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Streckenrekord beim Boston-Marathon – 2:03:02: Geoffrey Mutai mit 30 Stundenkilometern zum Rekord geweht. Ein Kommentar

19.04.2011

Geoffrey Mutai

Erste voreilige Meldungen von einem neuen sensationellen Weltrekord beim Boston-Marathon wurden anschließend relativiert mit dem Zusatz, die Strecke von Boston sei nicht rekordtauglich, da sie ein zu hohes Nettogefälle aufweise. Doch auch das ist nur die halbe Wahrheit. Der eigentliche Hauptgrund ist die Streckenführung in nur eine Richtung (Punkt-zu-Punkt-Strecke), die bei entsprechender Windrichtung mehr Hilfeleistung bietet als das Nettogefälle von 146 Metern.
Der Kenianer Geoffrey Mutai, zuletzt 2010 Marathon-Zweiter in Berlin und mit seiner bisherigen Bestzeit von 2:04:54 (Zweiter in Rotterdam 2010) schon einer der schnellsten Marathonläufer weltweit, ging mit einer Gruppe von acht weiteren Weltklasseläufern in die hügelige Anstiegspassage nach 25 km, die vom legendären Heartbreak Hill gekrönt wird, bevor es auf den letzten zehn Kilometern bis ins Ziel wieder bergab geht. Hier hatte der Wind wohl den entscheidendsten Anteil an der schnellen Zeit, da die an sich anstrengende Bergaufpassage durch den starken Rückenwind deutlich entschärft wurde.

Eigentlich war das, was am Montag beim Boston-Marathon passierte, längst überfällig. Wenn alles zusammen käme, prophezeiten Experten seit vielen Jahren, würde auf dieser Strecke der Weltrekord purzeln. Dass dies ausgerechnet jetzt passierte, wo der Weltrekord bei ziemlich harten 2:03:59 Stunden steht (und nicht schon 1985, als er bei 2:07:12 stand) zeigt, wie sehr alles zusammen kommen musste: ein starkes Feld, ideale Lauftemperaturen und vor allem ein ordentlicher Schiebewind. Aufgrund der Strecke als Punkt-zu-Punkt-Kurs profitieren die Läufer uneingeschränkt von der Windunterstützung. Schon 1994 gab es ähnliche Bedingungen. Damals lief Uta Pippig mit 2:21:45 Streckenrekord, ebenso Cosmas Ndeti mit 2:07:15 bei den Männern. Der Wind blies damals allerdings nicht so stark und so stetig.
Diesmal blies der Nordostwind das Feld mit Windstärken von durchschnittlich 20 Meilen in der Stunde (30 Stundenkilometern) vor sich her, in dem es reihenweise Bestzeiten hagelte. Nach amerikanischen Marathonexperten korreliert die Siegerzeit von 2:03:02 mit einer Zeit von 2:05:24 bei Windstille.

Thomas Steffens


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