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Wie fit sind Fußballspieler?

21.07.2006

In Kooperation mit RUNNER’S WORLD erscheint hier jeden Monat ein Thema aus dem aktuellen Heft.

In Läuferkreisen wird gerne über die Fitness von Fußballspielern gefachsimpelt. Dabei wird das Ausdauervermögen von Freizeit-Langstreckenläufern mit dem von Profi- oder Halbprofi-Fußballspielern einem Vergleich unterzogen. Doch dies bedeutet Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Dieser Vergleich hinkt, und zwar schwer.

Immer mal wieder wird auch in der Öffentlichkeit die Fitness von Fußballprofis zum Thema, z. B. letztes Jahr, als sich ein Hamburger Sportwissenschaftler über die Medien zu profilieren versuchte mit dem angeblichen Ergebnis einer Umfrage, die er in den Bundesliga-Vereinen durchführte. Einmal abgesehen von der Fragesystematik dieser Umfrage und abgesehen von der Tatsache, dass nicht alle Vereine den Bogen ausgefüllt zurücksandten, lautete sein plakativ dargebotenes Resultat: die Spieler der Fußball-Bundesliga sind teilweise erschreckend unfit, das Training teilweise eine Katastrophe.

Ein Thema für die Boulevardpresse

Solche Themen werden vor allem von der Boulevardpresse gerne aufgenommen, denn damit lässt sich ideal das Bild vom gut Geld verdienenden, aber trainingsfaulen Profi stricken. Auch in der Laufszene kursiert gerne und seit langem das Klischee vom Profi-Fußballer, der in Sachen Ausdauer mit Freizeit-Marathonläufern nicht mithalten könne.

Fakt ist, dass zum einen die Sportjournalisten mit Fachgebiet Fußball kaum einen Schimmer Ahnung haben von trainings- bzw. leistungssportlichem Basiswissen und anderer- seits die Freizeit-Marathonläufer sich in der Regel kein Bild machen vom komplexen Anforderungsprofil eines Profi-Fußballers. Der muss nämlich keinen Marathon laufen, sondern anderthalb Stunden lang verschiedene Formen des Sprints absolvieren, unterbrochen von Pausen, und darüber hinaus diverse Kunststücke mit dem Ball verrichten.

Zunächst sind zum Beispiel die Ansprüche an die Ausdauerleistung eines Torhüters andere als an die eines Mittelfeldspielers. Weltklasse-Mittelfeldspieler würden sicherlich die zehn Kilometer unter 35 Minuten laufen, wenn sie es müssten. Heutzutage lässt sich im Profi-Fußball jeder Weg, den ein Spieler im Spiel geht (besser: läuft), aufzeichnen und anschließend auswerten. Konditionelle Mängel werden dabei sofort erkennbar, an ihnen wird im Training auch hinreichend gearbeitet.

In einem Fußballspiel wird 800 bis 1000 Meter gesprintet

Während eines Spiels legt ein Mittelfeldspieler im Durchschnitt neun bis elf Kilometer zurück, davon vier Kilometer im Jogging-Tempo, zwei im flotten Tempo und 800 bis 1000 Meter im Sprint; dazu kommen zweieinhalb Kilometer Gehen und 600 Meter in der Rückwärtsbewegung. Die Herzfrequenz liegt dabei meist über 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz, und es werden auch Laktatwerte erreicht, wie sie bei Läufern während eines 10-km-Wettkampfs zu beobachten sind. Ein Fußballspiel mit hohem läuferischen Einsatz (Mittelfeld, Verteidiger mit Offensivdrang) wirkt wie ein sehr ausgedehntes Intervalltraining bzw. Fahrtspiel.

Eine Mischung aus Ausdauer und Schnelligkeit

Eine Untersuchung von Professor Kindermann von der Universität Saarbrücken, der auch die Fußball-Nationalmannschaft betreut, zeigte 2001, dass Fußballspitzenspieler eine Ausdauerleistungsfähigkeit hatten, die der eines guten 400-m-Läufers entspricht. Kindermann führte sehr plausibel aus, dass entscheidend für das konditionelle Profil eines Fußballers eine adäquate Mischung aus Ausdauer und Schnelligkeit sei. Das Interessanteste an seiner Untersuchung: Die konditionellen Fähigkeiten deutscher Spitzenfußballer hatten sich im Verlauf der neunziger Jahre nicht verändert. In der aktuellen Diskussion meldete sich Kindermann ebenfalls zu Wort und setzte die 2001er Studienergebnisse fort, wobei er auch dabei darauf hinwies, dass sich die Kondition der aktuellen Nationalspieler immer mit jener der neunziger Jahre messen kann. Übrigens: Bei Kindermanns Untersuchung wurde erstaunlicherweise deutlich, dass Mannschaften unterer Klassen versuchen, Schnelligkeitsdefizite über die Ausdauer zu kompensieren. Das widerspricht also eher Ihrem Eindruck, ist aber eigentlich logisch. Schnelligkeit hat man oder man hat sie nicht, das ist mehr oder weniger genetisch festgelegt, an der Ausdauer kann man aber erstaunlich schnell und erfolgreich arbeiten.

Das Training mit dem Ball nicht vernachlässigen

So wie ein Bundesliga-Stürmer die zehn Kilometer nicht unter 35 Minuten laufen muss, sondern besser die 100 Meter unter elf Sekunden (David Odonkor, Borussia Dortmund) und ein Top-Mittelfeldspieler nicht einen Marathon durchlaufen muss, sondern besser die 400 Meter unter 50 Sekunden und die 800 Meter unter zwei Minuten, so sollte auch ein „normaler“ Fußballer seinen Spielansprüchen entsprechend sein Ausdauerleistungsniveau trainieren. Und das Wichtigste: die Ballarbeit darf er keinesfalls auf Kosten der Ausdauer vernachlässigen. „Balltraining“ ist ja keinesfalls eine statische Übung ohne jegliche Bewegung. Dabei wird gerannt, gerannt, gerannt. Und auch die Zeitspanne zwischen verschiedenen Ball-Übungen ist ja nur kurz. Die verschiedenen Trainingselemente sind den Spielern in der Regel bekannt und müssen nicht in langen Steh-Pausen erklärt werden. Wer einem „modernen“ Fußballtraining ab und zu von Anfang bis Ende zugesehen hat, stellt schnell fest, dass es natürlich saisonal bedingt unterschiedlich aufgebaut ist, aber auch immer alle Elemente der verschiedenen Ausdaueransprüche (u. a. Tempoausdauer, Kraftausdauer) beinhaltet.

Testläufe ohne Öffentlichkeit, Trainer als „Schleifer“

Bei den Testläufen der Bundesligaspieler über zumeist fünf Kilometer, die dann von den (in der Regel fachunkundigen) Journalisten bewertet werden (weshalb inzwischen viele Vereine verständlicherweise die Ergebnisse nicht öffentlich machen), laufen die meisten Spieler locker ein Tempo, das sehr viel schneller als vier Minuten pro 1000 Meter ist. Offensichtlich haben dazu aber nur die wenigsten Spieler Lust, so dass sie tatsächlich nur das Nötigste in diesen „Ausdauertests“ geben, aber das sei ihnen ja unbenommen, denn sie werden schließlich am Erfolg auf dem Fußballplatz gemessen und nicht auf der Laufbahn.

Interessant war es, mitzuverfolgen, wie Bayern-Trainer Felix Magath bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren als „Schleifer“ tituliert wurde, nachdem er seine Profis auf den Wallberg schickte (1722 Meter hoch; die Fußballer liefen bis zum 1623 m hohen Panoramarestaurant). Die Spieler schafften das problemlos (die einen schneller. die anderen langsamer). Lediglich für unfitte Beobachter (wie z. B. einen Reporter einer Boulevardzeitung) war dies eine echte Herausforderung.

Runner´s World-Redakteure auf den Spuren von Felix Magath

Wir haben redaktionsintern die Probe aufs Exempel gemacht. Der sehr fitte Trainingsredakteur kam nach 37 Minuten oben an (was ihm den sechsten Platz beim alljährlich stattfindenden Berglauf eingebracht hätte, wie der Hüttenwirt meinte), der durchschnittlich fitte Redaktionskollege im Alter von 51 Jahren brauchte 65 Minuten und damit in etwa so lange wie die meisten Bayern-Spieler.

Wie fit sind also grundsätzlich Fußballer, was ihre Ausdauer angeht? Antwort: Ziemlich fit. und nicht nur die, welche in der Bundesliga spielen. Natürlich hat mancher Altherren-Fußballer kaum einen größeren Bewegungsradius als den des viel zitierten Bierdeckels, aber ein Fußballspiel dauert schließlich 90 Minuten und das Spielfeld ist ca. 100 Meter lang und ca. 70 Meter breit; da gehört Laufen ursprünglich einfach zum Spiel. Und wer tatsächlich einmal 90 Minuten Fußball gespielt hat, merkt schnell, wie anspruchsvoll das Spiel ist. Wie immer, darf auch hier nicht unerwähnt bleiben, dass viele internationale Spitzenläufer als Fußballer begannen, darunter Weltrekordler und Olympiasieger wie Steve Cram, Said Aouita, Noureddine Morceli oder nicht zuletzt Dieter Baumann.


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