreckler, dessen Abschlussarbeit am College sich mit dem Thema beschäftigte, wie ein Sporartikelunternehmen die Weltmarktführerschaft von Adidas und Puma ablösen könne. Die Entwicklung des Laufschuhs war immer eng gekoppelt an die Fortschritte in den Zuliefererindustrien. Durch moderne Ölverarbeitung und die Chemieindustrie, die immer neue Plastik- und Schaumverbindungen produzierte, wurde der Grundstein gelegt für moderne Laufschuhe mit Kunststoff-Mittelsohle. Eine gedämpfte Mittelsohle, Kennzeichen und Qualitätsmerkmal eines jeden Laufschuhs, wurde erstmals in den sechziger Jahren eingesetzt. Eines der ersten Modelle mit einer dämpfenden Schicht in der Zwischensohle war 1970 der Roadrunner von Brütting. Der Schuhmacher Eugen Brütting ist Namensgeber dieser noch heute existenten Schuhmarke, die übrigens das Modell Roadrunner nach wie vor mit nur geringen Modifikationen zur Urform herstellt. Die Leistenform ist gebogen, die Ferse ausgespart. Die Sprengung tendiert gegen Null (Vor- und Rückfuß befinden sich auf einer Ebene, ohne Absatz).

Obermaterial aus Wildleder, ein richtiger Fortschritt
Die Zehenbox war damals deutlich größer als bei bisherigen Sportschuhen. Vor allem lief sie nicht spitz zu, sondern gab dem großen Zeh mehr Raum, was etwas ganz Besonderes war. Das Obermaterial bestand aus weichem Wildleder. Bis dahin wurde festes, mit der Zeit immer härter werdendes Glattleder eingesetzt. Für die Mittelsohlenkonstruktion wäre nach heutigen Maßstäben das Wort Dämpfung sicherlich unangebracht, aber Eugen Brütting hatte derartiges schon im Sinn. Ähnlich wie Adi Dassler, der als genialer Schuhmacher gilt und dem unter anderem die Erfindung des Schraubstollens bei Fußballschuhen zugeschrieben wird; eine Erfindung, die zur Erringung des Weltmeisterschaftstitels 1954 in Bern wohl auch ihren Beitrag leistete. Viel später erst widmete sich Dassler auch Schuhen für Langstreckenläufer.
Der Franke erkannte, dass für den Abrollvorgang beim Laufen ein anderer Schuh-Leisten nötig war als für Fußballer oder Feld-Handballer, die noch in den sechziger Jahren verbreitetsten Breiten-Sportarten neben dem Turnen. 1968, lange vor der ersten Jogging-Welle in Mitteleuropa, stellte Adidas das Modell Achill vor, einen Meilenstein der frühen Laufschuhentwicklung. Bis dahin waren Läufer meist in Modellen wie dem Rom (1960) oder dem Gazelle gelaufen, normalen Sportschuhen. Der Achill verfügte dagegen über eine vergleichsweise weiche, gedämpfte Zwischensohle. Das Obermaterial bestand aus Gazellen-Leder, und er besaß bereits eine Ghilly-Schnürung sowie eine Sägeprofil-Laufsohle.

1969 wurde beim Achill der Fersenkeil eingeführt, wodurch er eine größere Sprengung bekam: zur Verringerung des Aufprallschocks war das Material unter der Ferse dicker, die Ferse stand deutlich höher als der Vorfuß. In puncto Dämpfung war der Achill ein bedeutender Fortschritt, auch wenn die Konstruktion vielen Läufern Achillessehnen-Beschwerden einbrachte. Bereits 1968 kamen auch die Modelle Formel 1 und TRX, beide mit einer spoilerartigen Sohlenkonstruktion: Die Außensohle war exponiert wie ein Spoiler und reichte hinten bis über die Ferse hinaus. Bereits in größeren Stückzahlen wurden in den siebziger Jahren Modelle wie SL72, SL74 oder SL76 (das Jahr anzeigend, in dem sie auf den Markt kamen) gefertigt. Die Adidas-Modelle hatten damals den durchschlagendsten Markenerfolg.
Urs Weber

Mehr zu diesem Thema sowie Schuhmodelle aus dem „Laufmuseum“ lesen Sie in der September-Ausgabe von RUNNER’S WORLD.


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