42. BMW BERLIN-MARATHON am 27. September 2015

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Weltbestzeit auf heimischen Boden - Regina Vollbrecht die blinde Läuferin aus Berlin

Mein Ziel war es die von mir aufgestellte Weltbestzeit von 3:31:36 h zu unterbieten.

11.11.2005

Regina Vollbrecht mit Begleitläufer im Ziel des 32. real,- BERLIN-MARATHON
© hme

Weltbestzeit auf heimischen Boden - Regina Vollbrecht die blinde Läuferin aus Berlin Weltbestzeit auf heimischen Boden - Regina Vollbrecht die blinde Läuferin aus Berlin Weltbestzeit auf heimischen Boden - Regina Vollbrecht die blinde Läuferin aus Berlin Weltbestzeit auf heimischen Boden - Regina Vollbrecht die blinde Läuferin aus Berlin

Schon im Vorfeld war der 32. real,- BERLIN-MARATHON etwas besonderes für mich. Zum einen das Interesse der Presse und zum anderen die besondere Startgruppe der blinden und sehbehinderten Läufer. So gab ich Interviews für den Tagesspiegel und die BZ.

Schnürsenkel

Am 25. September waren unter den 39.000 Läufern des real,- BERLIN-MARATHON auch 10 Blinde und Sehbehinderte. Unsere besondere Startgruppe, bestehend aus fünf Frauen und fünf Männern, durfte aus dem zweiten Startblock direkt hinter den Topläufern starten. An dieser Stelle ein Dankeschön an den Veranstalter SCC-RUNNING für diese Möglichkeit.
Soweit vorne im Startfeld stehen zu dürfen, löste allgemeine Begeisterung bei den Blinden und Sehbehinderten aus. Für mich war es nach Hamburg im April 2005, das zweite mal dass ich hinter den Tops starten durfte.

Soweit vorne im Startfeld stehen zu dürfen, löste allgemeine Begeisterung bei den Blinden und Sehbehinderten aus. Verbunden sind wir mit unserem Guide durch einen Schnürsenkel.

Ansage

Unebenheiten, Kurven, Zeiten und Kilometerangaben müssen angesagt werden. Wir benötigen also, dadurch dass wir nebeneinander laufen mehr Platz. Es ist für uns einfacher überholt zu werden, als andere Mitläufer zu überholen. Außerdem kosten Überholvorgänge nicht nur Kraft, sondern dem Begleitläufer auch ein hohes Maß an Konzentration.

Schon die erste kleine Überraschung für mich vor dem Start. Mein Trainer Jürgen Köllner war am Start und gab letzte Hinweise zum Rennen. Schließlich war dies mein erster Marathon, bei dem ein Trainer persönlich mit dabei war. Mein Ziel war es die von mir aufgestellte Weltbestzeit von 3:31:36 h zu unterbieten.

Drei Begleitläufer

Dabei unterstützten mich drei Begleitläufer. Für mich als blinde Athletin ist es wichtig, das der jeweilige Guide mir läuferisch überlegen ist, um mich sicher über die Strecke führen zu können. Wenn ich mich für einen einzelnen Begleitläufer entschieden hätte, so müsste dieser ca. 20 Minuten schneller die Marathonstrecke absolvieren können, als meine angestrebte Zeit.

Möchte man seine Zeit z. B. als Weltbestzeit anerkennen lassen, so müssen internationale Regeln befolgt werden. Diese schreiben vor, das ein blinder oder sehbehinderter Athlet bis zu vier Guides haben kann. Selbstverständlich darf man  immer nur von Einem begleitet werden. Die Wechsel müssen bei 10 km, 20 km oder 30 km erfolgen.

Claus Rasmus

Auf den ersten 10km begleitete mich Claus Rasmus, da er den Marathon für sich selbst zu Ende laufen wollte. Vor dem Rennen war mit einem anderen sehbehinderten Läufer verabredet, dass er hinter mir her laufen wollte. Sein Sehrest reicht gerade noch aus, um so ein Rennen allein zu absolvieren. Er wusste natürlich auch meine angestrebte Zeit von 3.25 h bis 3.28 h.

Stephan Möhnle.

Schon nach fünf km war er dann nicht mehr hinter mir und ich dachte, dass er sich hat zurück fallen lassen. Später war ich dann, beim Blick ins Internet um so erstaunter als ich feststellte, dass er mich nach 5 km überholt hatte und bei 21 km einen Vorsprung von zwei Minuten hatte. Allerdings bereute er wahrscheinlich seinen Entschluß auf der zweiten Hälfte der Strecke.
Ich erreichte km 10 bei einer Zeit von 48:10 Minuten und ab dort begleitete mich Stephan Möhnle.

Franz Feddema

Auf den ersten 20 km wurden wir von so manch einem Mitläufer angefeuert wie z.B.: "Klasse, wie ihr das macht!". Nach 2:23:50 h erreichte ich wie geplant km 30. Für die letzten und härtesten Kilometer war dann der, doch vielen Läufern bekannte Franz Feddema an meiner Seite. Natürlich ist es immer wieder schön die Begeisterung der Zuschauer zu spüren, wenn sie sagen: "Das ist doch die Blinde!".

"Versuch am Tempo zu bleiben"

Auf den letzten 12 km erlebte ich den Jubel aus einer anderen Perspektive. Viele Lauffreunde feuerten Franz an und auch das war für mich ein tolles Gefühl. Ja, und nicht zu vergessen, die Freunde und Bekannten, die sich bei diesem herrlichen Wetter an die Strecke gestellt haben.
Bei km 33 traf ich meinen Trainer Jürgen Koellner. Auf die Frage: "Wie gehts Dir?" antwortete ich nur kurz, dass ich nicht wüsste, ob ich das geplante Tempo halten könnte. Mit dem Hinweis: "Versuch am Tempo zu bleiben", verabschiedete er sich.

Guter Trainer ist was wert - Jürgen Köllner

Nach dem Rennen wurde mir so richtig bewusst, was ein guter Trainer wert ist. Was ich zu diesem Zeitpunkt nämlich nicht wusste war, das die sehbehinderte Läuferin Michaela Kummer noch drei Minuten Vorsprung auf mich hatte (bei km 21 hatte sie sogar 5 Minuten Vorsprung!). Also versuchte ich am Tempo dran zu bleiben.
Bis ca. 250 m vor dem Ziel, als Franz mir plötzlich sagte, das vor mir eine andere Sehbehinderte läuft. Dann galt es nur noch alle Kräfte zu mobilisieren. Nach einem Endspurt überquerten wir kurz vor Michaela die Ziellinie. So war ich doch völlig erschöpft und mit meiner Zeit von 3:22:08 überglücklich.
 
Interviews

Schon nach  fünf Minuten nach der Zielankunft begannen dann die ersten Interviews z.B. eine Liveübertragung im RBB. Nach einiger Zeit ging es dann für mich in einem Smart-Cabrio des Organisationsteams zur Dopingkontrolle. Bei den sehbehinderten Herren kam Hans Demmelhuber mit einer Zeit von 3.45 h als Erster ins Ziel.

BZ - "BERLINS BLINDE HELDIN" auf der Titelseite - mit Bild

Am nächsten Tag war ich doch dann ganz überrascht auf der Titelseite der BZ zu sein und das meine aufgestellte Weltbestzeit als Schlagzeile auf den Bildschirmen in den U-Bahnen eingeblendet war. Tja, natürlich habe ich die Einblendungen auf den Bildschirmen erst ein oder zwei Tage später durch Glückwünsche von Freunden mitbekommen.
Da habe ich doch nur gedacht, wie schade, dass ich nicht den einen oder anderen Blick der Fahrgäste erhaschen konnte.

Noch nie habe ich so viele Glückwünsche nach einem Marathon erhalten.

Heimvorteil?

Nennt man das Heimvorteil? Zu guter Letzt bleibt mir eigentlich nur noch übrig mich bei meinen Begleitläufern, meinen Trainern, insbesondere meinem Mann Harald  für ihre Unterstützung zu danken. Es ist zwar meine Leistung die zählt, aber ohne die  meiner Begleitläufer wäre sie nicht möglich.

Platzierungen:
Regina Vollbrecht        3:22:08
Michaela Kummer       3:22:08
Ulrike Wilhelm             3:58:13
Conny Dietz                 4:53:02

Hans Demmelhuber     3:45:54
Georg Janßen              4:03:27
Jeffrey Norris              4:19:54
Ottmar Miles-Paul       5:22:40

Die meisten Teilnehmer waren so begeistert, dass für sie die Teilnahme am nächsten real,- BERLIN-MARATHON als sicher gilt. Für mich gilt der Spruch:
Nach dem Marathon ist vor dem Marathon.

In einigen Wochen werden die Vorbereitungen für den Marathon in Hamburg am 23.04.2006 beginnen.

Regina Vollbrecht

 


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