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„Die Formel 1 des Laufsports“ - "Berlin wird im September 2006 die dritte Station sein"

Die fünf Race-Direktoren der World Marathon Majors (WMM) im Interview

26.01.2006

Die Initiatoren der neuen WMM-Serie: Guy Morse (Boston), Dave Bedford (London), Mary Wittenberg (New York), Mark Milde (Berlin) und Carey Pinkowski (Chicago/von links nach rechts)
© Victah Sailer

Der BAA Boston Marathon, der Flora London Marathon, der real,- BERLIN-MARATHON, der LaSalle Bank Chicago Marathon und der ING New York City Marathon haben die World Marathon Majors (WMM) gegründet. Die fünf Race-Direktoren – BAA Boston Marathon (Guy Morse), Flora London Marathon (Dave Bedford), real,- BERLIN-MARATHON (Mark Milde), LaSalle Bank Chicago Marathon (Carey Pinkowski) und ING New York City Marathon (Mary Wittenberg) – gaben das folgende Interview. Zusätzlich waren Top-Läufer Paul Tergat (Kenia), der den Weltrekord (2:04:55) in Berlin 2003 aufgestellt hat, und US-Marathonstar Meb Keflezighi, Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele in Athen 2004, dabei.

 

Was bringt die fünf City-Marathons zusammen? Und was sind die möglichen Kriterien für andere Marathonläufe, sich den WMM anzuschließen?

Dave Bedford: “Eine Sache die uns zusammenbringt, ist die Tatsache, dass wir unsere Aufgaben ernst nehmen. Neben unseren Marathonläufen, organisieren wir Veranstaltungen über das ganze Jahr hinweg. Wir glauben, dass dies einer der spannendsten Momente der Marathon-Geschichte seit langer Zeit ist. Was uns als Gruppe zusammenbringt, ist, dass wir allesamt Massenveranstaltungen sind. Und das für Männer und Frauen. Wir haben bedeutende Felder von Top-Läuferinnen und -Läufern. Ja, einige von uns haben vielleicht mehr Geschichte, andere weniger. Boston ist 109 Jahre alt, wir sind 25 Jahre jung. Das heißt natürlich nicht, dass ein Marathon der zwei oder drei Jahre alt ist nicht dazu kommen kann. Was wir auch noch haben, sind Zuschauer an der Strecke, über fünf Millionen insgesamt. Wir haben rund 250 Millionen Fernsehzuschauer in 150 Ländern. Wir haben 300.000 Bewerber für Startnummern, 150.000 Teilnehmer, und die meisten von uns unterstützen wichtige Charity-Programme. Wenn wir jemanden zu den World Marathon Majors einladen, dann jemanden, der das alles so sieht wie wir und versteht, dass wir große Städte mit großen Rennen, bedeutender Presse und großem Fernsehinteresse sind. Ja, natürlich würden wir ein anderes Rennen einladen, sobald eines da ist, das all diese Kriterien erfüllen kann.“

Guy Morse: “Wir sind an einem sehr bedeutendem Moment in unserer Geschichte angekommen, nicht nur im Sinne unserer eigenen Rennen, sondern auch für den Sport insgesamt. Wir sind stolz darauf, die World Marathon Majors und die World Marathon Majors-Serie bekannt zu geben. Es ist die erste von vielen Stufen, die unserem Sport zugute kommen wird. Wir haben zwar die neue Serie bekannt gegeben, dennoch werden wir vorsichtig und methodisch an die Sache gehen. Alle Merkmale die wir angehen, werden sich über einige Zeit hinweg herausentwickeln. Was wir nicht wollen, ist etwas das uns, entweder persönlich, den Top-Läufern oder dem Sport, Schaden zufügen könnte. Somit wird, was auch immer für Bedingungen in Zukunft geschaffen werden, alles aus harter Arbeit sowie den Erfahrungen aus der ersten Serie resultieren.“  

Mark Milde: “Wir freuen uns, Teil dieser Gruppe zu sein und mit den fünf einzelnen Läufen, die auch einzeln bleiben werden, zusammen arbeiten zu können. Durch unsere Kooperation werden wir bestimmt auch neue Chancen für unsere gemeinsame Zusammenarbeit herausarbeiten können. Berlin wird 2006 die dritte Station sein, und darauf freuen wir uns sehr. Wir starten hier die Formel 1 des Laufsports.”

Carey Pinkowski: “Schon immer hatten wir ein gutes Verhältnis zu den anderen vier Veranstaltungen. Wir haben alleine gearbeitet und alleine Erfolg gehabt. Ich denke, dass wir nicht nur in dieser Serie sondern auch in anderen Bereichen wie Rennerfahrung, Abläufen und all den Dingen, die unserem Erfolg zugute kommen, zu einem gegenseitigen Informationsfluss und Unterstützung kommen, was unsere Leistung bei den Veranstaltungen verbessern wird. Es wird auch die Gelegenheit für andere Events sein, zu beobachten was wir machen. Ich bin der Meinung, dass wir gemeinsam stark sind und zusammen viele verschiedene Bereiche verbessern können. Es ist ein Teilen von Erfahrung, operativen Planungen und Vermarktungsentwürfen. Alle Facetten die so eine Veranstaltung ausmachen. Für uns, dem LaSalle Bank Chicago Marathon, ist es eine Ehre mit den anderen Veranstaltern zusammen arbeiten zu dürfen. Wir hatten eine wunderbare Beziehung und wir waren Kollegen und Freunde. Zusammen werden wir einige wunderbare Dinge auch in der Zukunft tun.“

Mary Wittenberg: „Unsere Rennen haben in unserem Sport die Bedeutung von Wimbledon, den Australian-, US- und French Open im Tennis oder von den Masters, den US-, den British Open und den PGA Championships im Golf. Jedes unserer Rennen hat die Historie, die Tradition und die großen legendären Sieger. All das macht unsere Läufe in den Augen aller besonders – im Vergleich zu den anderen stehen sie auf einer anderen Ebene. Wir sind begeistert dabei zu sein.”

 

Was denken die Athleten über die neue WMM-Serie?

Paul Tergat: “Besonders aus Sicht der Athleten ist der Marathon ein sehr harter Wettkampf. Wir haben wirklich darauf gewartet, dass diese Sache losgeht. Als ich zum Marathon gekommen bin, habe ich erkannt dass es ein sehr harter und anderer Wettkampf war als im Cross-Country. Wir hatten nie etwas Vergleichbares zur Cross-Challenge im Cross-Country. Nun kommt es durch die Initiative der Veranstalter aus London, Berlin, Boston, New York und Chicago zu so etwas. Das gibt uns Läufern die Möglichkeit, besonders im Top-Bereich, uns noch mehr konzentrieren zu können, so dass wer auch immer gewinnen möchte, nun mehr motiviert ist. Wir haben die Möglichkeit, auch für einen Sieg bei den Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften Punkte für die WMM zu sammeln und uns somit für diesen prestigeträchtigen Wettkampf und deren Preise zu qualifizieren.“

Meb Keflezighi: „Ich bin einfach nur aufgeregt. Für einen Athleten ist es etwas, auf das man sich freut. Ich kann gegen die besten Athleten der Welt bei den fünf größten Marathons antreten. Ich glaube, es ist eine gute Chance und eine super Idee. Ich bin wirklich gespannt. Ich bin mir sicher auch Paul und alle anderen sind gespannt.“ 

 

Was macht die neue WMM-Serie attraktiv? Stellt es den Wettkampf im Gegensatz zu schnellen Zeiten in den Mittelpunkt?

Dave Bedford: “Die einzigartige Sache dieser Zusammenarbeit ist, dass alle einzelnen Rennen, auch die der Olympischen Spiele und der Weltmeisterschaften, auch innerhalb der Serie ihren eigenen Charakter behalten und zeigen können. Eine Sache, die wir hier erreichen möchten, ist die Förderung des Sports und nicht, dass jeder schon im Voraus sagen kann, was passieren wird. Es geht darum, den einzelnen Läufern zu gewähren, ihre eigene Persönlichkeit zu haben und trotz dieser unterschiedlichen Menschen zusammenzukommen und großen Erfolg in dieser Serie zu erlangen. Natürlich brauchen wir bei den ganzen Wettkämpfen etwas an dem wir es ausmachen können. Wir sind im Profi-Sport. Wir haben ein Einstiegspreisgeld von einer Million US-Dollar aufgelegt. Dieses Preisgeld wird mit je 500.000 US-Dollar and die beste Frau und an den besten Mann der WMM-Serie gehen.“

Mary Wittenberg: “Hört zu, es gibt heute eine Million Dollar mehr im Sport als es gestern noch gab. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auf diesen Tag, den 23. Januar, zurückblicken werden als einen Tag, an dem die Zukunft unseres Sports gestaltet wurde. Der Marathon ist so beeindruckend, weil er so zermürbend ist, wie er ist. Unsere Athleten sind wie Preiskämpfer. Die Verschleißerscheinungen am Körper sind deutlich und der Wettkampf so hart, dass in der Realität zwei oder höchsten einmal drei Rennen pro Jahr möglich sind. Ansonsten wird es sehr unwahrscheinlich, den Gegnern Paroli bieten zu können. Wenn Sie mal einige Jahre zurückschauen, dann werden sie sehen, dass dieses Konzept gut funktionieren sollte. Wir tun alles in unserer Macht stehende, um den eingeschlagenen Weg, die Vorbereitung der Top-Läufer und das vernünftige Laufen unserer Marathonläufer zu fördern.“

Dave Bedford: “Es kann gut möglich sein, dass Athleten mehr Rennen laufen als wir wollen. Zum Beispiel wenn nur noch ein WMM-Rennen der Periode aussteht und zwei Athleten die gleiche Punktzahl haben, kann es durchaus sein, dass sich einer der beiden entscheidet, den letzten WMM-Marathon in Angriff zu nehmen, um hoffentlich noch ein paar Punkte kassieren zu können. Mit so einem neuen Konzept wie unserem heißt es einfach abwarten und Tee trinken. Es geht darum, mit dem Sport zu arbeiten wie er ist und ihn nicht maßgeblich zu verändern.“

Paul Tergat: “Eine Sache würde ich gerne noch sagen. Wenn wir unsere Läufe planen, geschieht dies nicht drei Monate vorher, sondern mindestens sechs Monate im Voraus. So kann man sich sicher sein, was man für ein Rennen laufen wird und sich dementsprechend vorbereiten. Aber man weiß nie sechs Monate vorher, wer im Rennen sein wird. Ich möchte Ihnen versichern, dass wir eine Menge guter Athleten sehen werden, Spitzenläufer die gerne in dieser Serie laufen würden und versuchen werden hinein zu kommen, besonders bei einem Wettkampf wie diesem. Jeder wird teilnehmen und sicher gehen auch laufen zu können. Es gibt eine Menge Talente, die in Zukunft an diesem Wettkampf teilnehmen werden.“

Meb Keflezighi: “Zum Thema Wettkämpfe, sehe ich es wie Paul. Man plant seine Marathonläufe lange im Voraus. Normalerweise wissen wir nicht, wer oder wer nicht im Feld ist. Aber wir wollen auf jeden Fall die besten der Welt sehen. Das ist der springende Punkt. Wir haben fünf große Marathonläufe. Sie finden nicht alle zur gleichen Zeit im Frühling oder im Herbst statt. Für uns geht es bei der Wahl darum, wie wir uns vorbereiten. Ich bin als Nummer 39 in den Olympischen Marathon gegangen und wurde Dritter. Ich glaube an mich und trainiere hart, das Ergebnis kommt dann von ganz alleine. Das ist so im Marathon. Es geht nicht darum, wer oder wer nicht am Start steht. Du musst dich so gut vorbereiten wie es geht und das Rennen beginnen lassen.“

 

Ist ein weltweiter Fernsehvertrag eine Möglichkeit? 

Dave Bedford: “Ein Ziel ist es, auf die Beantwortung dieser Frage hinzuarbeiten, da es bezüglich Fernsehübertragungen offensichtlich sinnvoll wäre. Einen Fernsehvertrag abschließen zu können, ist nun gemeinsam einfacher möglich als einzeln. Wir haben bereits AMS, die Marketing-Partner der IAAF sind, engagiert, um einen Sponsor für unsere Serie zu finden. Einen der Qualität, Stärke, Unterstützung und natürlich auch finanzielle Mittel mitbringt.“

 

Was glauben Sie wie dieses Projekt den Marathon im Vergleich zu anderen Sportarten beleben wird?

Mary Wittenberg: “Dieser Teil unserer Zusammenarbeit wird von Athleten gesteuert. Sport auf der ganzen Welt ist Athleten gesteuert. Wir denken, dass unsere Athleten zu den größten Athleten der Welt gehören. Je mehr Aufmerksamkeit wir ihnen geben können, desto besser ist es. Zurzeit streben unsere Athleten danach unsere einzelnen Rennen zu gewinnen. Sie streben nach Rekorden. Das gibt ihnen die Möglichkeit zum besten Marathonläufer der Welt zu werden und die Serie zu gewinnen. Wir erhoffen uns, dass die Fans und die Medien uns beobachten und mit unseren Spitzenläufern, die bei uns rennen, vertraut werden.“

 

Können Sie noch ein wenig mehr zum Motiv der IAAF sagen, mit Ihnen zusammen zu arbeiten? Und wie liefen die Besprechungen mit der IAAF?

Dave Bedford: “Ich bin seit zwei Jahren an den Gesprächen mit der IAAF beteiligt. Wir würden die Serie nicht ohne die Unterstützung der IAAF entwickeln. Es ist absolut richtig, die Weltmeisterschaften und Olympischen Spiele als großen Part in unserem Sport anzusehen. Und gleichermaßen ist es von der IAAF richtig, uns auf gleichem wettkämpferischen Level zu sehen. Die IAAF war wirklich während der ganzen Zeit unheimlich unterstützend. Sie verstehen das Konzept, haben uns beraten und Vorschläge während unserer Beratungszeit gemacht, und wir sind auch mit ihrer Hilfe zu dem gekommen, was wir nun vorstellen konnten.“ 

 

Wie wird die WMM im Moment finanziert?

Mark Milde:  “Nun, im Moment haben wir eine Million Dollar Preisgeld. Jedes Rennen würde zur Finanzierung zurzeit den gleichen Anteil beisteuern. Natürlich hoffen wir, mit einem Sponsor noch mehr Geld für die Athleten zu bekommen. Unser Ziel ist es, eine Million Dollar für jeden Sieger, der besten Frau und dem besten Mann, auszuschütten.“  

 

Was ist das Ziel der WMM? Wie wollen Sie das ganze in der Sportwelt etablieren?

Guy Morse: “Mit zunehmender Bindung zwischen uns und der sich entwickelnden Serie, sehen wir vor allem die wachsende Spannung über die Zeit der ersten zwei Jahre. Aber unser Interesse ist dies zu einem langlebigen Projekt werden zu lassen, das nicht nur den Spitzenläufern, unserem Bündnis und dem Marathon zu Gute kommt, sondern auch dem Sport als ganzes. Wir glauben, dass wir in verschiedensten Bereichen, von der Entwicklung unserer Rennen bis zur größeren Unterstützung durch Sponsoren, mit der Zeit vorankommen und davon profitieren können. Wenn man die ganze Logistik einer solchen Veranstaltung betrachtet, egal ob Zeitnahme, Auswertung, Medizinische Versorgung oder Streckenverpflegung, ist bei unserer Zusammenarbeit die WMM-Serie erst der erste Schritt. Athletenentwicklung, wie auf Pauls und Mebs Level, aber auch ein Beginn bei unserer Jugend ist uns wichtig. Wir wollen den Nachwuchs stärken, damit auch die nächste Generation von Athleten stark wird. All diese Dinge sind Teil dieses nun veröffentlichten Paketes und wir freuen uns auf die anstehenden Dinge der nächsten Monate und Jahre.“

 

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit aus? Geht es demokratisch zu oder hierarchisch?

Dave Bedford: “Es gibt eine Hierarchie. Normalerweise geht es danach, wer zuerst das Bier im Pub bezahlt (alle lachen). Im Ernst: Jede einzelne Entscheidung ist auf der Basis von einer Stimme pro Veranstaltung getroffen worden. Es geht nicht darum, wer wo stärker ist. Was wichtig ist, ist, dass wir diese Initiative als gleichberechtigte Partner entstehen haben lassen. Wir treffen unsere Entscheidungen als gleichwertige Partner. Bis jetzt haben wir keine einzige Entscheidung einer einzelnen Person überlassen. Ich glaube, ich kann allen sagen, dass ich über die Arbeitsaufteilung in dieser Gruppe sehr erfreut bin.“


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