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Langstrecken in Deutschland - Alleine die Frauen machen etwas Hoffnung

Luminita Zaituc und Claudia Dreher hellen Straßen-Bilanz auf – Uhlemann: „Männer völlig unbefriedigend

06.10.2005

Luminita Zaituc siegt beim 25. Bewag BERLINER HALBMARATHON 2005 und wird Zweite beim 32. real,- BERLIN-MARATHON 2005
© camera 4

Detlef Uhlemann hat sich seinen Job auch leichter, sprich erfolgreicher, vorgestellt. Doch am Ende des WM-Jahres steht der Langstreckencoach des DLV mit quasi leeren Händen da. Die Präsenz deutscher Langstreckler beim Welt-Championat in der finnischen Hauptstadt erstreckte sich nach den Absagen von Luminita Zaituc und Claudia Dreher und den Mutterfreuden bei Irina Mikitenko alleine auf Sabrina Mockenhaupt. Und die kleine Siegerländerin zeigte sich angesichts des hohen Niveaus im 10 000 m-Rennen der Frauen zwar in einer grundsoliden, aber keineswegs Topform, die Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden hätte keinem lassen. „Dass sie auf hohem Niveau laufen kann, das haben die 5000 m-Rennen nach Helsinki gezeigt. Das war schon klasse!“ gesteht Uhlemann „Mocki“ zu.

Die Bahn ist ein Fokus, die Straße ein zweiter. Angesichts der attraktiven Marathonveranstaltungen auf deutschem Boden wie Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt mit stetig wachsendem Zuspruch fällt es schwer, deutsche Spitzenleistungen, bei den Frauen sicherlich schon eher, bei den Männern jedoch keinesfalls, herauszufiltern. In Berlin stand Luminita Zaituc, die Europameisterschaftsdritte von München, sicherlich ganz im Schatten der Olympiasiegerin Mizuki Noguchi, kämpfte sich aber, von Krämpfen geplagt, überaus tapfer in respektablen 2:27:34 Stunden durch.

Zwar lief Melanie Kraus auf dem schnellen Berliner Asphalt bereits als Vierte ins Ziel unweit des Brandenburger Tores, doch die 2:34:23 brachten die trotz aller Rückschläge immer wiederkehrende Kölnerin keinen Deut weiter. In Köln marschierte Claudia Dreher unverzagt ob der widrigen Witterungsverhältnisse zum dritten Sieg in Folge in respektablen 2:31:43 Stunden.

Ein Frauenteam für die Medaillenplätze

„Mit Luminita und Claudia haben wir zwei Läuferinnen für Platzierungen unter den ersten Sechs, eine Mannschaft kann ganz vorne mitmischen. Schließlich haben wir vor vier Jahren gewonnen“, macht Detlef Uhlemann den Frauen Mut für die anstehenden Europameisterschaften im kommenden Jahr in Göteborg. Doch wer soll die Mannschaft komplettieren? Der Langstreckencoach setzt dabei auf zwei jüngere, aber derzeit noch im Aufbau befindliche Frauen: Ulrike Maisch wird in Frankfurt einen Versuch ohne Ambitionen starten, Romy Spitzmüller ist nach dem ausgeheilten Ermüdungsbruch wieder im leichten Training. Nicht aus dem Blickwinkel möchte Uhlemann dabei auch Stefanie Maier und Anja Carlsohn verlieren, die sich allerdings im Marathon-Frühling 2006 erst einmal zeigen müssen.

Früherer Bergläufer Steidl führt DLV-Bestenliste mit 2:18:45 an

Ganz düster ist die Situation bei den Männern. Die aktuelle DLV-Jahresbestzeit hält der 34jährige frühere Berglauf-Junioren-Weltmeister Uli Steidl, der seit Jahren in den USA lebt, mit 2:18:45 Stunden, die er vor wenigen Wochen als Siebter im kanadischen Toronto erzielen konnte. „Mit dem Platz bin ich trotz des 41 km langen Sololaufes zufrieden. Ich hoffe nur für den deutschen Marathon“, gestand Steidl im Ziel, „dass ich mit dieser Zeit nicht auch am Ende der Saison in der DLV-Bestenliste ganz oben stehen werde!“

Vorjahresmeister Martin Beckmann brach in Berlin nach zielgerichteter erster Hälfte völlig ein und kam nach unerklärlichen 2:24:24 ins Ziel. Dirk Nürnberger gewann in Regensburg die Titelkämpfe in 2:22:48. „Während wir auf der Bahn mit Jan Fitschens Rückkehr und Arne Gabius’ leichten Verbesserungen ebenso ordentliche Ansätze sehen wie auch mit den Erfolgen der jungen André Pollmächer und Stefan Koch in Erfurt, sieht es auf der Straße völlig düster aus!“ urteilt Uhlemann. „Wir können nur mit einer Mannschaft nach Göteborg fahren, wenn zumindest zwei Athleten die sicherlich abgeschwächte Norm laufen. Es wird nicht heißen: Auf jeden Fall eine Mannschaft!“

Beckmann setzt auf Professionalität bis 2008

Martin Beckmann, der inzwischen 27jährige deutsche Meister des Vorjahres, kehrte nach Berlin an die Städte seines Meisterschaftserfolges mit einer nicht nachvollziehbarem Leistungseinbruch zurück. Zumal er nach dem Abschluss seines Studiums auf die Karte Professionalität setzt. „Man bekommt immer wieder unter die Nase gehalten, wie schlecht man ist. Es gibt bei uns aber auch wenig richtige Laufgruppen wie dies in Afrika der Fall ist. Und wenn es solche gibt, dann brechen sie schnell wieder auseinander“, sagte Beckmann am Rande des Berlin-Marathons.  
Er möchte jedenfalls bis 2008 als Laufprofi arbeiten, um sich den Traum von Olympia erfüllen zu können. „Ich brauche Zeit, um alles umzusetzen. Man kann das Niveau nicht von heute auf morgen steigern!“ Auch wenn er kein ausgesprochener Vorläufer der Szene ist, vielleicht lässt sich dennoch der eine oder andere der Zunft von seiner Einstellung anstecken.

Hier Ansätze bei Kröckert, dort ein Lebenszeichen von Eich

Die Halbmarathonstrecke, die Bundestrainer Uhlemann als eine Art „Zubringer“ für die 42,195 km-Distanz sieht, wird derzeit von Oliver Dietz (1:04:23) vor dem gerade in Griesheim nach Studiumsabschluss wieder eingestiegenen Mario Kröckert (1:04:35) angeführt. „Das mag ein erster Schritt in Richtung Marathon sein, aber beide sollten zunächst noch auf den Unterdistanzen bleiben, ehe sie zur Marathonstrecke wechseln!“

Gleiches möchte Uhlemann gerne bei Stefan Koch erreichen, dem deutschen Meister von Ohrdruf, der hier beherzt seine Chance gegen die Etablierten wie Beckmann und Co. zum Titelgewinn ausnutzte. Erste Lebenszeichen gibt es übrigens auch von Carsten Eich, der sich mit zaghaften Schritten aus Österreich wieder zurückmeldet. Doch der Neu-Düsseldorfer hat sich längst aus der Nationalmannschaft verabschiedet und möchte „in Ruhe“ wieder in Form kommen, zumal er kein Perspektivmann für die nahe Zukunft (mehr) ist.

Wilfried Raatz

 

 


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