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Bluthochdruck und Ausdauersport

Aus der Dezember-Ausgabe von Runner's World

02.12.2005

Dr. Willi Heepe, der Medical-Director vom real,- BERLIN-MARATHON und SCC-RUNNING

Zum Thema Ausdauersport bei Bluthochdruck erreichten uns in letzter Zeit sehr viele Fragen und Zuschriften, die sich leider nicht jeweils individuell beantworten ließen. Daher fasst unser Experte Dr. Willi Heepe, der langjährige Medical-Director des real,- BERLIN-MARATHON und SCC-RUNNING, hier zusammen, welche Aspekte bei diesem Thema eine Rolle spielen und worauf zu achten ist.

Bluthochdruck ist in den zivilisierten Ländern eine der häufigsten Erkrankungen. Sie trifft schicksalshaft, ohne dass eine Ursache zu ermitteln ist, jeden vierten Europäer. Nur in etwas fünf Prozent der Fälle lassen sich Ursachen finden. Diese sind im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems, der Schilddrüse, der Nieren oder des inneren Hormonsystems zu suchen. Ergänzend spielen natürlich Risikofaktoren  wie Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und Alkoholgenuss ebenfalls eine große Rolle. Bei dem größten Teil der an Bluthochdruck Erkrankten spricht man von einem essentiellen Bluthochdruck oder einem ererbten Bluthochdruck.

Symptome werden oft falsch interpretiert

Das Besondere an der Krankheit ist ihre langjährige Symptomfreiheit. Keiner der Hochdruckerkrankten erleidet in den ersten Jahren Beschwerden. Erst bei Manifestation der Schäden an den Blutgefäßen, im Bereich des Herzens, des Kopfes oder auch der Nieren treten Symptome auf. Diese werden häufig fehlinterpretiert. Eine Behandlung wird beinahe immer zu spät eingeleitet. Wird sie eingeleitet, wird sie häufig inkonsequent und nicht regelmäßig durchgeführt. Eine Besserung ist bei dem derzeit bestehenden Gesundheitssystem nicht zu erwarten. Prävention ist nicht gesetzlich verankert. Die Ärzte sind in Vorsorge und Information nicht geschult.

Nur 30 bis 40 Prozent werden behandelt

Das Ergebnis zeigt, dass von den an Hochdruck erkrankten in Deutschland derzeit höchstens 30 bis 40 Prozent behandelt werden. Von denen, die behandelt werden, werden derzeit nur ca. sieben bis 15 Prozent nach internationalen Leitlinien behandelt.

Die Folgen sind erschreckend; Schlaganfall, Herzinfarkt, Nierenversagen sind beinahe immer die Folge. Die Lebenserwartung eines nicht behandelten Hochdrucklers verkürzt sich um ca. 5–15 Jahre.
Man könnte erwarten, dass ein vorsorgebewusster Sportler besser informiert ist und diese Krankheit ernster nimmt. Leider sprechen unsere Erfahrungen hier eine andere Sprache. Auch bei einer großen Läuferschar des Berlin-Marathons sind immer noch beinahe 40 Prozent nie beim Arzt gewesen und kennen ihren Blutdruck nicht, sodass wir auch bei dieser Klientel allein in den Beratungstagen vor dem Marathon sehr viele Hochdruckler entdecken, die völlig überrascht von diesem Ergebnis sind. Wird der Sportler mit der Tatsache konfrontiert, dass er an Hochdruck erkrankt ist, sucht er immer noch den »pillenlosen Weg«.

»Ich laufe, ich bin schlank, ich bin gesund.«!

Er möchte mit dem Sport alles heilen. »Ich laufe, ich bin schlank, ich bin gesund.« Er vergisst, dass der Hochdruck für ihn genauso schädlich, ja, wenn ein hoher Belastungsdruck besteht, sogar noch schädlicher ist als für Normalbürger. Er sollte akzeptieren, dass nur eine konsequente medikamentöse Therapie die Folgeschäden letztlich und endlich verhindern kann, wenn das Segment Sport ausgereizt ist. Gegen eine erfolgreiche Hochdruckbehandlung spricht, dass sehr viele Ärzte in Deutschland von der Sportphysiologie und den Auswirkungen eines Dauerleistungstrainings auf den Organismus keine Vorstellung haben und daher Medikamente nach dem »Schema F« verordnen. Das heißt, die Sportler bekommen Medikamente, die für einen risikobeladenen Normalbürger in Ordnung sind, die aber beim Sportler die Leistungsfähigkeit und die Leistungsmotivation massiv einschränken bis hin auch zu Einschnitten in die Befindlichkeit, sodass der Sportler sich frustriert abwendet und lieber mit Hochdruck weiterlebt. Aufklärung, Information und bessere Medikation sind die Forderung.

Welchen Nutzen bringt der Sport?

Welchen Nutzen bringt der Sport? Der Dauerleister lebt im allgemeinen gesünder, er ist seltener übergewichtig, raucht weniger. Auch beim Alkohol ist eher ein geringer Verbrauch zu markieren. Mit einem regelmäßigen Dauerleistungstraining kann das Auftreten, auch eines ererbten Bluthochdrucks, bis in höhere Altersbereiche hinausgeschoben werden und ein gut behandelter Bluthochdruck verliert durch die segensreiche Wirkung des Dauerleistungstrainings viel von seinen schrecklichen Folgen.

Sportliche Aktivität macht nicht immun gegen Bluthochdruck

Das Herz muss mit jedem Herzschlag und dem ausgepumpten Blut die Hauptschlagader, die Aorta, aufdehnen, gewissermaßen ein Blutpolster bilden, was die Aorta mit ihrer eigenen Elastizität, dann wenn das Herz sich erholt und neu füllt, in den Körper treibt und damit für einen gleichmäßigen Blutfluss in der Körperperipherie in alle Organe sorgt. Die Elastizität der Hauptschlagader und die Leistungsfähigkeit des Herzens sind die wichtigsten Komponenten in diesem Spiel. Warum bei jedem vierten Europäer der Körper das globale Regelsystem, das Reninangiotensinsystem höher fährt und damit einen Einstieg in zu hohe Blutdruckwerte einleitet, bleibt unverändert ein Rätsel. Eine befriedigende Antwort ist derzeit nicht in Sicht. Wir müssen also das globale Regelsystem für den Blutdruck auf der einen Seite sehen. Wir müssen aber auf der anderen Seite erkennen, dass es lokale Systeme gibt, die den Blutdruck steuern. Ein üppiges Mahl führt z.B. zu eine Abwanderung des Blutes in den Verdauungstrakt. Auch intensive Denkprozesse können zu einer deutlichen Durchblutungsvermehrung im Gehirn führen.
Diese regionalen Systeme sind dem globalen System untergeordnet. Eine Beeinflussung des globalen Regelsystems erfolgt in  der Tat durch regelmäßiges Dauerleistungstraining, sodass bei den meisten Sportlern der Bluthochdruck, wenn er anlagemäßig gegeben ist, in späteren Jahren auftritt als bei unsportlichen oder risikobehafteten Menschen.
Früh erkennen

Blutdruckmessgerät

Die einfachste Lösung liegt darin, dass in jede Familie ein Blutdruckmessgerät gehört, mit dem regelmäßig in Stichproben, mal morgens, mal abends, zu vergleichbaren Zeiten gemessen wird und diese Werte registriert werden.
Blutdruckwerte
Der obere Wert (systolischer Blutdruck) sollte zwischen 100 und 120 liegen. Der untere Wert (diastolischer Blutdruck) kann zwischen 60 und 85 schwanken. Jeder Wert, der mehrfach gemessen über 135 systolisch und über 85 diastolisch liegt, ist als verdächtig zu bezeichnen und sollte eine ärztliche Untersuchung einleiten. Bei diesen Untersuchungen sind ein Körperstatus, ein Ruhe- und Belastungs-EKG, eine Langzeit-Blutdruckableitung über 24 Stunden sowie eine echocardiografische Untersuchung durchzuführen. Die Laborwerte müssen in jedem Fall die Schilddrüsenwerte, die Nierenwerte und einige andere Daten erfassen, damit verbindlich ein erworbener Bluthochdruck ausgeklammert wird. Sollte sich in diesen Basisuntersuchungen und mehrfachen Eigenkontrollen ein Trend zum Bluthochdruck einstellen, dann ist in jedem Fall eine Hochdrucktherapie angesagt. Die nicht medikamentösen Maßnahmen umfassen regelmäßige sportliche Tätigkeit, eine salzarme Kost, strikte Nikotinkarenz sowie einen restriktiven Umgang mit Alkohol.

Medikamentöse Therapie

Bleibt trotz aller optimal durchgeführten Maßnahmen der Bluthochdruck bestehen, ist eine medikamentöse Therapie angezeigt. Hier empfehlen wir jedem Sport Treibenden in der Auswahl seines Arztes denjenigen zu suchen, der Verständnis für die Besonderheiten des Dauerleisterherzens hat. Dieses schlägt langsamer, hat eine andere Blutdruckamplitude und die Regelsysteme des Dauerleisters sprechen viel sensibler auf medikamentöse Beeinflussungen an als die des nicht trainierten bzw. unsportlichen Menschen. So werden ganz schwer sogenannte Betarezeptorenblocker, Medikamente, die den Antrieb des Herzens drosseln und die Blutzirkulation reduzieren und zusätzlich den Stoffwechsel ausbremsen, toleriert.
Sie führen immer zu Leistungsverlust, zu Demotivation und zu einer Ablehnung jedweder medikamentösen Therapie. Die häufig dazu verordneten sogenannten Diuretika, entwässernde oder entsalzende Medikamente, sind im Sport ebenfalls außerordentlich nebenwirkungsreich (Erektionsprobleme, Elektrolytgleichgewichtsstörungen) und sind dementsprechend mit Befindlichkeitsstörungen belastet. Auch sie finden nur in Ausnahmefällen beim Sportler Anwendung. Lediglich in trainingsarmen Zeiten oder Wintermonaten sollten sie Anwendung finden.

Angiotensinhemmer

Die Gruppe der sogenannten Angiotensinhemmer ist wesentlich besser und führt selten zu einer Leistungseinschränkung. Sie sind international erfahren und gehören zu den Medikamenten der ersten Reihe. Allerdings führen sie bei bis zu 30 Prozent der Sportler zu Hustenreiz, Überempfindlichkeiten und auch zu muskulären Beschwerden. In diesem Fall ist ein sofortiges Absetzen und Umsetzen angezeigt. Uneingeschränkt positiv sind die sogenannten AT1-Antagonisten oder Sartane zu sehen, die zu keinem Leistungsverlust führen, kaum Nebenwirkungen aufweisen und eine sehr breite Anwendungspalette besitzen. Sie senken erfreulicherweise den oberen und unteren Blutdruckwert und führen zu keiner Einschränkung der Lebensqualität, auch nicht der Leistung und der Leistungsmotivation. Sie gehören mit Abstand auf Platz eins der in Frage kommenden Blutdruckmedikamente für den Sportler.

Die besten Blutdruckmedikamente für Sportler

Eine weitere Gruppe sind die sogenannten Kalziumantagonisten, Medikamente, die eine sanfte Blutgefäßerweiterung zur Folge haben. Diese Medikamentengruppe ist eingeschränkt anwendbar bei Gestressten, bei ehemaligen Rauchern und älteren Läufern. Die Nebenwirkungen führen häufig zu Leistungsverlust und einer Ödembildung, sprich Wassereinlagerung. Bei geeigneter Auswahl allerdings stellen sie eine wertvolle Bereicherung der Therapiepalette dar. Eine letzte Substanz sind die sogenannten Alpharezeptorenblocker. Sie sind in Kardiologenkreisen seit längerem nicht mehr beliebt, weil sie bei herzschwachen älteren Patienten ein Risiko darstellen. Im Bereich des Sports sind sie unverändert gut verträglich, insbesondere bei hohen diastolischen Werten. Sie sind gut steuerbar, setzen jedoch eine konsequente Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient voraus und erfordern eine regelmäßige Einnahme, was bei allen anderen Medikamenten nicht der Fall ist. Da sie zu einer Pulsbeschleunigung führen, ist eine ultraniedrige Begleitmedikamention mit einem Betablocker erforderlich. Diese Medikation ist altbewährt und wird unsererseits noch in vielen Fällen, auch bei Marathonläufern, ohne Einschränkung der Lebensqualität angewandt.
Eine letzte Gruppe, die gerne verordnet wird, sind die sogenannten zentral (über das Gehirn) wirkenden Blutdrucksenker. Sie sind im Sport absolut abzulehnen, da sie zu Mundtrockenheit, Schleimhauttrockenheit und massivem Leistungsverlust führen. Eine Medikamentengruppe, die ausschließlich für ältere, immobile Menschen als günstig anzusehen ist.

Das Fazit

Bluthochdruck sollte von jedem Sportler ernst genommen werden, denn Sport kann nicht absolut schützen. Der Sport gehört zu einer optimalen Blutdrucktherapie. Er ist gewissermaßen das Leitmedikament. Die notwendigen Pharmakotherapien sind sehr sorgfältig und individuell auszuloten. Gewissermaßen bedarf jeder Sportler mit Bluthochdruck einer maßgeschneiderten Therapie. Universalrezepte gibt es in keinem Falle. Die Zusammenarbeit bzw. eine erfolgreiche Hochdrucktherapie erfolgt nur dann, wenn diese Auswahl keine Einschränkung der Lebensqualität zur Folge hat.

Unsere Zielvorstellung im Sport muss lauten: »Jeder Dauerleister trägt Verantwortung für sich selbst, seine Familie und auch für die Veranstaltung an der er teilnimmt.« 

Dr. Willi Heepe



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