41. BMW BERLIN-MARATHON am 28. September 2014

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Läufer-Geschichten (7): Das war MEIN real,- BERLIN-MARATHON

von Angela Schäpers

23.09.2005

Angela Schäpers

Am 16.Dezember 2002 hatte ich mich für den 30. real,- BERLIN-MARATHON am 28.September 2003 angemeldet, hatte jedes Mal, wenn ich davon erzählte eine Gänsehaut und konnte die Schritte von Tausenden laufenden Füßen hören. Jetzt ist es endlich soweit! Es soll mein 11. Marathon insgesamt werden (die 11 ist meine Glückszahl, aber das ist wirklich Zufall), außerdem der 4.Marathon in diesem Jahr (so viele bin ich in einem Jahr noch nie gelaufen) und mein 4. BERLIN-MARATHON und trotzdem fühlen sich die letzten Tage an, als ob es mein 1. Marathon werden sollte. Aber nun ist endlich Samstagmorgen und es geht los: Meine Jungs sind fürsorglich wie selten, laden das ganze Gepäck ein, denn Mama soll nicht mehr schwer heben! Wir holen Susanne ab, die genauso kribbelig und freudig aufgeregt ist wie ich; das ist absolut schön, denn einen völlig coolen, gelassenen Marathoni oder gar einen Nichtläufer könnte ich in meiner Hochstimmung nur schwer ertragen. Auf der Fahrt habe ich noch das Glück eine Radarkontrolle rechtzeitig zu sehen, auf die erlaubten 100 km/h runterzubremsen und nicht geblitzt zu werden! Wenn das kein gutes Omen ist!

 

Nachdem wir Susanne abgesetzt haben landen wir glücklich bei meiner Freundin Marion: eine absolute Nichtläuferfamilie (...wie weit musst du morgen laufen?). Auch der Schwager, der den Skater-Marathon mitfährt ist schon da, alles wie immer....ach wie schön. Und Marion fragt immer nur: Was möchtest DU jetzt tun, was möchtest DU essen, was kann ich für DICH tun? Das bin ich nicht gewöhnt, und es tut einfach gut. So gehe ich nach einem riesigen Berg Nudeln und zwei Glas Rotwein (..und das ist für mich ziemlich viel) ins Bett  und kann doch nicht richtig schlafen....aber das ist normal!
 

Nach dem „Marathon-Aufsteh-Anzieh-und Kleiderbeutel-Pack-Ritual" frühstücke ich  ausgiebig: 2 Brötchen, 3 (kleine) Stücke Kuchen; wer mich kennt weiß: Ich esse fast ständig und stehe doch immer kurz vor dem Verhungern, und bis zum Start sind es ja noch 2 Stunden. Um 7:00 steht Marion verschlafen in der Küchentür, um mich zur S-Bahnstation zu bringen (welch’ gute Seele).

 

Und die S-Bahn? Wie sollte es sonst sein: Sie ist hoffnungslos überfüllt, es wird gedrängelt, gequetscht, geschubst und gemeckert....alles wie immer, ach wie schön. Vom Ausstieg aus der S-Bahn unter den Linden, durchs Brandenburger Tor durch, zum Eingang in den Läuferbereich am Reichstag, vorbei an den Kleiderwagen, hin bis zum Startbereich auf der Straße des 17. Juni...eine einzige nicht enden wollende Schlange von Läufern, alles geht nur im Schneckentempo voran.... aber laufen wollen wir ja auch erst später.


 Ich bin erst um 8:50 im Startblock (wie immer ganz hinten), da bleibt keine Zeit mehr nervös zu werden oder vor Rührung zu heulen, plötzlich geht es einfach los....und ich weiß: es ist MEIN Marathon. Die Sonne scheint und es ist richtig warm: MEIN Wetter, da meint es jemand richtig gut mit mir! Auch soooo weit hinten ist das Läuferfeld noch dicht gedrängt, an einen eigenen Rhythmus ist überhaupt nicht zu denken, und doch habe ich so mir nichts dir nichts die ersten 10 km unter einer Stunde gelaufen (das hatte ich mich bei einem Marathon noch nie getraut). Ich denke an Ekki („die Peitsche“) und sein Training, und das es mir doch ganz schön was gebracht hat, obwohl ich sicherlich nicht die Fleißigste dabei war. Und ich laufe einfach so weiter; alles ist anders als sonst: in meinen vorherigen Marathons hatte ich eigentlich immer die gleichen Läufer um mich, man lief so mehr oder weniger in einer Gruppe, diesmal werde ich immerzu überholt und überhole aber auch selber immer wieder, irgendwie merkwürdig ( und das sollte auch bis zum Schluss so bleiben).

 

Nach dem Halbmarathon wird es mir langweilig (das passiert mir fast immer), es ist noch sooo weit.... aber ich kann mich gut ablenken: Es ist sooo schön warm, und ich träume mich, ein wenig wehmütig, in den vergangenen wunderschönen Sommer zurück!!! ...Und schon ist km 26 vorbei!! Jetzt muss ich wieder aufpassen, denn am „ Wilden Eber“ wollen meine Jungs stehen. Und tatsächlich entdecke ich sie, und nun müssen sie es ertragen, von ihrer Mutter auf offener Straße geküsst zu werden. Und ich bin doch einen Moment so ergriffen, dass ich mit den Tränen kämpfen muss. Aber laufen und heulen geht nicht gleichzeitig und außerdem melden sich zunehmend meine Beine und ich muss mit ihnen kämpfen.

 

Bei km 30 bin ich 10 Minuten schneller als ich es mir insgeheim zurechtgelegt habe, und da wage ich doch zum ersten Mal an eine neue Bestzeit zu denken. Bei km 37 bin ich immer noch 10 Minuten schneller als ich es vor 4 Wochen in Plön war,....und es sind nur noch 5 km. Alles tut weh, aber nicht im Traum würde es mir einfallen jetzt zu gehen, ich traue mich nicht mehr auf die Uhr zu sehen, dass es eine neue Bestzeit wird, glaube ich schon, aber wie viel besser will ich  gar nicht wissen, außerdem bin ich sowieso nicht mehr in der Lage zu rechnen.

 

Die Versuchung einfach stehen zu bleiben wird immer größer, doch dann bin ich schon bei km 40 und biege in die Karl-Liebkecht-Straße ein, die dann direkt in die Straße Unter den Linden über geht....und da kann man das Brandenburger Tor schon sehen, und ich bilde mir ein, ich werde immer schneller... Runners high!!!

 

Und ich bekomme eine Gänsehaut und laufe und laufe und laufe....durch das Brandenburger Tor und auf das Ziel zu...ich sehe auf der großen Uhr die Bruttozeit und bin nicht in der Lage meine Nettozeit zu bereifen...ich stoppe meine eigene Uhr bei 4:27:11 (offiziell sind es nachher 4:27:09) und da ist es dann doch um meine Fassung geschehen und ich stehe im Ziel und heule. Wie gut, dass mich hier keiner kennt!!!! Ich habe meine alte, vor 4 Jahren auch in Berlin gelaufene, Bestzeit um 19 Minuten und 50 Sekunden unterboten!! ...und die Sonne scheint und es ist warm...MEIN Wetter... MEIN Marathon!

 

Der Rest ist schnell erzählt: ich gönne mir noch ein Stündchen Sonnenbad auf der Wiese vor dem Reichstag, um dann wieder in die S-Bahn zu steigen; Alle Marathonis sind jetzt an ihrem Gang zu erkennen...! Marion holt mich, Gott sei Dank, auch wieder von der S-Bahn ab und kocht noch einmal eine Riesenportion Nudeln für mich. Bevor wir uns endgültig auf den Heimweg machen, muss ich Susanne noch wieder finden, was sich etwas schwierig gestaltet, weil mein Orientierungssinn nur schwach entwickelt ist.....aber wofür gibt es schließlich Handys! Auf dem Nachhauseweg schwelgen wir dann in unseren Marathonerinnerungen... kein Nichtmarathoni hätte das ertragen!!

 

Zu Hause angekommen fallen Finn und Torge todmüde in ihre Betten und Stella, meine Große, kommt noch auf die wunderbare Idee ihre Mutter mit einem Nachtmahl von Mc Donalds zu verwöhnen...alles wie immer... ach wie schön!

 ANGELA SCHÄPERS


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