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Race-Direktoren und Top-Athleten der World Marathon Majors im Interview

13.09.2006

Im Anhang erhalten Sie den Wortlaut des Telefoninterviews, das die Race-Direktoren und die Topathleten der World Marathon Majors (WMM) gestern gaben.

WORLD MARATHON MAJORS

HAILE GEBRSELASSIE
FELIX LIMO
DEENA KASTOR
MARK MILDE (Race-Direktor Berlin)
CAREY PINKOWSKI (Race-Direktor Chicago)
DAVE BEDFORD (Race-Direktor London)
MARY WITTENBERG
(Race-Direktorin New York)

RICHARD FINN: Wie Sie wissen, beginnt nun beim real,- BERLIN-MARATHON am 24. September die Herbstsaison der World Marathon Majors-Serie. Das ist Sonntag in einer Woche. Darauf folgt dann der LaSalle Bank Chicago-Marathon am 22. Oktober. Hier beim ING New-York-City-Marathon werden wir schließlich das erste Jahr der World Marathon Majors-Serie beschließen. Es war bisher ein sehr aufregendes Jahr für uns. Wir haben eine tolle Gruppe von Läufern im WMM-Zwischenstand, und für die Herbstsaison erwarten wir alle tolle Teilnehmerfelder und tolle Rennen.

Unsere Ehrengäste heute sind drei der weltbesten Marathonläufer, die in einem der drei Rennen der World Marathon Majors-Serie in diesem Herbst teilnehmen werden.

Aus Äthiopien wird der legendäre Haile Gebrselassie mit uns sprechen, aus Kenia Felix Limo, der beim LaSalle Bank Chicago-Marathon mitlaufen wird, und vom Mammoth Lake in Kalifornien ist Deena Kastor zugeschaltet, die hier in New York beim ING New-York-City-Marathon antreten wird.

MARK MILDE: Vielen Dank, Richard.

Es ist mir eine Ehre, Sie alle recht herzlich zu diesem Telefongespräch willkommen zu heißen, das quasi die Herbstsaison der World Marathon Majors offiziell eröffnet. Ich bin mir sicher, dass Sie alle unsere Frühjahrsrennen verfolgt haben und wissen, dass Robert Cheruiyot und Felix Limo sowie Deena Kastor und Rita Jeptoo derzeit die Serie anführen. Das kann sich natürlich bis zum Ende der ersten Hälfte unserer Saison in New York im November noch ändern.

Denn neben glorreichen Momenten bringt der Marathon eben oft auch Tragödien mit sich, die sich manchmal sogar bereits vor dem Rennen abzeichnen. Das war gerade in Berlin der Fall. Wir bedauern es sehr, dass unsere Topläuferin im Feld der Frauen, Olympiasiegerin Mizuki Noguchi, ihren Start in Berlin aufgrund einer Verletzung absagen musste. Sie ist im Badezimmer in St. Moritz gestürzt. Das Feld der Frauen ist nun ziemlich offen, doch wir erwarten nach wie vor gute Zeiten, wenn die Äthiopierin Gete Wami auf die Kenianerin Salina Kosgei trifft. Zudem freuen wir uns auf ein ganz besonderes Comeback von Sonja Oberem nach der Geburt ihres Sohnes Felix im vergangenen Dezember. Sie hatte schon zuvor sehr gute Leistungen in anderen World Marathon Majors und bei Weltmeisterschaften gezeigt und wird nun ihr offizielles Comeback in diesem Jahr in Berlin geben.

Die Aufmerksamkeit wird sich nun noch mehr auf das Rennen der Männer mit Haile Gebrselassie richten. Wie er selbst gesagt hat, kommt er hierher, nachdem er seine wohl schlechteste internationale Leistung in London gezeigt hat. Er muss erst noch Punkte für die World Marathon Majors sammeln, und in Berlin könnte er in diesem Jahr große Chancen dafür haben.

Er wird hier auf den zweitschnellsten Läufer aller Zeiten, Sammy Korir, treffen, der mit seiner Zeit von 2:06, die er in Rotterdam gelaufen ist, gleichzeitig der schnellste Läufer dieses Jahres ist. Er ist auch derjenige, der Paul Tergat 2003 in Berlin als Pacemaker zu dessen Zeit unter 2:05 verhalf und nur eine Sekunde nach diesem Ziel kam. Diesmal will Sammy Korir nicht nur der Pacemaker sein, sondern selbst Teil des Rennens sein.

Ich möchte das Wort nun gern an Haile Gebrselassie übergeben, damit er uns ein wenig von seinen Gefühlen berichten kann, so kurz vor dem großen Tag des Rennens.

HAILE GEBRSELASSIE: Vielen Dank. Ja, wissen Sie, wenn wir über Marathon reden – Marathon ist nicht einfach. Seit London habe ich nur auf Berlin gewartet. Berlin hat einen schellen Kurs. In Berlin haben es schon viele Läufer geschafft, gute Zeiten zu laufen.

Auch ich habe vor, etwas Besonderes in Berlin zu erreichen. London lief für mich nicht gut, und wir müssen abwarten, was in Berlin passieren wird.

Diese Idee der World Marathon Major ist fantastisch. Sie hat uns Läufern viele Möglichkeiten eröffnet. Läufer wollen etwas Besonderes schaffen. Auch ich will das und freue mich darauf, Teil dessen zu sein. Es ist so wie die Golden League etwas sehr Bedeutendes.

Nun, ich weiß, dass ich dort etwas erreichen kann – aber ich will gar nicht so viel drüber reden, sondern lieber Leistung zeigen. Wenn ich im September nach Berlin komme, werde ich auf viele berühmte Namen treffen, vor allem Sammy Korir, der, wie ich weiß, der zweitschnellste Läufer aller Zeiten ist. Und dann sind da noch all die anderen Läufer aus Kenia, Äthiopien und der ganzen Welt. Wir werden sehen. Es wird jedenfalls ein toller Wettkampf am 24. September.

MARK MILDE: Wir freuen uns wirklich, dass Sie kommen.

Nach Berlin folgt in der Serie der Marathon in Chicago. Der leitende Race-Direktor Carey Pinkowski ist ebenfalls in der Leitung und wird uns ein paar Informationen zu seinem Rennen geben.

CAREY PINKOWSKI: Danke, Mark. Wie Du bereits vorher erwähntest, stehen wir nun kurz vor dem Eintritt in den Herbstteil unserer Serie. Gemessen an den Teilnehmerfeldern werden wir einige sehr spannend Wettkämpfe sehen. Und wir freuen uns natürlich ganz besonders auf den 22. Oktober.

Mark, das wird dich interessieren. Wir haben ein paar kleine Veränderungen an unserer Strecke vorgenommen und ein paar Kurven heraus genommen, um das Rennen ein wenig schneller zu machen. Hoffentlich können wir Berlin so ein wenig Konkurrenz machen.

Wir sind dieses Jahr sehr zufrieden. Unsere drei schnellsten Sieger treten wieder an. Einer davon ist natürlich Felix Limo, von dem wir gleich persönlich hören werden. Die anderen beiden sind Ben Maiyo, der Zweiter wurde, und Daniel Njenga, der immer unter unseren besten Läufern war. Wir freuen uns sehr, dass wir sie als Garanten für gute Leistungen dabei haben.

Außerdem wird Robert Cheruiyot dabei sein. Der Sieger des Boston-Marathons zeigte dort in diesem Frühjahr eine meisterhafte Leistung. Ich hatte die Gelegenheit, ihn zu beobachten. Dann ist da noch Robert Cheboror, der 2004 in Amsterdam in seiner persönlichen Bestzeit von 2:06,23 gewann, sowie Kipsang, der Sieger von Paris 2005. Wir haben wirklich eine gute Mischung sehr talentierter Läufer, die alle schon auf den großen Bühnen der Welt angetreten sind. Ihre verschiedenen Charaktere werden dabei hoffentlich für einige spannende Wettkämpfe sorgen.

Wir freuen und sehr auf das Rennen in diesem Jahr. Wie bereits gesagt, wird das eine sehr aufregende Zeit für uns werden. Es wird die 29. Auflage des Marathons in Chicago sein, und wir hoffen auf einige historische und spannende Leistungen der Läufer.

Nun würde ich aber gern von Felix hören, wie seine Vorbereitung so läuft. Er ist bekanntermaßen unser Titelverteidiger. Er lief ein fabelhaftes, sehr taktisches Rennen in Chicago – um Haaresbreite über 2:07 – und dann noch mal ein sensationelles Rennen im Frühjahr in London. Ich würde gern wissen, wie es ihm geht, wie seine Vorbereitung läuft und mit welchen Ambitionen er ins Rennen geht.

FELIX LIMO: Danke. Ich bin körperlich und mental vorbereitet, da ich weiß, dass ich starke Konkurrenz haben werde. Mit all diesen 2:06-Leuten erwarte ich einen harten Wettkampf. Für mich gilt sowieso immer, dass jeder so lange im Rennen ist, bis er die Ziellinie überquert hat. Wir wissen nicht, wer gewinnen wird, aber natürlich hoffe ich das Beste für mich.

Letztes Jahr in Chicago habe ich das Rennen durch mentale Spielchen gewonnen. London war ebenfalls ein taktisches Rennen. So muss wahrscheinlich meine Psyche diesmal genauso gut funktionieren wie letztes Jahr. Die Strecke in Chicago ist die beste; die mochte ich sehr. Gemäß dem Anspruch der World Marathon Majors will dort jeder gewinnen, das will ich auch. Hoffen wir, dass der Beste gewinnen wird. Ich will nach Chicago kommen und etwas Gutes für mich erreichen. Und derzeit bin ich eben derjenige, der die 2:06 schon oft gelaufen ist.

MARK MILDE: Viel Glück für Felix und Carey im Oktober.

Die erste Hälfte der World Marathon Majors 2006 und '07 wird in New York enden. Ich möchte Ihnen daher nun Mary Wittenberg vorstellen, die Race-Direktorin des ING New-York-City-Marathon.

MARY WITTENBERG: Vielen Dank, Mark. Wir sind nun genau dort, wo wir zu sein gehofft haben, als wir diese Allianz vor einem Jahr ins Leben riefen. Unsere Rennen sind in dieser Zeit immer dichter zusammen gewachsen. Wir hatten eine tolle Eröffnung im Frühjahr in Boston und London und sind nun bereit für den Herbst, in dem wir die Besten unseres Sports sehen werden: die, die in unserer WMM-Wertung anführen sind, sowie Läufer wie Haile und Paul und Benita Johnson, die bestrebt sind, in diese einzutreten. Ich glaube, dass wir an Stars reiche Teilnehmerfelder in den drei Rennen haben.

Was New York betrifft, so versuchen wir im Rennen der Männer an die Meisterleistung des letzten Jahres beim Endspurt anzuknüpfen. Wir haben bereits verkündet, dass der Rekordhalter und Titelverteidiger von New York, Paul Tergat, wieder dabei sein wird. Zudem haben wir unsere besten amerikanischen Läufer, Meb Keflezighi und Alan Culpepper, angekündigt, Dathan Ritzenheim wird sein Debüt laufen. Zudem sind wir kurz davor, unserer Teilnehmerliste einen der Hauptakteure im spannenden Finish des letzten Jahres, Henrik Ramaala, hinzuzufügen, und hoffen, dass Stefano Baldini nach seiner Goldmedaille bei der Europameisterschaft sich rechtzeitig erholt und nun bald bestätigen wird, dass er in diesem Jahr in New York starten kann.

Bei den Frauen haben wir auf jeden Fall ein spektakuläres Feld. Ich glaube, dass dies Deenas Moment ist, in dem sie glänzen kann wie nie zuvor, nach ihren unglaublichen Läufen beim LaSalle Bank Chicago-Marathon und dem Flora London-Marathon, als amerikanische Rekordhalterin im Marathon und nach dem Unterbieten der 2:20-Marke in London. Deenas Stern leuchtet gerade sehr hell. Ihre Fans hier in den Vereinigten Staaten und hoffentlich weltweit erwarten ihren Lauf gespannt.

Deena weiß, dass wir es ihr nie leicht machen. Wir haben sie wieder mit einem sehr starken und ehrgeizigen Feld umgeben und haben die Titelverteidigerin Jelena Prokopcuka angekündigt. Zudem wird eine der stärksten Läuferinnen unseres Sports dabei sein: Catherine Ndereba. Und ich freue mich, euch mitteilen zu können, dass Susan Chepkemei, die die Rennen der letzten beiden Jahre geprägt hat, ebenfalls mit von der Partie sein wird. Und ebenso wie Chicago sein Rennen für die Führungsgruppe der Männer mit Limo und Cheruiyot profilieren wird, werden wir das im Rennen der Frauen mit Rita Jeptoo tun. Sie wird im Feld sein, um gegen Deena und die anderen anzutreten. Wie ich schon sagte, ist Deena im Moment Amerikas Top-Frau und hat sich nun auch international einen Namen gemacht. Ich denke, dass New York nun Deenas große Chance ist, ihre gute Form zu beweisen. Willkommen, Deena.

DEENA KASTOR: Vielen Dank, Mary. Bevor die World Marathon Majors formiert wurden, haben diese fünf Rennen bereits die Grundlage für viele andere Rennen in der Welt gesetzt. Ich denke, sie waren dafür verantwortlich, dass der Marathon auf der ganzen Welt so populär geworden ist. Millionen von Menschen nehmen mittlerweile an Marathons teil. Leider sind die Teilnehmerzahlen begrenzt. Wenn sie dies nicht wären, würden wir wahrscheinlich die ganze Welt auf diesen großen Bühnen wetteifern sehen.

Jetzt, wo es World Marathon Majors gibt, setzen diese Rennen die Standards für alle anderen Rennen und schaffen für uns Athleten großartige Bühnen, auf denen wir zum Wettkampf antreten können.

Meine ganze Konzentration richtet sich derzeit auf den ING New-York-City-Marathon. Ich freue mich extrem darauf. Wir Athleten suchen immer nach neuen Wegen, um uns zu motivieren, aus dem Haus zu treten und das Training zu absolvieren, das ein Marathon von uns verlangt – egal, ob wir gewinnen oder nur eine persönliche Bestleistung erzielen wollen. Lange Zeit war es nur die Aussicht auf einen Wettkampf gegen andere großartige Athleten. Der neue Bonus des World Marathon Majors-Jackpots hat bisher niemals eine Rolle in unseren Ambitionen gespielt, aber es ist natürlich schön zu wissen, dass wir nun dieses zusätzliche Ziel haben, auf das wir hinarbeiten können.

Es ist eine aufregende Zeit für diesen Sport und für die Läufer, die im Rennen um diesen Preis sind. Zu sehen, dass der Marathon nun eine solche Bedeutung in der Welt gewonnen hat, erfüllt mich und alle anderen Marathonläufer mit einem Gefühl der Zufriedenheit; es ist eine wunderbare Zeit für diesen Sport.

Gerade jetzt, inmitten meiner Vorbereitung für New York, freue ich mich besonders darüber. Wie immer sind starke und ehrgeizige Topläufer am Start, aber das ist es schließlich, was wir Sportler suchen: die Herausforderung, gegen die Besten der Welt anzutreten.

Ich bin wirklich gespannt und freue mich darauf, mir alle Rennen anzusehen: erst Berlin, dann Chicago und dann als Teilnehmerin New York. Ich bin gespannt, wie sich dieses erste Jahr der World Marathon Majors und die Wettkämpfe zwischen den Läufern entwickeln.

Haile, können Sie uns etwas über Ihren Fitnesslevel sagen und berichten, wie Ihr Training läuft?

HAILE GEBRSELASSIE: Mein Training läuft soweit ganz gut. Seit London habe ich mich nun vorbereitet und habe an keinem weiteren Rennen teilgenommen. Berlin wird mein erstes Rennen seit London sein. Ich möchte jetzt erst einmal nichts über den Wettkampf sagen. Ich werde beim Rennen dabei sein und dann werden wir sehen, was passiert. Das ist das einzige, was ich Ihnen sagen kann.

Haben Sie schon einen Plan wie Sie das Rennen angehen werden, oder in welcher Zeit Sie den Halbmarathon laufen wollen?

HAILE GEBRSELASSIE: Wir werden Tempomacher haben. Sammy wird ebenfalls seinen eigenen Pacemaker mitbringen. Natürlich liegt es nicht nur an den Tempomachern, wenn man nach Berlin kommt. Die Strecke ist sehr schnell. Ich glaube nicht, dass es ein großes Problem sein wird. Es wird in Ordnung sein; ganz bestimmt.

MARK MILDE: Ich kann noch hinzufügen, dass wir für die erste Gruppe, die Führungsgruppe, insgesamt vier Tempomacher haben. Ich hoffe, sie werden einen guten Job machen und die geforderten Zeiten angehen. Die Zwischenzeiten werden wir erst einen Tag vor dem Rennen beschließen.

An alle drei Läufer, wenn man sich die ganze Serie anschaut, was ist wichtiger, schnelle Zeiten, nah am Weltrekord laufen, persönliche Bestleistung, oder ein Sieg beim Rennen und der Gesamtsieg in der Serie?

DEENA KASTOR: Ich denke, dass verschiedene Jahresabschnitte auch unterschiedliche Zielsetzungen mit sich bringen. Es wird wahrscheinlich für jeden von uns unterschiedlich sein. Seit meinem Marathondebüt 2001 ist es mein Traum den ING New York City-Marathon zu gewinnen. Wenn ich das schaffen sollte, bin ich gleichzeitig in einer besseren Position für den Jackpot bei den World Marathon Majors. Bei meinen beiden letzten Marathonläufen, dem LaSalle Bank Chicago-Marathon und dem Flora London-Marathon, lag mein Fokus nur auf einer schnellen Zeit. Der Bonus kam mit den Siegen bei den beiden Rennen, aber der Fokus und das Training waren auf eine schnelle Zeit ausgerichtet. Nachdem ich diese beiden Rennen nur nach dem gelaufen bin, was meine Uhr mir sagte, ist mein Fokus jetzt der Sieg beim ING New York City-Marathon.

HAILE GEBRSELASSIE: Nun, für mich ist beides wichtig. Erstens zu gewinnen und dann eine gute Zeit laufen.

FELIX LIMO: Für mich kann beides zählen. Ich kann die Tempomacher nicht kontrollieren. Wenn andere ein hartes Rennen laufen, bin ich dabei. Wenn die anderen schnell rennen, bin ich auch dabei. Denn wenn ich mich nicht anstrenge, sollte ich lieber gleich nach Hause gehen.

Deena, Ich weiß, Sie sind Anfang des Jahres nach New York gegangen, um die Strecke zu erkunden. Was waren die Erkenntnisse daraus und in wieweit hat es Ihr Training beeinflusst?

DEENA KASTOR: Ich glaube als Athleten, die einen Marathon laufen möchten, müssen wir so gut es geht unsere Hausaufgaben machen. Wenn man sich die Strecke anschaut, hat man ein paar zusätzliche Infos. Man kennt das Gebiet, man kennt die Stärken und Schwächen der Strecke und kann diese Informationen, wie, dass die letzten zehn Meilen beim ING New York City-Marathon hügelig und anstrengend sind, in sein Training mit einfließen lassen. Das ist der Abschnitt an dem normalerweise das Tempo angezogen wird. Für mich war es wichtig, diesen Teil des Kurses zu sehen und das in mein Training einzubauen.

In der letzten Woche habe ich einen zweistündigen Trainingslauf absolviert, wobei ich sicher stellte, dass ich die letzte Stunde in hügeligem Gelände laufe. Dort bin ich dann möglichst aggressiv am Ende gelaufen, um den Anforderungen der Strecke gerecht zu werden und sie zu imitieren.

Haile, Sie sind seit langer Zeit einer der größten Stars in diesem Sport, auf der Bahn und nun auch im Marathon. Eine der Gründe die World Marathon Majors zusammenzustellen war es den Sport zu unterstützen, was bedeutet, dass Sie in gewisser Art und Weise eine Verpflichtung in Sachen Öffentlichkeitsarbeit haben. Sehen Sie dies als wichtigen Teil Ihres Jobs an oder hält es sie eher von dem ab was Sie eigentlich machen wollen?

HAILE GEBRSELASSIE: Ja, Ich bin froh wenn ich ihnen [den World Marathon Majors] helfen kann. Aber zu diesem Zeitpunkt mache ich nicht wirklich viel. Natürlich sind wir Athleten nicht nur da um Wettkämpfe zu bestreiten, sondern wir müssen auch etwas tun, wenn sie mit Ideen ankommen, um sie zu unterstützen.

MARK MILDE: Haile hat uns super unterstützt. Mitte August sollte er bei einem 10-km-Rennen an den Start gehen. Er konnte aber durch einen Zwischenfall seines Flugzeuges nicht zu diesem Rennen. Ein Hase ist irgendwie in die Triebwerke gekommen und das Flugzeug musste umdrehen und notlanden. Es ist nichts passiert, aber so etwas jagt einem natürlich einen Schrecken ein. Wir hatten eine Pressekonferenz mit vier TV-Stationen nur zwei Tage später geplant. Es war recht mühsam ihn zu überzeugen, aber er kam und machte es möglich. Er kam nach Berlin und half uns dabei diese Pressekonferenz zu haben. Wenn er den Sport nicht unterstützen wollte, hätte er dies nicht gemacht.

Wenn Sie auf alle Ihre Goldmedaillen, Weltmeisterschaften und Rekorde zurückschauen, was ist für Sie die wichtigste Errungenschaft?

HAILE GEBRSELASSIE: 10.000 Meter, Olympische Spiele in Sydney. Das ist das Rennen zwischen mir und Tergat. Das war etwas ganz besonderes.

DEENA KASTOR: Ich würde sagen die Olympischen Spiele in Athen, einfach nur weil es ein gewaltiger weltweiter Schauplatz war. Meine letzten beiden Marathonsiege haben ebenfalls einen hohen Stellenwert, da ich dort sehr viel Arbeit rein gesteckt habe. Beides waren sehr spezielle Momente für mich, zum einen der Kampf in Chicago und die Tatsache, dass ich es geschafft habe an der Spitze zu bleiben und auch, dass ich die 2:20 Marke in London brechen konnte.

FELIX LIMO: Die schönste Erinnerung ist London, denn dort war es bis zum Schluss ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Deena, wie haben Sie sich von London erholt? Sie sind im Sommer gelaufen. Können Sie das kommentieren?

DEENA KASTOR: Ich habe mich sehr gut von London erholt. Ich glaube wenn man gut gelaufen ist, dann ist es viel einfacher sich davon zu erholen. Mein Fokus im Sommer lag darin ein bisschen was auf der Bahn zu machen. Es war aber nicht förderlich für mein Training. Ich habe versucht ein paar Bahnläufe zu machen, aber ich bin bei Intervallläufen langsamer gelaufen als ich es beim Marathontraining mache. Mein Training war einfach nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Wir haben bei uns zu Hause eine neue Küche eingebaut. Ich dachte ich müsste einfach mal weg von allem. Also sind wir nach Europa gegangen, um ein bisschen Routine rein zu bekommen und ein paar Rennen zu machen. Die Dinge sind einfach nicht ganz rund gelaufen.

Ich hatte ein paar Rückenprobleme, vielleicht der Ischiasnerv. Ich nahm mir ein paar Wochen frei und bin dann nach Mammoth Lake zurückgekehrt. Ich habe mich mit Akupunktur und beim Chiropraktiker behandeln lassen. Innerhalb einer Woche war das Training dann wieder okay. Jetzt liege ich voll im Plan für die Vorbereitung auf New York.

Felix, was ist das Wichtigste für Sie, eine schnelle Zeit oder der Sieg? Und überhaupt, mit dem Wissen über die Notwendigkeit bei den World Marathon Majors zu gewinnen, wird dies das Rennen in Chicago, das bekannt ist für die schnelle Strecke, etwas ändern?

FELIX LIMO: Schnelle Zeiten sind für mich das wichtigste.

CAREY PINKOWSKI: Wenn man sich die Ergebnisse der letzten Jahre in Chicago anschaut, hat jeder der gewonnen hat auch ein schnelles Rennen abgeliefert. Ich denke es geht Hand in Hand, wenn man es mit Boston oder New York vergleicht, wo Erfahrung, wie Deena bereits erwähnte, eine große Rolle spielt. Strategie ist dort wichtig. In Berlin oder Chicago muss man schnell sein. Volle Pulle geben. Das ist die Haltung der Athleten die hierher kommen.

Wenn die Race-Direktoren auf einem Empfang jemandem, der keine Ahnung vom Laufen oder Marathon hat, erklären soll wie die Serie funktioniert, wie fassen Sie das ganz einfach zusammen?

CAREY PINKOWSKI: Im Grunde streben wir als Gruppe danach, etwas zu kreieren das dem Sport mehr Anerkennung zukommen lässt und unsere fünf Rennen miteinander verbindet. Es ist ganz klar, dass in London und Boston Aufmerksamkeit entstanden ist, sie dann nachgelassen hat und weg war. Was wir versucht haben, ist, diese großartigen Events und deren Athleten zu verbinden.

Wir haben Stückchen von unserem Sport genommen und damit die Serie kreiert. Wir haben ein bisschen vom NASCAR, vielleicht auch etwas vom Tennis oder so genommen. Wir haben einen Anreiz geschaffen. Das Ziel war es aber einfach etwas mehr Aufmerksamkeit zu bekommen und die Events zusammenzubringen.

MARY WITTENBERG: Ich würde auch gerne noch etwas hinzufügen. Es ist der Grand Slam unseres Sports. Es ist unsere Allianz um Stars zu schaffen. Wie Carey schon sagte, wir wollten diese Athleten hervorheben, die Rennen um Rennen in Großstadt nach Großstadt laufen.

DAVE BEDFORD: Als Experte von Empfängen, bin ich froh den interessanten Teil der Frage nach dem Konzept der World Marathon Majors zu erklären. Die Wahrheit ist, in unserem ersten Jahr müssen wir die größten Berge erklimmen. Wir müssen den Leuten erklären, was wir mit dieser Sache erreichen wollen. Das haben wir geschafft, die ersten Rennen haben stattgefunden – Boston und London. Fast nichts passiert sofort, da die Serie erst einmal ein Jahr existieren muss, um einen Stellenwert zu bekommen.

Wir fangen an diesen Stellenwert zu sehen, da einige Läuferinnen und Läufer zum zweiten Mal in diesem Jahr an den Start gehen werden. Somit wird es spannend sein zu verfolgen was mit Deena und Felix und so weiter passieren wird.

Aber ich denke am Ende des ersten Jahres wird es sich noch steigern, und denken Sie daran, dass wir nach diesem Jahr immer eine Serie in dem darauf folgenden Jahr zu Ende bringen, da die einzelnen Serien sich überschneiden. Ich glaube, dass es in Zukunft einfacher sein wird, es den Leuten zu erklären und es wird auch bei der Bevölkerung leichter nachzuvollziehen sein und auch das 500.000 US-Dollar-Preisgeld wird, wenn es erst einmal jährlich ausgeschüttet wird, sich in den Köpfen der Menschen festsetzen.

Ich möchte meinen Kollegen in Berlin, Chicago und New York alles Gute für Ihre Veranstaltungen wünschen. Wir in London, befinden uns zu dieser Jahreszeit in einer ruhigen Phase.

Mary, heute wurden Fragen zur Rolle von schnellen Zeiten, Siegen oder beidem gestellt. Was ist Ihr Ziel? Wollen Sie in der Financial Times eine Kolumne über den Erfolg der Majors lesen? Ist es das, was dem Sport die Aufmerksamkeit geben wird, und Sponsoren bringen wird, an die in der Vergangenheit keiner gedacht hat?

MARY WITTENBERG: Wir wollen alles sehen. In New York geht es um den Titel, es geht um den größtmöglichen Wettkampf. Ich glaube, dass nichts den Sport besser promoten könnte, als der Schlusssprint im letzten Jahr zwischen Paul Tergat und dem später unterlegenen Henrik Ramaala. Das wurde auf der ganzen Welt gesehen. Das war einer dieser Momente, den man, egal wer man ist, einfach gesehen, gelesen oder gehört haben musste, denn am nächsten Tag wurde darüber am Kaffeeautomaten geredet.

Im Kern sind wir zu allererst eine Sportart. Ich glaube so ist es am besten. Dann tun wir natürlich alles um die menschlichen Interessen an den Geschichten des Sportes zu fördern, das ist das Geschäft. Aber am Ende kann keiner den Sport besser unterstützen als die Athleten mit ihrer Leistung.

Ich glaube im Marathon liegt ein geheimnisvoller Nimbus, der diesen zum besten Sport auf der Welt macht. Das ist der Fall vom Top-Läufer bis hin zu den 100.000 Läuferinnen und Läuferin jeden Alters. Was wir gemeinsam versuchen, ist soviel Ruhm und Ehre dem Mumm und der Entschlossenheit zukommen zu lassen, die nötig sind, um eine Serie zu gewinnen. Es ist ein großartiger Start. Wir fühlen uns geehrt Top-Athleten zu haben, die bei unseren jeweiligen Rennen im Herbst an den Start gehen werden.


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