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Deutschlands ältester Stadtmarathon feiert 25. Geburtstag

25.10.2006

Frankfurt-Marathon: Das Rennen durch die Bankenmetropole.
© Victah Sailer

Artikel des Running News Network - runnn.com

Ein Blick in die Analen der deutschen Marathongeschichte beweist es, die Entwicklung hierzulande über die 42,195 km-Strecke ist eng mit der Stadt Frankfurt verbunden. Es ist nicht alleine die Marathonpremiere auf deutschem Boden 1913, der erste Marathonlauf nach dem Zweiten Weltkrieg, der 1948 als „Quer durch Bornheim“ stattfand oder die ersten Deutschen Marathonmeisterschaften 1955, sondern vielmehr der erste Marathonstart vor den Werkstoren der Hoechst AG am 17. Mai 1981, der als der erste Stadtmarathon in Deutschland gilt.

Die Geschichte der 25 Auflagen (1986 musste der Marathon nach dem Rückzug der Hoechst AG ausfallen) ist beeindruckend, zeigt Höhen und auch Tiefen, zeigt aber in trefflicher Weise auch die Entwicklung des deutschen Marathonlaufes ausgehend von eher leistungsambitionierten Läufern zur Marathonmanie der Jetztzeit mit einer Herausforderung für Tausende von weitgehend Freizeit- und Gelegenheitsläufern, die in dem allgemeinen gesellschaftlichen Trend neue Erfahrungen oder Abenteuer suchen.

Waren es 1981 gerade einmal 2.588 Finisher, die vor den Toren der Farbwerke im Stadtteil Höchst den Weg von der „Einsamkeit des Langstreckenläufers“ in das Rampenlicht der Öffentlichkeit wagten, sind es heute fast vier Mal so viele, die das Ziel nach den 42,195 Kilometern entlang den attraktivsten Plätzen der Bankenmetropole in der stimmungsvollen „Gut Stubb“ auf dem Messegelände erreichen. Marathon ist längst hoffähig geworden, 160 um die besten Marktanteile konkurrierenden Marathonläufe hierzulande sind Zeugnis dieser Sportkultur, die Medienlandschaft hat sich dem Phänomen Marathon in vielfältigen Facetten angenommen. Marathon ist Teil unserer Gesellschaft geworden, daran hat der Stadtmarathon in Frankfurt ein nicht geringes Maß Anteil.


Qualitätsanspruch made by Hoechst

Während 1981 der Berlin-Marathon zunächst eher aus den Nebenräumen einer Backstube organisiert wurde, konnte der Hoechst-Marathon primär auf Mitarbeiter des weltweit präsenten Chemieunternehmens zurückgreifen, die während der Dienstzeit die Planung für den Marathon vorantrieben und in ihrer Freizeit beim OSC Höchst eine reisefreudige, leistungsstarke Läufergruppe bildeten. Und in Frankfurt fiel vier Monate früher als in der seinerzeit geteilten früheren Reichshauptstadt der Startschuss zu einem Marathonspektakel, das anfangs eher Laufverrückte einte als ein Massenauftritt heutiger Prägung darstellte. Aber nicht nur deshalb gebührt Frankfurt die Vorreiterrolle bei der Entwicklung des Stadtmarathons, sondern auch hinsichtlich der als perfekt bezeichneten Organisation, dies allerdings gemessen an den 2500 Läufern und dem seinerzeit bekannten Standard für Volksläufe. Vom Osttor der Hoechst AG führte die Strecke über die Mainzer Straße, Ludwig-Landmann-Straße, Bockenheimer Anlage, über die Alte Brücke auf das südliche Mainufer, durch die Stadtteile Sachsenhausen, Niederrad und Schwanheim und zurück über die Schwanheimer Brücke nach 42,195 km ans Werkstor der Farbwerke. 150.000 Zuschauer säumten nach Schätzung der Behörden die Strecke. Der spätere WM-Vierte Kjell-Erik Stahl gewann in 2:13:20 Stunden vor dem Darmstädter Günter Mielke, bei den Frauen setzte sich die Schwetzinger Langstrecklerin Doris Schlosser in 2:47:18 Stunden durch.

Mit 5.670 gemeldeten Teilnehmern (und damit einer Steigerung um über 100 Prozent gegenüber der Premierenveranstaltung) war der Hoechst-Marathon bereits im zweiten Jahr zum größten deutschen Straßenlauf mutiert. Der Portugiese Delfim Moreira lief mit 2:12:54 Stunden die zweitschnellste auf (west)deutschem Boden jemals gelaufene Zeit hinter dem 1972 bei den Olympischen Spielen siegreichen US-Läufer Frank Shorter, bei den Frauen setzte sich die kleine Heidi Hutterer aus Landshut in 2:36:38 Stunden durch. Im deutschen Vergleich hatte Frankfurt die Nase knapp vor Berlin vorne, die 4 686 Läufer vor dem Reichstagsgelände an die Startlinie brachten.

Frankfurt setzte aber auch in der Folge Qualitätsmaßstäbe wie 1983 durch die Boston-Marathonsiegerin Charlotte Teske aus Darmstadt in der absoluten Weltklassezeit von 2:28:32 Stunden oder 1984 durch den Äthiopier Dereje Nedi in 2:11:18 Stunden. 1985 entschied sich der Deutsche Leichtathletik-Verband zu einer Vergabe der Marathon-Titelkämpfe an Frankfurt und damit der erstmaligen Einbindung in einen Stadtmarathon. Mit Herbert Steffny setzte sich dabei vor 7.296 Finisher sogar ein deutscher Läufer in 2:12:12 Stunden durch und beendete damit die ausländische Siegesserie eindrucksvoll. Selbst die renommierte Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) überschüttete das Massenspektakel am Main mit Lob als „ein Ereignis ersten Ranges“.


Hoechst-Management verkannte Marathonboom

Dem furiosen Aufstieg zu einem weitweit beachteten Marathonereignis mit seinerzeit einem Etat von 1,75 Millionen DM folgte bereits wenig später durch den Ausstieg der Hoechst AG ein tiefer Fall. In der Schaltzentrale des Chemieunternehmens hatte man mit dem Einstieg bei den Fußballprofis der Frankfurter Eintracht andere Prioritäten im Werbebudget gesetzt, trotz der überaus großen Akzeptanz von über 10.000 Anmeldungen. Um im Wettbewerb der „global player“ ein gewichtiges Wort mitspielen zu können, hätte man beim Chemieunternehmen einiges zulegen müssen. Dazu war man wohl am Main in völliger Fehleinschätzung des allmählich auch hierzulande greifenden Marathonbooms nicht bereit. Schließlich wurden als Folge des mehr und mehr kommerzialisierten Unternehmens Marathon sowohl Prämien als auch Antrittsgelder Standard.

Durch eine „Initiative Stadtmarathon“, der namhafte Persönlichkeiten wie die 800 m-Legende Heinz Ulzheimer oder die später die politischen Zügel in Frankfurt ziehenden Petra Roth und Sylvia Schenk angehörten, pausierte der Stadtmarathon jedoch nur ein einziges Jahr.


Schwerer Neustart nach einjähriger Pause

Bereits 1987 kehrte er unter den Fittichen der Stadt Frankfurt und der renommierten Eintracht Frankfurt mit neuem Logo, einem rotem M für Marathon und zugleich Symbol eines überdimensionalen Zieltores, und neuer Organisationsmannschaft mit dem Chef des städtischen Sport- und Bäderamtes Gustav Hofmann, dem PR-Fachmann Fritz Weber als Organisationsleiter und Marathonläufer Günter Mielke zurück. Mit Start und Ziel an der Messe, neuer Streckenführung und einem Herbsttermin kehrte der Frankfurt-Marathon zurück. Doch die neue Streckenführung erwies sich den inzwischen gestiegenen Ansprüchen als nicht wettbewerbstauglich, auch wenn der Neuseeländer Lindsay Robertson in 2:13:30 und einem klaren Vorsprung vor Herbert Steffny (2:15:15) gewann. Im Konzert der großen Marathonläufe war man mit dem „Volkslauf-Konzept“ ohne Ausrichtung auf eine Leistungsspitze und lediglich 4 308 Finisher merklich ins Hintertreffen geraten. Zumal mit Hamburg ein wichtiger Konkurrent um die Gunst der Laufkundschaft hinzugekommen war.


Über DB- und Eta- zum Messe Frankfurt-Marathon

Beim Frankfurt-Marathon rüstete man zwar 1988 mit dem Titelsponsor Deutsche Bundesbahn merklich auf, die 4.492 Finisher bedeuteten allerdings nur ein Drittel der Läufer, die wenige Wochen zuvor der Berlin-Marathon auf die Straßen der früheren Reichshauptstadt lockte. Leichte Zuwächse in den Folgejahren bis auf 6.891 Finisher im Jahr 1999 kennzeichnen die solide Arbeit der Organisation am Main, die von 1992 an in den Händen von Irmgard Heckelsberger und der Agentur macona lag. Deutsche Spitzenläufer auf dem Siegerpodest wie Herbert Steffny (1989, 1991), Konrad Dobler (1990), Steffen Dittmann (1992), Stephan Freigang (1993), Martin Bremer (1996) und Michael Fietz (1997) bei den Männern wie auch Iris Biba (1989), Kerstin Preßler (1990) und Katrin Dörre-Heinig (1995-1997) machten Frankfurt bis zum Jahrtausendwechsel zum Heimspiel und somit zum „deutschen Marathon“, der hinter Berlin und Hamburg als gefestigte Nummer drei rangierte. Die zusätzliche Integrierung der deutschen Meisterschaften gelang nach 1985 mit 1994, 1998 und mit 2001 schon zum vierten Male. Ein Erfolg versprechendes Pflaster für den DLV jedenfalls, zumal es für die besten Deutschen in der logischen Konsequenz auch Preisgelder gab. Für diese sorgte übrigens beim „Eta Marathon“ in den Jahren 1994 bis 1998 die Initiative der Deutschen Stromversorger für mehr Energievernunft. .


Internationalen Kurs eingeschlagen

Mit der Jahrtausendwende gab mit der Maleki Group eine neue Organisation ihr Debüt, die den Marathon in der Euro-City gerne im Wettstreit mit den großen Finanzplätzen der Welt gesehen hätte. Doch das Intermezzo dauerte bei zugegeben widrigen Witterungsbedingungen im Jahr 2001 und 2002 gerade einmal zwei Jahre. Der neue Titelsponsor Messe Frankfurt brachte im Verbund mit Organisator Jo Schindler den Frankfurt-Marathon mit einem attraktiven Preisgeldgefüge auf den internationalen Kurs mit namhaften (kenianischen) Siegern Eliud Kering, Boaz Kimaiyo und Wilfred Kigen und einer weltweit beachteten Streckenrekordmarke von 2:08:29 Stunden. Auch bei den Frauen wurde die Spitze bunter, neben der Kenianerin Esther Barmasai trugen sich mit der eingebürgerten Deutschen Luminita Zaituc (2001, 2003), der Spanierin Maria Abel (2002) und den beiden Russinnen Oleysa Nurgalieva (2004) und Alevtina Biktimirova (2005) in die Analen ein. Beleg für den zunehmenden internationalen Anspruch ist sicherlich auch der Streckenrekord der Frauen von 2:25:12 Stunden.

Hatte sich der Frankfurt-Marathon als ältester Stadtmarathon durch für heutige Verhältnisse erstaunlichen Einlaufdichte mit bis zu 1735 Läufern (1985) unter der begehrten Drei-Stunden-Marke einen Namen als Qualitätsmarathon gemacht, so haben sich die Verhältnisse längst verschoben. Die große Masse der Marathonläufer sucht wie Andernorts vornehmlich den Spaßfaktor, feiert den Eventcharakter der Veranstaltung und lässt sich im Vier-Stunden-Bereich bejubeln. Mit Berlin, Hamburg und Köln haben sich drei Marathonstädte hinsichtlich Teilnehmer und Atmosphäre längst an Frankfurt vorbei in der nationalen Hierarchie festgesetzt, in Mainhattan kann man allerdings bestens mit der Verfolgerrolle auf Rang vier leben, zumal hier sicherlich noch Wachstumspotentiale auszumachen sind. Der stimmungsvolle Einlauf in der ehrwürdigen Festhalle ist ein Highlight, das seinesgleichen sucht und in seiner Einmaligkeit für ein besonderes Gänsehaut-Feeling sorgt.

Wilfried Raatz


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