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Gemeinschaftserlebnis

Es gibt kein besseres Gemeinschaftserlebnis für Läufer als einen Staffellauf

16.09.2006

Der Start des Staffellaufs „Hood to Coast“ auf über 1800 Meter Höhe am Mount Hood (Bundesstaat Oregon, USA)
© RUNNER'S WORLD

In Kooperation mit RUNNER’S WORLD erscheint hier jeden Monat ein Thema aus dem aktuellen Heft

von Thomas Steffens | Chefredakteur

Der Läufer ist bekanntlich ein Individualist, aber das hatten wir ja kürzlich schon einmal. Bei Wettkämpfen, größeren mit fünfstelligen Teilnehmerzahlen oder intimen kleinen Läufchen, bei denen man die Hälfte kennt, wird aus vielen Individualisten eine Art Interessenverband mit ähnlichen Zielen: möglichst schnell, erlebnisreich oder sonst wie ins Ziel zu kommen, das bei Marathonläufen ein paar Stunden geöffnet ist, um möglichst vielen das gute Gefühl zu vermitteln: Ich hab’s geschafft. Danach ist man glücklich, lässt die Medaille noch möglichst lange um den Hals baumeln, auf dass man angesprochen wird und Geschichten erzählen kann. Lassen wir einmal dahingestellt, inwieweit es sich hier um ein Gemeinschaftserlebnis handelt; ich tendiere dazu, dies einen gemeinsamen Lauf zu nennen, mehr nicht.
Echte Gemeinschaftserlebnisse gibt es sonst nur im Team-Sport, wo der einzelne nichts zustande bringt ohne das Mittun der anderen. Beim Laufen gibt es eine Ausnahme, das sind Staffel-Wettbewerbe, die es auch für Langstreckenläufer gibt.

Das größte Staffelrennen der Welt findet an der Westküste der USA statt und feierte in diesem Jahr sein 25. Jubiläum. „Hood to Coast“ mobilisiert alljährlich 12000 Läuferinnen und Läufer, verteilt auf 1000 Teams.
1997 war ich dort mit einem Laufteam von Journalisten aus Europa dabei. In über 30 Jahren mit unterschiedlichsten Wettkämpfen und anderen Laufereignissen steht dieser Staffel-Wettbewerb ganz weit vorne in meinem persönlichen Ranking erinnernswerter Läufe. Die Mischung von intensivem Lauferlebnis, Teamgeist und Spaß ist etwas Einmaliges, und ich finde es schade, dass sich solche Staffel-Läufe bei uns nur schwer oder eben gar nicht realisieren lassen; zu dicht ist hier der Verkehr, zu komplex das Wirrwarr behördlicher Zuständigkeiten. In den USA ist dies deutlich einfacher. Straßen werden nicht extra gesperrt, selbst die Passage durch die Großstadt Portland stellt kein Problem dar, gewechselt wird auf großen Parkplätzen, meist bei Supermärkten oder Shopping Malls. Gestartet wird in Kleingruppen, was Stunden dauert, aber das Feld entzerrt, und so sind zwar überall und immer wieder Läufer zu sehen, aber selten sind es mehr als fünf bis sechs.

Die Strecke führt über 317 Kilometer, jeder kommt dreimal dran, zu laufen sind zwischen sechs und zwölf Kilometer. Das ist gut machbar, und ich erinnere mich noch gut an meine Laufeinsätze: zwölf Kilometer nachmittags um zwei auf dem Seitenstreifen einer breiten Bundesstraße, zehn Kilometer abends um neun hinein in die Dämmerung wiederum auf einer ähnlichen Straße und schließlich acht Kilometer morgens um halb vier durch die pechschwarze Dunkelheit der Hinterwälder von Oregon. Jedes Mal mit Vollgas und erstaunlicherweise auch beim dritten Mal ohne muskuläre Probleme.
Damals war in unserem Team ein junger Mann mit Ambitionen, sowohl läuferischer als auch anderer Art. Drei Jahre später kam Urs Weber auf eine Stellenausschreibung in unsere Redaktion und ist heute nicht mehr wegzudenken. Er war dieses Jahr wieder dabei bei „Hood to Coast“.

Die Reportage über den Staffellauf „Hood to Coast“ von Runner’s World-Redakteur Urs Weber lesen Sie in der Oktoberausgabe 2006  


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