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34. IAAF Cross-Country-Weltmeisterschaften am 1./2. April in Fukuoka - Interview mit Dr. Dave Martin

"Der Wettkampf ist das Herzblut des Sports. Entweder man gewinnt oder verliert, es ist die Teilnahme, die wichtig ist und zählt. Ich verstehe auch nicht warum die deutschen Trainer nicht die gleiche Philosophie vertreten."

26.03.2006

Das US-Team bei den 33. IAAF Cross-Country-Weltmeisterschaften 2005 in St. Galmier/FRA
© Victah Sailer

34. IAAF Cross-Country-Weltmeisterschaften am 1./2. April in Fukuoka - Interview mit Dr. Dave Martin 34. IAAF Cross-Country-Weltmeisterschaften am 1./2. April in Fukuoka - Interview mit Dr. Dave Martin 34. IAAF Cross-Country-Weltmeisterschaften am 1./2. April in Fukuoka - Interview mit Dr. Dave Martin

Am 1./2. April 2006 finden in Fukuoka/Japan die 34. IAAF Cross-Country Weltmeisterschaften statt. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) wird mit einer einzigen Athletin in Fukuoka vertreten sein, mit Susanne Ritter. Die Liste großer Wettkämpfe ist lang, wo der DLV bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen die Laufwettbewerbe bei Mittel- und Langstrecken sehr spärlich oder gar nicht mehr besetzt, aus welchen Gründen auch immer.
Bei den Cross-Weltmeisterschaften 2004 Brüssel im Nachbarland Belgien war auch nur Susanne Ritter als einzige deutsche Teilnehmerin vertreten, im letzten Jahr in St. Galmier im Nachbarland Frankreich nahmen zwei deutsche Läuferinnen teil (Susanne Ritter und Julia Viellehner).  Bei den Hallen-Weltmeisterschaften 2006 in Moskau nahm überhaupt kein deutscher Läufer/in auf den Mittel- und Langstrecken teil. Welche Politik der Nichtbesetzung dahinter steckt, deutsche Athleten bei den wichtigsten Wettkämpfen der Leichtathletik außen vor zu lassen, ihnen die Wettkampfchance zu nehmen sich mit  der Weltklasse zu messen und harte Wettkampfpraxis zu erwerben,ist schwer nachzuvollziehen, noch zu verstehen. Zumindest kommt man im Laufbereich in Deutschland nicht weiter, wenn man weiterhin nur Zuschauer ist.
Die USA haben in den Läufen der Mittel- und Langstrecken auch eine längere Durststrecke hinter sich. Sie haben aber nicht mit Passivität darauf geantwortet, sondern geben gerade ihren jungen Athleten die Chance sich kontinuierlich zu entwickeln, selbst auf die Gefahr im Ergebnis bei den großen Wettkämpfen ganz hinten zu landen.  Aber wer nicht wagt, der wird in Zukunft auch nicht gewinnen können.
Lesen Sie im folgenden das Interview über die Strategie des US-Verbandes:

Mr. Martin, Sie sind schon mehrfach Teamchef der US-Läufer (Marathon, Cross) gewesen,  u.a. bei den Olympischen Spielen in Athen 2004, der IAAF Weltmeisterschaft in Helsinki 2005 und jetzt auch bei der  Cross Weltmeisterschaft in Fukuoka/JPN  am 1. und 2. April 2006 – wie lange sind Sie schon mit und bei den Läufern des US-Team dabei?

Dr. Dave Martin: Meine erste internationale Berufung als Teamchef waren die Cross-Weltmeisterschaften in Paris 1980 – Craig Virgin (USA) war der Sieger. Ich war auch Teamchef bei den  Cross-Weltmeisterschaften in Warschau 1987 und 1991 in Antwerpen. Ebenso war ich Teamchef für die Männer in Vilamoura 2000. 1985 war ich Teamchef  für den 1. Marathon World-Cup in Hiroshima. Zusätzlich war ich der persönliche Coach und Berater der beiden einzigen amerikanischen Läufer, die Medaillen im feucht-heißen asiatischen Sommer gewannen (Keith Brantly gewann Gold über 10.000 m in der Universiade in Kobe 1985   und Steve Spence gewann Bronze 1991 bei den Weltmeisterschaften in Tokio).

Beschickt der US-Verband regelmäßig die großen Wettkämpfe und welche Disziplinen  besetzt er mit seinen Läuferinnen und Läufern?

Dr. Dave Martin: Unsere Politik ist es immer vollzählige Mannschaften zu IAAF Meisterschaften zu  senden.  1.) Wir möchten den Weltverband stark unterstützen und 2.) es sollen unsere Athleten lernen sich im höchsten Niveau aktuell zu behaupten. Man kann leicht das Training gestalten, aber viel schwieriger ist es die Lust und die Fähigkeit zu kämpfen zu trainieren – das kommt vom Athleten her nur durch Erfahrung.

Welche Qualifikationen müssen die Athleten erfüllen, setzt der US Verband höhere Normen als die IAAF?

Dr. Dave Martin: Wir  übernehmen die IAAF-Standards – sie sind hoch genug!

Sind Sie zufrieden mit den Leistungen der US-Läufer national und international?

Dr. Dave Martin: So lange die Athleten  versuchen ihr Bestes zu geben, hart trainieren und gesund bleiben, glauben wir, dass sie sich weiterhin verbessern. Das ist alles was wir machen können.

Die USA waren schon immer führend im Sprint bis 400 m,  bei den Mittel- und Langstrecken ist das Niveau in den letzten Jahren rückläufig gewesen, aber ab den Olympischen Spielen  in Athen 2004 hat die USA im Marathon aber wieder Medaillen gewonnen. Was haben Sie beim Training oder in der Förderung  geändert?

Dr. Dave Martin: Wir haben begonnen uns zu konzentrieren auf eine zukünftige Mannschaft – Deena Kastor und Mebrahtom Keflezighi, sind Teil einer Mannschaft von Trainern, Physiologen, Ernährungswissenschaftlern u.s.w., alle arbeiten zusammen um eine Strategie zu entwickeln für den einzigartigen und sehr schwierigen Wettkampf.

Sie haben in den USA sehr große Läufe (NYC, Chicago, Boulder u.s.w)  - aber die Läufe wurden meistens von Ausländern gewonnen.

Dr. Dave Martin: Die weltbesten Läufer kommen in die USA um teilzunehmen und sie sind in einer absoluten Topform. Unsere Läufer können nicht das ganze Jahr über in Topform bleiben. Aber sie geben ihr Allerbestes. Manchmal gewinnen sie aber auch.

Sie fahren immer mit sehr großen Mannschaften zu den Wettkämpfen, sie kommen mit 6 Mannschaften a  6 Läufer nach Brüssel/BEL 2004 oder  St. Etienne/FRA 2005 zu den Cross-Weltmeisterschaften, zu den Olympischen Spielen in Athen oder nach Helsinki  zur IAAF Weltmeisterschaft  – auch auf die Gefahr, dass die Athleten Letzte werden - während Deutschland in die Nachbarländer (Belgien und Frankreich) nur mit einem oder  zwei Teilnehmern fährt – wie bewerten Sie die Einstellungen des deutschen Verbandes?

Dr. Dave Martin: Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie ein Verband wie Deutschland nicht die Gelegenheit wahrnimmt „nebenan“ hervorragende Wettkämpfe mit vollen Teams zu besetzen.

Hilft es den Athleten, wenn sie international eingesetzt werden oder finden sie die Einstellung richtig nur zu Wettkämpfen zu fahren, wenn man in den Endkampf kommt?

Dr. Dave Martin: Der Wettkampf  ist das Herzblut des Sports. Entweder man gewinnt oder verliert, es ist die Teilnahme, die wichtig ist und zählt. Ich verstehe auch nicht warum die deutschen Trainer nicht die gleiche Philosophie vertreten.

Mit wieviel Athleten fliegen Sie nach Fukuoka zu den Cross-Weltmeisterschaften am 1. und 2. April und wie musste man sich dafür qualifizieren?

Dr. Dave Martin: Wir werden vollzählige Mannschaften, wie normalerweise, mitnehmen:
6 Junioren, 6 Juniorinnen, 6 Männer lange Strecke und 6 Männer kurze Strecke, 6 Frauen lange Strecke und 6 Frauen kurze Strecke, insgesamt also 36 Athleten. Sie mussten sich alle bei den Trials in NYC qualifizieren.

Wie werden Ihre Athleten abschneiden?

Dr. Dave Martin: Hier noch einmal: Wir kämpfen gegen die Besten der Welt. Wir bringen allerdings nicht unsere besten Athleten nach Fukuoka, weil es  noch weltweit große Wettkämpfe gibt, die für unsere Athleten interessant sind.
Deena Kastor läuft den 26. Vattenfall BERLINER HALBMARATHON, Jennifer Rhines läuft beim Rom-Marathon, Dathan Ritzenhein ist schwer erkältet. So, wir bringen die Besten, die wir haben. Wir geben uns große Mühe und was das allerwichtigste ist, dass unsere Athleten Erfahrungen sammeln.
Zum Beispiel können sie  bei der Reise nach Fukuoka gleich die Zeitzonen-Akklimatisierung  für Osaka 2007 und Peking 2009 ausprobieren.
Die Männer (kurze Strecke) haben eine Chance auf eine Medaille.

Das Interview führte Horst Milde

PS: Anmerkung:
Jorge Torres, Sara Hall und Ryan Hall qualifizierten sich in New York City für das US-Team in Fukuoka, nahmen aber vorher noch an den Hallen-Weltmeisterschaften in Moskau teil, flogen dann nach Japan und gewannen beim Chiba-Cross (Selektion der japanischen Läufer) jeweils ihre Strecken.
Die Mannschaft von Großbritannien nimmt mit insgesamt 32 Läuferinnen und Läufen an den Cross-Weltmeisterschaften in Japan teil.
Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die IAAF die teilnehmenden Verbände bei den Cross-Country-Weltmeisterschaften finanziell fördert und unterstützt.

Dr. David E. Martin (67)  PHD (College of Health Sciences, Georgia State University, Atlanta/USA) ist Professor und praktizierender Physiologe. Seit 1972 ist er Mitglied der  US-Verbandes für Langstrecken, Vorsitzender  der Cross-Country-Ausschuss  in Georgia und in vielen verantwortlichen nationalen und internationalen Gremien tätig.

Bei AIMS (Association of International Marathona and Road Races) ist er seit Jahrzehnten verantwortlich für die umfangreiche Statistik. In unzähligen Kommissionen des Laufsportes als auch in der Sportmedizin hat sich Dr. David Martin einen Namen gemacht. In langjährigen Untersuchungen in seinem Institut der Universität von Atlanta hat er Athletinnen und Athleten aus aller Welt auf Wettkämpfe vorbereitet, insbesondere wenn diese unter Hitzebedingungen oder in der Höhe bei Olympischen Spielen stattfanden. Zudem ist er ein bekannter Autor (zusammen mit Roger Gynn) von Büchern, die in der Fachwelt Aufsehen erregt haben: „The Marathon Footrace“ (1979) und „The Olympic Marathon“ ((2000) und zusammen mit Peter N. Coe "Better Training for Distance Runners".Diese kurzen Hinweise sollten genügen um Dr. David Martin als einen profunden Kenner des internationalen Laufsportes und der Medizin vorzustellen, der weiß wovon er redet.

 

 

 


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