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Mit Vollgas in die Sachskurve - wer kennt den Straßenlauf auf dem Hockenheimring?

Was Schumi ohne Crash nicht schafft, das gelingt 2000 Freizeitläufern - Der Hockenheimring ist auch ein Parcours für Läufer

03.11.2005

Die Läuferschlange auf dem Hockenheimring
© © ASG Triathlon Hockenheim 1986 e.V.

Mit Vollgas in die Sachskurve - wer kennt den Straßenlauf auf dem Hockenheimring?

 
Wer unter den etablierten Läufern nennt ihn nicht, den legendären Nürburgringlauf. Viele Jahre mit Kultstatus behaftet, für einige Jahre aus dem Terminkalender verschwunden und jüngst wieder aufgetaucht im Verbund mit „Rad am Ring“ und den vielfältigen Bemühungen, den selektiven Eifelparcours wieder für die Laufszene zu öffnen.

Wer kennt aber den Straßenlauf auf dem Hockenheimring?

Wenn die Badener an Allerheiligen ein „Läufchen“ bestreiten wollen, dann gehen sie auf das berühmte Motodrom in der nordbadischen Kleinstadt, die alleine durch die Hochgeschwindigkeitsschleife weltweit zum Inbegriff von Hochleistungssport geworden ist. Jahr für Jahr kehren die Schumachers, Montoyas, Räikkönens und Alonsos im Juli für wenige Tage ins Rhein-Neckar-Dreieck ein und sorgen für einen Menschenauflauf, der in stetiger Regelmäßigkeit zu katastrophalen Verkehrsverhältnissen rund um das Walldorfer Kreuz führt.

Heuer zum achten Mal

Ansonsten herrscht hier sicherlich eher ruhige Betriebsamkeit und Gelassenheit, wenngleich der Hockenheimring schon rein aus wirtschaftlichen Gründen eine ordentliche Auslastung mit einer Fülle von Veranstaltungen und Testfahrten aufzuweisen hat. Auch die Läufer haben auf dem Motodrom längst Einzug gehalten. Der amerikanische Sportartikel-Marktführer Nike hatte bereits diese Location für das Finale im Deutschen Cross-Cup auf spektakulärer Weise genutzt, der BASF-Firmencup zieht jeweils im Juni 5000 Hobbyläufer der Firmen aus der Region zum lockeren Plausch auf die Asphaltpiste. Und die ASG Triathlon Hockenheim veranstaltet jeweils am 1. November den Hockenheimringlauf über 10 km. Heuer zum achten Mal, mit stetig wachsender Beteiligung.

Nordkurve, Parabolika und Sachskurve

Dicht verhangener Morgenhimmel und teilweise starker Regen mag so manchen Freizeit- und Hobbyläufer davon abgehalten haben, seine Laufschuhe für den Hockenheimring zu schnüren. Doch unter dem Strich konnten bei stetig besser werdenden Laufbedingungen die Verantwortlichen um Oskar Stephan 2 130 Finisher, darunter 1444 10 km-Läufer zählen. Auf unterschiedlichen Strecken zwischen Nordkurve, Parabolika und Sachskurve bewegten sie sich im Laufschritt, vorbei an den gähnend leeren Zuschauerrängen träumten sie von den Geschwindigkeiten der sündhaft teuren Boliden aus dem Hause Ferrari, McLaren, Mercedes und Renault, die es auf der langen Geraden im Nordostteil bis auf wenig energieverträgliche 330 Stundenkilometer bringen. Und in schöner Regelmäßigkeit in der Boxengasse „einkehren“ müssen zum Auftanken.

Und diese Boxengasse gab es auch für die Läufer. Zwischen den Ständen des MLP Marathon Mannheims und des Freiburg-Marathons, den knackig-frischen Äpfeln eines Hockenheimer Bauern und Schnäppchen aus der großen Sportartikelwelt gab es zum Auftanken der Energiespeicher die in der Tat legendäre Kaffee-Kuchen-Theke mit über 130 (!) Kuchen aus heimischer Backkunst.

Nur einen einzigen Läufernamen  wußte er ...

Es hat niemand wirklich gestört, dass der Moderator nur einen einzigen Läufernamen im Ziel wusste, aber dennoch ein Unterhaltungsprogramm von über drei Stunden abspulte. Die wenigen Insider jedenfalls wussten, wen sie anzufeuern hatten. Hier das aus Hockenheim stammende Urgestein Hans Pfisterer, die ausdauerschnelle und attraktive Medizin-Doktorantin Andreina Byrd, die inzwischen 61jährige Turbo-Hilde Pfeiffer aus dem hessischen Lampertheim mit einem aktuellen Leistungsvermögen von knapp über vierzig Minuten oder das Ultra-Laufehepaar Jörg und Tanja Hooß bzw. die Senioren-Weltmeisterin Lidia Zentner von Gazelle Pforzheim, die tatsächlich so läuft wie der Vereinsname es suggeriert. Sie alle fühlen sich sichtlich wohl am Feiertag, der vornehmlich in den süddeutschen Bundesländern eingerichtet ist.

Und die Tagesschnellsten? Der finnische Mediziner Jukka Kero im Dress des TV Schriesheim ließ sich nach dem Auftakt einiger Heißsporne den Sieg über die 10 km-Distanz in 32:01 nicht nehmen, das Verfolgerduell sicherte sich der für die Neuköllner Sportfreunde laufende Thomas Lüdtke (32:24) vor Michael Wüschner (32:37) und den erstaunlich frischen Markus Geiger (32:41) und Björn Richter (32:47), die mit ihren 17 und 19 Jahren den willkommenen Generationenmix auf dem Hockenheimring ausmachten.

Bei den Frauen überraschte die aus Berlin stammende inzwischen in Karlsruhe als promovierte Wissenschaftliche Assistentin in der Stammzellenforschung tätigen 35jährigen Susanne Brema mit 35:45 Minuten die in Heidelberg lebende Andreina Byrd, die mit einem lockeren Läufchen den Frust des Frankfurt-Marathon herauslaufen wollte. Die 28jährige DLV-Auswahlläuferin war zwei Tage zuvor wegen Formschwäche tief enttäuscht nach 25 km aus dem Rennen gegangen – und setzt nun auf die Karte Cross. Das zufälligerweise zustande gekommene „Familienduell“ zwischen den Laufpaaren Kero-Byrd und Lüdtke-Brema endete zwar gemessen an der Platzziffer unentschieden, die Berliner Kombination hatte in der Zeitaddition jedoch knapp die Nase vorne.

Wilfried Raatz

Alle Ergebnisse unter:

www.asgtria-hockenheim.de


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