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Thomas Dold - der Mann, der dem Fahrstuhl Konkurrenz macht

22.02.2007

Thomas Dold gewann vor kurzem zum zweiten Mal den Treppenlauf im Empire State Building.
© privat

Artikel des Running News Network - runnn.com

Thomas Dold hat schon vieles in seiner jungen Sportlerlaufbahn gemacht, in zwei etwas außergewöhnlichen Wettbewerben ist er jedoch weltweit schon obenauf: Im Treppenlaufen und Rückwärtslaufen. Anfang Februar gewann der Wirtschaftsstudent aus Steinach im Kinzigtal nun bereits schon zum zweiten Male den berühmtesten Treppenlauf der Welt, die Hatz über 86 Stockwerke, 1576 Stufen und 320 Höhenmeter im Empire State Building in New York. In 10:25 Minuten war Thomas Dold auf der Plattform in luftiger Höhe.

„Im Moment der völligen Erschöpfung empfindest Du ein unglaubliches Glücksgefühl. Das gibt es nur beim Treppenlauf“, charakterisiert Thomas Dold seinen außergewöhnlichen Sport, der ihm medial höchste Aufmerksamkeit beschert. Bei Stefan Raab saß er schon auf der Pro 7-Couch, bei Frank Elstner in „Menschen der Woche“ im SWR-Fernsehen, in der RTL-Show „Unglaublich“ lief er sogar „ganz nebenbei“ einen 3000 m-Weltrekord im Rückwärtslaufen. Die Liste lässt sich freilich beliebig noch verlängern – in einer Zeit, in dem beispielsweise Marathonlaufen eher „normal“ ist, sind skurile Leistungen besonders gefragt. Weil er trefflich schlagfertig ist und stets einen lockeren Spruch auf den Lippen hat, sind die Medienschaffenden besonders an ihm interessiert.

Angefangen hat das besondere Hobby eher zufällig, als am Rande einer Berglaufveranstaltung der frühere Weltklasse-Bergläufer Kurt König von Treppenläufen erzählte. Als Schwarzwälder Bub wächst man zweifellos mit der Natur auf, erkundet alle Berge der Umgebung zu Fuß oder mit dem Mountainbike. Nur Treppenhäuser mit entsprechender Höhe gibt es hier keine. Ein erstes Herantasten führe zugleich zum Erfolg. „Ich habe noch nie einen Bahnlauf gemacht, der so weh getan hat. Es ist so unendlich hart. Am Ende fehlt Dir jegliche Koordination. Aber es ist ein geiles Gefühl, wenn Du Dich oben einfach im Ziel umfallen lassen kannst!“ Inzwischen kennt Thomas Dold schon viele Treppenhäuser der Welt, die hohen vor allem. Siege im Stuttgarter Fernsehturm, im Berliner Park Inn, im Donauturm in Wien belegen sein außergewöhnliches Talent, beim Spektakel in Taipeh unterlag er im Duell mit dem australischen Radprofi Paul Crake nach 101 Etagen nur knapp. „Du läufst pulsmäßig von der ersten Stufe an auf Maximalpuls“, weiß Dold zu berichten. Mit Puls 190 hat der 22jährige ausgereizt, ist aber in der Lage, dies 10 Minuten lang wie in New York durchzuhalten. Und völlig übersäuerten Beinmuskeln. Bei einer Untersuchung in Freiburg wurden bei ihm 17 mmol Laktat gemessen.

Sein Training ist als polysportiv zu bezeichnen. „Es ist eine Kombination von allem!“ Und meint damit Laufen im flachen und profilierten Gelände, Einheiten mit dem Rad, im Wasser, auf Skiern. Und einmal in der Woche geht’s an die Treppen. Seine Trainingsstrecke liegt dann allerdings 200 Kilometer von seinem Studienort Stuttgart entfernt, im Maintower in Frankfurts Bankenviertel. Die 1000 Stufen und 55 Stockwerke absolviert Thomas Dold am Abend dann dreimal. „Damit sich der Riesenaufwand auch lohnt!“ Inzwischen kennen die Security-Mitarbeiter den „verrückten Vogel“ aus dem Schwarzwald bestens, schließlich gibt es nicht viele, die überhaupt das Treppenhaus benutzen. Vor allem nicht so schnell.

Je nach Treppenanlage meistert Thomas Dold zwei bis drei Stufen pro Sekunde. Langsamen Fahrstühlen macht er damit durchaus Konkurrenz. Die Fähigkeit, Kraft, Ausdauer und Willensstärke in dieser extremen Weise zu koppeln, das macht den Erfolg letztlich aus. „Ab dem 70. Stock ist eigentlich jeder blau“, so ein markanter Spruch des Speedrunners. Auch eine ordentliche Grundschnelligkeit ist gefragt, wenn, wie in der 5th Avenue in New York, von der Startlinie bis zum Treppenhaus gerade einmal 15 Meter Differenz sind. Und Ellbogenstärke, denn an der Startlinie waren 100 Konkurrenten, die alle praktisch gleichzeitig durch eine konventionelle Eingangstür drängten.

Preisgelder gibt es ab und an. So wie beim Sky Race Berlin, als das Park Inn-Hotel 1000 Euro für den Tagesbesten auslobten. Was natürlich auch kenianische Laufgazellen auf den Plan rief. Aber Thomas Dold ließ sich selbst von einem Edwin Kibowen, der immerhin eine 28:50 über 10 km zu Buche stehen hat, nichts vormachen und nahm dem flotten Kenianer gleich eine halbe Minute ab. Beim Empire State Building Run Up In New York hingegen ist die Teilnahme eher Ehrensache. „Als Sieger habe ich einen kleinen Pokal gewonnen. Das war’s. Mich hat der Flug 400 Euro gekostet, nicht berücksichtigt die weiteren Kosten für den Aufenthalt!“ So ist Thomas Dold auf Sponsoren angewiesen. Die Landesbank Hessen-Thüringen mit ihrer Tochter Frankfurter Sparkasse 1822 als Eigentümer des Maintowers ist inzwischen für den Studenten der Wirtschaftswissenschaften ein wichtiger Partner geworden, schließlich hat er neben seinem Training im kahlen Treppenhausschacht auch schon einmal hinter die Kulissen der Bank geschaut. Nach einem Praktikum kann er sich durchaus vorstellen, laufen und arbeiten im Maintower zu verbinden.

Aber nicht nur treppauf ist Thomas Dold ein Phänomen, sondern auch im Rückwärtslaufen. Was viele Freizeitläufer nicht einmal vorwärts schaffen, das meistert der Steinacher rückwärts. Sechs Weltrekorde von 400 m bis 3000 m hat er inzwischen aufgestellt. So läuft er einen Kilometer beispielsweise in 3:36 Minuten, die 3000 m-Distanz in 11:25 Minuten. Im schweizerischen Rotkreuz wurde er im Vorjahr zweifacher Weltmeister.

Aber dennoch gilt seine Vorliebe dem landschaftsorientierten Laufen. Und hier schaffte er es sogar bis in die Nationalmannschaft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Seinen größten Erfolg feierte er als Neunzehnjähriger, als er in Innsbruck im Team WM-Dritter wurde. Trotz aller Medienresonanz für das Treppenlaufen oder Rückwärtslaufen zieht er in den Sommermonaten Bergläufe vor. „Ich mag es einfach, in der Natur zu laufen. Es ist ein geiles Gefühl, am Gipfel einen herrlichen Ausblick genießen zu können!“ Und er liebt es außerdem, seine Nationalmannschaftskollegen ab und an zu ärgern, so 2006 als Sieger des Brandenkopf-Berglaufes oder als bester deutscher Starter bei den Berglauf-Europameisterschaften im tschechischen Upice. Die Qual der Wahl stellt sich für Thomas Dold aber nicht, denn die Erfolge beim Treppenlaufen wird er im Berglaufbereich keineswegs erreichen. „Dazu bin ich läuferisch einfach zu langsam!“ Auf einer höchst interessant gemachten Homepage bietet er sich übrigens unter dem Titel „Rent a specialist“ als Trainer an, um Interessierten „mehr Pepp“ in den Trainingsalltag zu bringen. Denn in puncto physischer und psychischer Kraft hat Thomas Dold vor allem einiges zu bieten. Wilfried Raatz


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