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Deena Kastor: Auf Rekordjagd in Berlin

„Man muss jeden Teilnehmer als Konkurrenten sehen und sich niemals auf nur ein oder zwei Leute konzentrieren.

01.04.2006

Deena Kastor mit ihrer morgigen Startnummer vor dem Brandenburger Tor.
© Victah Sailer

Deena Kastor wird als Favortitin beim 26. Vattenfall BERLINER HALBMARATHON morgen am Start stehen. „Ich freue mich in Berlin zu sein und morgen laufen zu können. Auch wenn dies mit zu meiner Vorbereitung auf den Flora London-Marathon gehört, werde ich mich nicht schonen und von Anfang an aggressiv angehen.“

Deena Kastor macht zum ersten Mal Halt in Berlin und wird versuchen auf der schnellen und flachen Strecke ihre Bestzeit von 67:53 Minuten zu attackieren, die zugleich auch US-Rekord ist. Die 33-Jährige lässt sich aber nicht unter Druck setzen und verliert auch nicht ihre Konkurrentinnen aus den Augen: „Man muss jeden Teilnehmer als Konkurrenten sehen und sich niemals auf nur ein oder zwei Leute konzentrieren. Ich gehe meine Rennen immer voll und ganz an.“ Ein Ergebnis von rund 67 Minuten hält Deena Kastor für möglich. Damit wäre sie sehr dicht dran am Weltrekord von Elana Meyer (Südafrika), die 1999 in Tokio 66:44 gelaufen war.

Die Hitzeschlacht in Athen

Der 22. August 2004 war der heißeste Tag während der Olympischen Spiele von Athen. Im Schatten wurden bis zu 35 Grad Celsius gemessen, in der Sonne schmolz der Asphaltbelag auf der Straße. In dieser brütenden Hitze fiel der Startschuss für das Marathonrennen der Frauen, das noch dazu auf der klassischen Route von Marathon nach Athen stattfand. Diese  Strecke ist stark profiliert.

Eines der dramatischsten Marathonrennen der olympischen Geschichte entwickelte sich. Nach 36 Kilometern saß die große Favoritin Paula Radcliffe entnervt und entkräftet am Straßenrand und weinte. Dieser 22. August war nicht der Tag der Engländerin. Es war der Tag der Olympiasiegerin Mizuki Noguchi (Japan) und einer weiteren Läuferin, die sensationell die Bronzemedaille für die USA gewann: Deena Kastor.

"Ein paar Kilometer mehr und ich wäre Olympiasiegerin geworden" 

„Ich bin einfach nur froh“, sagte Mizuki Noguchi, die ein Jahr später den real,- BERLIN MARATHON in Asienrekordzeit gewinnen sollte, im Ziel. Für eine Ehrenrunde reichte ihre Kraft nicht mehr, die Japanerin hatte alles gegeben. Wenn das Rennen noch ein paar Kilometer länger gewesen wäre, hätte wahrscheinlich eine andere gewonnen: Deena Kastor. Die US-Amerikanerin lief ein grandioses taktisches Rennen und rollte das Feld alleine rennend von hinten auf. Vorsichtig beginnend, lag sie bei Kilometer 5 auf Rang 28. An der Halbmarathonmarke hatte sie als Zwölfte den größten Rückstand während ihres Rennens:  1:37 Minuten.

Doch dann startete die US-Rekordlerin, die 2003 in London mit 2:21:16 Stunden den 18 Jahre alten Rekord von Joan Benoit-Samuelson (2:21:21) gebrochen hatte, ihre Aufholjagd, die sie noch zu Bronze führte. Die letzten 7,195 km lief sie so schnell wie keine andere im Feld: 23:05 Minuten! „Wenn das Rennen noch ein paar Kilometer länger gewesen wäre, hätte ich Gold geholt. Trotz der extremen Bedingungen habe ich mich am Ende gut gefühlt und hätte mir gewünscht der Marathon wäre ein paar Kilometer länger.“

"Ich fühlte mich wie ein Rockstar" 

Mit ihrer Bronzemedaille hatte sie wiederum an die großen Zeiten von Joan Benoit-Samuelson erinnert. Sie war 1984 die erste Frauen-Marathonsiegerin in der olympischen Geschichte. Seitdem hatten die USA zwar verschiedene Laufbooms aber keinen olympischen Medaillengewinner im Marathon mehr erlebt. Entsprechend groß war der Rummel um Deena Kastor, sogar in Griechenland. Die Läuferin erzählte, was ihr nach diesem Triumph widerfuhr: „Ich bin mit meiner Familie in einen kleinen Ort außerhalb Athens gefahren – fragen Sie mich nicht, wo das war. Ich habe keine Ahnung. Dort sind wir in eine nette Taverne gegangen und haben bei einem tollen griechischen Abendessen meine Medaille gefeiert.

Als ich zur Tür herein kam, wurde ich mit Standing Ovations empfangen. Ich fühlte mich wie ein Rockstar, Fotografen kamen. Offenbar hatten alle den Marathon im Fernsehen gesehen und wussten wer ich bin. Dann kam der Wirt, gratulierte mir und stellte gleich ein paar Flaschen Wein auf den Tisch.“

"Zuviel Druck gemacht" 

Ein Jahr später gewann Deena Kastor den LaSalle Bank Chicago-Marathon und verfehlte mit 2:21:25 ihren eigenen US-Rekord nur um neun Sekunden. „Das war eines der Rennen wo ich vor dem Start mir selber zuviel Druck gemacht habe. Im Gegensatz zu Athen hätte ich hier nicht gewonnen wenn noch ein paar Kilometer mehr zu laufen gewesen wären.“ Zuvor war sie im Halbmarathon nationalen Rekord laufen (67:53 Minuten). Jetzt wird der Vattenfall BERLINER HALBMARATHON zur Generalprobe für den Flora London-Marathon. Man darf gespannt sein, was Deena Kastor in Berlin zu bieten hat. „Eine genaue Zeit nehme ich mir eigentlich nicht so gerne vor, aber etwa 67 Minuten will ich laufen. Nun hoffe ich auf gutes Wetter und gute Laufbedingungen.“

Training umgestellt

In diesem Jahr hat Deena Kastor ihr Training umgestellt, ohne dass es einen speziellen Anlass gab. „Die letzten vier, fünf Jahre bin ich viele Trainingskilometer gelaufen. Da hatte ich um die 225 Trainingskilometer pro Woche. Jetzt trainiere ich 190 km in der Woche und achte mehr auf Qualität bei den Läufen. Ich mache Tempoläufe und versuche meine Füße schneller zu bewegen.“ In Lake Mommoth in Nord-Kalifornien bereitete sie sich im Höhentrainingslager auf den Vattenfall BERLINER HALBMARATHON sowie auf den Flora London-Marathon vor.
Wir dürfen gespannt sein inwieweit sich ihr Training auszahlt.

 

 

 


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