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Milliarden-Ersparnis

Die Zahl der sportlich Aktiven steigt, vor allem die Zahl der regelmäßigen Läufer. Sie entlasten den Staat und das Gesundheitssystem erheblich.

18.11.2006

Thomas Steffens, Chefredakteur Runner’s World
© RUNNER'S WORLD

In Kooperation mit RUNNER’S WORLD erscheint hier jeden Monat ein Thema aus dem aktuellen Heft

von Thomas Steffens | Chefredakteur

Dass Laufen der Gesundheit förderlich ist, dürfte weitgehend unbestritten sein. Es lässt sich ohne großen Aufwand betreiben, oft von der Haustür weg, man braucht keine Anlagen, weder eine Halle, noch sonstige Bauten, die Ausrüstung hält sich in bezahlbaren Grenzen, die Effektivität ist kaum zu übertreffen, denn schon zwanzig bis dreißig Minuten leichtes Joggen sind positiv kreislaufbelastend. Das Immunsystem wird gestärkt, die Infektanfälligkeit nimmt ab, man fühlt sich dynamischer, wacher, einfach fit eben.

Was allerdings die wenigsten Läufer wissen: Schon vergleichsweise niedrige Belastungen reichen aus, um diesen positiven Effekt zu erreichen. Diese Belastungsstufen sind so gering, dass man auf einer solchen Bewegungsbasis keine Wettkämpfe bestreiten kann. Warum auch? Wer mehr als 25 Kilometer pro Woche läuft, tut dies aus anderen Gründen als darum, gesund zu bleiben, sagte vor über zwanzig Jahren Dr. Kenneth Cooper, der als Fitness-Papst schlechthin bezeichnet wird. Cooper hatte natürlich Recht. 25 Kilometer pro Woche sind drei- bis fünfmal dreißig bis fünfzig Minuten entspanntes Joggen im Sechs-Minuten-Schnitt pro Kilometer. Wer diese geringe Dosis einhält und dazu möglichst noch mit leichten Kräftigungsübungen die Rumpfmuskulatur stabilisiert sowie ab und zu Dehnübungen durchführt (warum nicht Yoga!), erreicht einen Grad von körperlicher Fitness, der den Arztbesuch zum Fremdwort macht. Wer mehr trainiert, tut dies, weil er Wettkämpfe bestreitet, viele Kalorien verbrennen will, oder weil es einfach Spaß macht. Gesünder ist es allerdings nicht, das sollte jedem klar sein. Jeder Wettkampf und der Marathon ganz besonders ist eine Extrembelastung und im klassischen Sinne auch nicht gesund. Aber eben auch nicht gefährlich, wenn man sich sorgfältig darauf vorbereitet. Übrigens: Spaß machen sollte es eigentlich auch noch.

30,8 Millionen Deutsche geben an, regelmäßig Sport zu treiben, wie eine AWA-Befragung* ergab (29 Sportarten), vor drei Jahren waren es noch 28,2 Millionen.
Mehr als 19,1 Millionen Deutsche jedenfalls laufen gelegentlich (14,1 Millionen) bis häufig (5,1 Millionen), ergab diese Befragung. Das sind 23 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Die Zahl derer, die angaben regelmäßig („häufig“) zu laufen, erhöhte sich gar um 75 Prozent. Knapp 1,8 Millionen nehmen nach Angaben des Deutschen Leichtathletik Verbandes an Wettkämpfen teil, Schätzungen sprechen von 120000 Marathonläufern in Deutschland. Diese sportlich aktiven Menschen entlasten das Gesundheitssystem um einen Betrag, der in seiner grob geschätzten Summe in die Milliarden geht. Ich stelle hier keinen Antrag auf Kostenerstattung des Kaufpreises für RUNNER´S WORLD durch Krankenkassen oder durch das Gesundheitsministerium. Aber nachdenken darf man ja mal. Jeder sollte froh und glücklich sein, wenn er das System nicht in Anspruch nehmen muss.

In Berlin wurde Ende Oktober eine Umfrage vorgestellt, durch die herausgefunden werden soll, welche Orte die Bevölkerung zu sportlichen Aktivitäten nutzt. Es ist, so der auftraggebende Senat, die größte Sportbefragung in Deutschland (30.000 Personen). Man wolle nicht ins Blaue sanieren und planen, heißt es. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein. Wir informieren Sie, sobald die Umfrage ausgewertet ist.

*Allensbacher Werbeträger Analyse 2006; Basis: Gesamtbevölkerung ab 14 Jahre


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