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Sabrina Mockenhaupt: „Ich will so gut laufen wie vor zwei Jahren“

01.04.2011

Sabrina Mockenhaupt siegte 2009 beim Vattenfall BERLINER HALBMARATHON

Ihr Abschlusstraining am Dienstag sei sehr zufriedenstellend gelaufen, meinte Sabrina Mockenhaupt auf der heutigen Pressekonferenz. Angesprochen auf ihre Ziele am Sonntag, meinte sie, sehr schnell angehen zu wollen und ein Tempo einschlagen zu wollen, „das wohl auf Streckenrekord herausläuft", nur um gleich darauf mit einem "April, April" für Erheiterung unter den Medienvertretern zu sorgen. „Ich will mich nicht vorher festlegen, aber in Richtung persönliche Bestzeit kann es schon gehen", meinte die Läuferin.

Der Vattenfall BERLINER HALBMARATHON am Sonntag wird der Frühjahrs-Saisonhöhepunkt für die 30 Jahre alte Läuferin der LG Sieg sein. In einem Interview gab sie Auskunft über ihre Form, ihre neue Trainingsgruppe und ihre Perspektiven.

Aller guten Dinge sind drei: Sie starten zum dritten Mal in Folge beim Vattenfall BERLINER HALBMARATHON. Vor zwei Jahren haben Sie das Rennen gewonnen, 2010 waren Sie Dritte. Mit welchen Zielen gehen Sie an den Start?

Sabrina Mockenhaupt: Ich freue mich auf das Rennen und auch darauf, dass mit Andrea Mayr und Simret Restle zwei Läuferinnen dabei sind, die ich gut kenne und schätze. Mal sehen, welche Afrikanerinnen dann noch zum Elitefeld hinzukommen. Ich habe mir vorgenommen, so gut zu laufen wie vor zwei Jahren beim Vattenfall BERLINER HALBMARATHON. Das heißt, ich möchte auf jeden Fall auch eine gute Zeit erzielen. Wenn man in ein solches Rennen geht, hat man die persönliche Bestzeit eigentlich immer im Hinterkopf. Aber ich würde natürlich auch gerne zum zweiten Mal gewinnen.

Werden Sie am Sonntag Ihr eigenes Rennen laufen oder sich an den Konkurrentinnen orientieren?

Wie meine Taktik aussieht, werde ich erst kurz vor dem Rennen entscheiden. Das hängt auch davon ab, wie stark die Konkurrenz letztlich ist. Ich habe jetzt noch knapp vier Wochen Zeit (das Interview wurde Anfang März geführt, d. Red.) zur Vorbereitung und merke, dass ich nach und nach in Form komme. Ein Vorteil ist sicherlich, dass ich die Strecke in Berlin kenne.

Der frühere Marathonläufer Thomas Eickmann ist Ihr neuer Coach, zudem hilft Ihnen auch der neue Marathon-Bundestrainer, Ron Weigel. Wie kam es zu dem Wechsel?

Ursprünglich dachte ich, dass ich in meiner Karriere gar nicht mehr den Trainer wechseln würde, zumal ich auch mit Heinz Weber sehr erfolgreich war und ihm viel zu verdanken habe. Aber im vergangenen Jahr habe ich gemerkt, dass mein Körper neue Reize braucht. Hinzu kam, dass mein langjähriger Trainer Heinz Weber kürzer treten wollte. Oliver Mintzlaff, mein Manager, kannte Thomas Eickmann und so kam die Verbindung zustande. Ich wusste, dass Thomas einen sehr gut motivieren kann. Auch wenn ich als Läuferin sehr selbstständig bin, brauche ich jemanden, der einen im Zweifel klar leiten kann und auch motiviert. Als Ronald Weigel Marathon-Bundestrainer wurde und die Betreuung von Marathonläufer André Pollmächer übernahm, bot sich eine engere Zusammenarbeit an. Thomas informiert Ron natürlich und die beiden tauschen sich sehr gut aus.

Was hat sich noch verändert durch den Trainerwechsel?

Es geht darum, mein Potenzial für den Marathon auszuschöpfen. Da gibt es noch einige Reserven. Wir haben damit begonnen, die Belastungsfähigkeit zu erhöhen. Das ist ein längerer Prozess. Aber schon jetzt habe ich im Januar und Februar so viel trainiert wie nie zuvor in den ersten beiden Monaten eines Jahres. Ich bin zwischen 150 und 160 Kilometer pro Woche gelaufen, das sind rund 20 mehr als früher. Außerdem haben wir zum Beispiel Intervallläufe in das Training integriert, die ich früher fast nie gemacht habe. Ich glaube, dass Ron Weigel viel daran liegt, dass mehr gemeinsam in Gruppen trainiert wird. Bei uns in Deutschland war es doch in den vergangenen Jahren so, dass jeder sein eigenes Süppchen kochte und quasi versteckt trainierte. Das ist auch ein Grund, warum im Laufbereich zu wenig nachkommt. In guten Trainingsgruppen können sich die Jungen an den starken Läufern orientieren.

Ronald Weigel ist seit Jahren auch der Geher-Nationaltrainer. Sie sind dann im Januar mit den Gehern ins Höhentraining nach Südafrika gefahren. Wie war das?

Ich bin froh, dass ich das gemacht habe und denke, dass ich 2012 wieder mit den Gehern nach Südafrika fahren werde. Vielleicht ist auch im Sommer ein gemeinsames Trainingslager in St. Moritz möglich. Es war interessant zu sehen, wie viel die Geher trainieren – oft drei bis vier Stunden am Stück. Für uns Läufer ist natürlich der Schnelligkeitsaspekt wichtig, aber es gibt durchaus Gemeinsamkeiten und wir können uns da auch eine Scheibe abschneiden von den Gehern. Außerdem war André Pollmächer dabei. Wir waren ein gutes Team und haben uns ausgetauscht. Ich habe festgestellt, dass die sich – das ist jetzt nicht abwertend gemeint, wenn ich sage „im Osten" – über viele Aspekte viel mehr Gedanken machen als wir das kennen. Diese Herangehensweise finde ich sehr gut. Ein bisschen profitiere ich jetzt auch von der Bernd Dießner-Schule (der frühere Trainer von André Pollmächer und diverser international erfolgreicher Läufer, d. Red.). Zum Beispiel hat mir André gesagt, ich solle meinen Schritt verbessern. Es gibt einiges, was ich noch nicht kenne, obwohl ich ja jetzt schon eine ganze Weile laufe.

Der Vattenfall BERLINER HALBMARATHON wird Ihr Saisonhöhepunkt im Frühjahr. Warum laufen Sie keinen Marathon?

Ursprünglich wollte ich im April in London Marathon laufen. Aber das hat nicht geklappt. Ich denke, ich muss mir erst international einen Namen im Marathon machen, damit auch die Veranstalter eines solchen Toplaufes ein nachhaltiges Interesse an einem Start von mir haben. Aber so wie sich das dann in den letzten Monaten entwickelt hat – mit Trainerwechsel und Trainingsumstellung inklusive Umfangsteigerung – bin ich inzwischen ganz froh, dass ich im Frühjahr keinen Marathon laufe. Ein solches Rennen wäre zu früh gekommen.

Welche Ziele haben Sie nach dem Vattenfall BERLINER HALBMARATHON und im Sommer?

Ende Mai will ich zunächst beim Europa-Cup ein gutes 10.000-m-Rennen laufen. Danach starte ich bei der Team-EM und dann sehen wir weiter. Generell will ich mich mehr auf den Marathon konzentrieren und ein gutes Herbstrennen über die 42,195 km vorbereiten. Das Ziel ist dabei, auf einer schnellen Strecke eine Zeit von 2:24 Stunden zu erreichen. Das wäre eine gute Hausmarke und ich hätte die Olympiaqualifikation frühzeitig abgehakt.

Das heißt, sie wollen bei Olympia nicht über 10.000 m starten?

Ja, ich will in London 2012 Marathon laufen. Das ist mein Fokus. Und ich arbeite auch mit Blick auf Olympia daran, meine Trainingsumfänge Schritt für Schritt auf bis zu 200 Wochenkilometer zu erhöhen.

Im vergangenen Dezember sind Sie 30 Jahre alt geworden – hat das Erreichen dieses Alters auch damit zu tun, dass Sie Dinge verändert haben?

Mit 30 Jahren zähle ich mich jetzt zu den älteren Athleten, die auch eine Vorbildfunktion haben. Ich habe jetzt nicht mehr ewig Zeit und deswegen mache ich mir mehr Gedanken darüber, wie ich diese am besten nutze. Ich möchte einmal am Ende eines Jahres sagen können, dass alles richtig gut gelaufen ist. Deswegen werde ich mich stärker auf eine Sache konzentrieren. Und das ist der Marathon.

Haben Sie eine Vorstellung, wie lange Sie noch laufen wollen?

Nein, zurzeit nicht – und es gibt auch keine Panik, dass mir die Zeit davonlaufen könnte. Aber mit 40 kann ich mir das leistungssportlich nicht mehr vorstellen, jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Ich hoffe, dass ich gesund bleibe und weiter Spaß an meinem Sport habe.

Ist Berlin inzwischen Ihr Lieblings-Wettkampfort?

Ja, ich freue mich immer, wenn ich in Berlin starten kann. Ich kenne alles und weiß alles, wenn ich dorthin fahre, außerdem sind die Strecken schnell. Das sind wichtige Voraussetzungen, um eine Topleistung bringen zu können.

Interview: Jörg Wenig


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