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Strampeln für die Läufer – die Vermessung der Laufstrecke des real,- BERLIN-MARATHON

Mit dem Team des BERLIN-MARATHON per Fahrrad auf Vermessungs-Tour

01.09.2005

Vermessung - ganz offiziell
© hme

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Die genaue Vermessung einer Marathonstrecke von 42,195 km in einer Großstadt wie Berlin ist eine „Doktorarbeit“ – man fährt nicht nur mit einem Autotachometer die Strecke ab und bestimmt danach einfach Start und Ziel. In Berlin wurden in den letzten Jahren insgesamt 5 Weltrekorde beim Marathon gelaufen – insofern gibt man sich hier bei der Auswahl der Strecke, dem Zustand der Strecke und der Lage von attraktiven Start- und Zielpunkten ganz besondere Mühe.
Die Association of International Marathon und Road Races (AIMS) und der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) wachen penibel darüber wer und wie die Laufstrecken vermessen werden, nur besonders ausgebildete Vermesser dürfen überhaupt Strecken vermessen, ansonsten  werden danach die  Leistungen der Läufer und Läuferinnen offiziell nicht anerkannt.
Da in Berlin in diesem Jahr durch nicht zu beeinflussende Straßenbauarbeiten Korrekturen an der Strecke vorgenommen werden mussten, war eine Neuvermessung nötig.
In Berlin stehen dafür zwei Laufstreckenvermesser zur Verfügung, die die „höchsten Weihen“ von AIMS und der IAAF haben, sog. „A-grade“ measurer, die Strecken vermessen dürfen, auf denen u.a. auch Qualifikationen für Weltmeisterschaften und Olympische Spiele gelaufen werden können.
Das ist John Kunkeler, als Marathonläufer und Trainer stadtweit bekannt und Siegfried Menzel, offizieller Vermesser bei der Senatsverwaltung Berlin. Als Kontroll-Instanz von AIMS und der IAAF kam Hugh Jones (London), ehemals erfolgreicher Marathonläufer und  Sieger beim 1. London-Marathon, jetzt Generalsekretär bei AIMS und auch verantwortlich für die Weltmeisterschaftsstrecken für den Marathon in Helsinki.
In Berlin galt  es die Strecke, beginnend von der Laterne 665 auf der Straße des 17. Juni – bis zur „linken Panzerkette“, Panzer 300 (Straße des 17. Juni) – am Sowjetischen Ehrenmal – unweit des Brandenburger Tors, neu einzumessen.
Lesen Sie im folgenden den Bericht einer „Radlerin“, die hautnah an einem schönen Juniabend dabei war. Der Berliner Polizei sei an dieser Stelle ausdrücklich gedankt für die Unterstützung für dieses manchmal nicht ungefährliche Unternehmen, da die Vermessung im fließenden Verkehr und manchmal auch im Gegenverkehr stattfindet.

Nein, laufen würde ich diese Strecke nicht, denke ich mir bei Kilometer 21. Wir sind irgendwo in Berlin-Schöneberg und notieren akribisch unseren Standort: Straße, Hausnummer, sogar der nächstgelegene Laternenmast mit Nummer, so er eine hat. Kilometer 21,975 von genau 42,195. „Halbmarathon“, konstatiert SCC-Vermessungs-Profi Siegfried Menzel. Und hält alle Daten fürs Protokoll fest, ehe sich unser Tross wieder in Bewegung setzt . Vier Radfahrer, prominent eskortiert: Vorneweg ein Polizeiwagen, neben uns ein Begleitfahrzeug von SCC-RUNNING und ein Polizist auf dem Motorrad und, uns immer auf den Fersen, pardon den Reifen, ein orangefarbener Bus mit der Aufschrift „Vermessung“.

Präzisionsarbeit im Abendverkehr

Denn just for fun radeln wir nicht durch Berlin. Obwohl es lau ist an diesem Juni-Abend, und geradezu einladend für ein beschauliche Tour. Aber der heutige Abend verlangt Präzisionsarbeit: Die Strecke für den real,- BERLIN-MARATHON am letzten September-Wochenende will vermessen werden – und das möglichst auf Ideallinie.

Sagt sich so einfach. Bei Feierabendverkehr und Streckenführung über etliche Hauptverkehrsstraßen. Dass die „Mess-Tour“ überhaupt möglich wird, dafür sorgen die Freunde und Helfer. Mit Blaulicht und wenn’s sein muss auch mit durchdringendem Sirenengeheul macht der Polizei-Combi den Weg frei. Das Motorrad immer einige Längen voraus, um die Kreuzungen zu sichern – und ab und an auch den Gegenverkehr in Schach zu halten.

Radln auf der Ideallinie

„Grüne Welle“ durch Berlin für uns vier Pedalritter, auch wenn die Ampeln rot zeigen. Für John Kunkeler aus der Organisationsleitung des real,- BERLIN-MARATHON nichts Neues. Mehrere Male im Jahr vermisst er so diverse Läufe – ob Avon-Running, Staffellauf oder eben den Marathon. Immer auf dem Fahrrad? „Ja wie denn sonst?“ kommt als Antwort. Mit dem Fahrrad, so erklärt Kunkeler, lasse sich eine Strecke am besten und vor allem exakt messen. Und sie lasse sich vor allem genau auf der Linie nachvollziehen, wie sie später der Läufer im Idealfall wählt.

Allerdings sei die Strecke, die am Tag der Vermessung festgehalten werde, 42 Meter länger als die tatsächliche Marathon-Distanz. Der Grund: Parkende Autos beispielsweise verwässern das Ergebnis zwangsläufig – pro Streckenkilometer wird deshalb ein „Karenzmeter eingerechnet. Aber: „Am Veranstaltungstag ist die Ideallinie dann noch idealer!“

„Wasserdichtes“ Messergebnis

Damit das Messergebnis zum Schluss tatsächlich stimmt, werden die Räder der „Vermessungs-Radler“ vor der Tour kalibriert: Sprich: Es gilt festzuhalten, wie viele Umdrehungen des Reifens das Rad auf 1000 Meter benötigt. Aus den Gesamtumdrehungen lässt sich am Ende die Strecke exakt errechnen.

Und das, so erklären mir die Herren, sei äußerst wichtig: Vor allem wenn Weltrekorde gelaufen würden, weiß Siegfried Menzel, müsse die Strecke „wasserdicht“ sein – also belegbare 42,195 Kilometer, nicht mehr, nicht weniger, vermessen nach den Regeln von AIMS/IAAF. Was auch einer der Gründe dafür ist, warum sich  SCC-RUNNING (wie viele andere Marathon-Veranstalter übrigens auch) einen unabhängigen Beobachter zur Messung dazu bittet.

Beobachter mit Argus-Augen

An diesem Abend in Berlin erfüllt diesen Job der ehemalige britische Weltklasse-Läufer Hughes Jones. Jones gehört zur Vermessungs-Elite der AIMS und ist eigens eingeflogen aus London, um die Messungen zu überprüfen und zu bestätigen. „Of course!“ – natürlich werde er auch zum Lauf nach Berlin kommen. Im Moment aber fährt er möglichst Ideallinie. Misst die perfekte Strecke für die Läuferinnen und Läufer – und, ganz britischer Gentleman, flucht und schimpft auch nicht, wenn ich ihm mit meinem Fahrrad mal in die Quere komme. Weil ich zu viel in der Gegend rumgucke. Oder weil doch schon mal die Gedanken abschweifen.

„Wann kommt es denn nun, das berühmte Tief, vor dem sich Läufer immer so fürchten“, frage ich Strecken-Scout Kunkeler, der neben mir radelt. Meine Beine jedenfalls signalisieren, es müsste doch bald soweit sein. „Das kommt auf den Trainingszustand an: in etwa zwischen 28 und 33 Kilometern.“ Vom „Tief “ merke ich dann doch nichts, aber der Hintern tut allmählich weh.

Den drei Herren vor mir macht das nichts. Zumindest zeigen sie’s nicht. Und hängen sich ins Protokollieren: Alle fünf Kilometer und eben auch zu Halbmarathon wird der exakte Standort bestimmt. Insgesamt neunmal stoppt unser Trupp und hält den Verkehr doppelt auf.

Attraktion für japanische Touristen

 „Was soll der Mist?“, das kriegen wir schon mal zu hören. Meine Begleiter kennen das längst - ich gewöhne mich daran. Und genieße mehr und mehr das Gefühl der freien Fahrt über rote Ampeln. Die, natürlich, fordert – und trotzdem Muße lässt für diese ungewöhnliche Stadtrundfahrt. Der eine oder andere winkt schon mal rüber aus dem Straßencafe. Und ich frage mich, wofür sie uns halten: Für VIPs auf Staatsbesuch per Velo? Bei den Japanern, die uns „Unter den Linden“ fotografieren, durchaus denkbar. Wieder zu Hause, in Tokyo oder Yokohama, werden sie sich dann wundern über die verschwitzen Gesichter auf ihren Fotos. Die dennoch etwas Entspanntes haben. Kein Wunder: das Ziel ist in Sicht!

Am Ende: das Ergebnis stimmt

Nach etwa zweieinhalb Stunden sind wir zurück am Ausgangspunkt, „Straße des 17. Juni“. „Rechter Panzer, linke Kette“ – das russische Mahnmal ist Ziel unserer Vermessung. Streckenvergleich: fast identisch die gefahrenen Kilometer. „Die Schwankungen liegen im Promillebereich“, stellt Siegfried Menzel zufrieden fest. Und auch Hughes Jones freut sich britisch-verhalten: Der „Ideallinien-Fahrer“ hat tatsächlich seine ideale Linie erreicht – die gemessene Strecke zeigt es.

„Wir ooch nich!“

Wasserflaschen machen die Runde. Ende einer Berliner Dienstfahrt, auch für die Männer aus den Begleitfahrzeugen. Die sich’s nicht verkneifen können und mich grinsend fragen: „Na, außer Puste?“

Und, als ich stolz den Kopf schüttele, nur trocken zurückgeben. „Wir ooch nich!“

Gabi Kannamüller

 

 


 

 


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