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Fragen an die Sportmediziner nach dem Tod eines Läufers beim 33. Vattenfall BERLINER HALBMARATHON

11.04.2013

Der 33. Vattenfall BERLINER HALBMARATHON wurde im Nachhinein überschattet vom Tod eines Mannes, der kurz vor dem Ziel zusammengebrochen war. Rettungshelfer waren sofort zur Stelle und das Medical Team von SCC EVENTS führte Reanimierungsmaßnahmen durch. Leider verstarb der 24 Jahre alte Mann später im Krankenhaus.

Wir stellten den beiden ärztlichen Leitern des Medical Teams von SCC EVENTS, Prof. Lars Brechtel und Dr. Matthias Krüll, einige Fragen zu Ursachen und Risiken im Zusammenhang mit derartigen Vorfällen:

Können Sie Angaben zur Todesursache machen?

Prof. Lars Brechtel: Nein. Zum jetzigen Zeitpunkt, also wenige Tage nach dem Vorfall, lässt sich nicht sagen, welche Umstände zum Tod des jungen Mannes geführt haben. Jede Spekulation darüber wäre unseriös. Eine Obduktion könnte eventuell Klarheit bringen, doch sie muss von der Staatsanwaltschaft veranlaßt werden oder von den Angehörigen, wenn diese es wünschen.

Kann Überanstrengung eine Ursache sein?

Dr. Matthias Krüll:

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Ein Todesfall beim Sport basiert in der Regel auf einer akuten Verschlechterung einer vorbestehenden erworbenen oder angeborenen, individuell unterschiedlich ausgeprägten Vorerkrankung. Dies gilt vor allem für Todesfälle die durch Veränderungen des Herz-Kreislaufsystems, z.B. Herzerkrankungen, bedingt sind. Bei diesen Erkrankungen ist die individuelle Belastbarkeit zum Zeitpunkt der körperlichen Aktivität herabgesetzt, so dass bei Überschreiten der Belastbarkeitsgrenze ein erhöhtes Risiko besteht. Allerdings sollte hervorgehoben werden, dass Ausdauersport  bzw. körperliche Aktivität allgemein  einen hohen Beitrag zur gesundheitlichen Prävention sowie zur Erhöhung der alltäglichen Leistungsfähigkeit und Lebensqualität darstellt. Dies haben internationale Studien ausreichend bestätigt. Auch in der Rehabilitation der meisten Erkrankungen resultiert ein positiver Effekt hinsichtlich des Rehabilitationserfolges, wenn Belastungsvorgaben eingehalten werden. Insgesamt überwiegen somit deutlich die Vorteile von möglichst lebenslanger sportlicher und körperlicher Aktivität gegenüber dem Auftreten von lebensbedrohlichen Komplikationen.

Gibt es Menschen, die besonders gefährdet sind?

Prof. Lars Brechtel: Ein besonderes Risiko weisen Menschen auf, die vorbestehende Herzerkrankungen und die klassischen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Blutzuckerkrankung, starkes Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Zigarettenkonsum usw. aufweisen. Hat ein Sportler während der körperlichen Belastung jemals einen Schwindel gespürt oder eine Bewusstlosigkeit bzw. einen Kollaps erlitten, ist dies ein alarmierendes Zeichen. Auch Menschen mit familiären Vorbelastungen sowie genetisch bedingten Herzmuskelerkrankungen weisen ein erhöhtes Risiko auf. Unter familiären Vorbelastungen versteht man z.B. einen Herztod oder Herzinfarkt in der Familie, vor allem wenn diese Ereignisse vor dem 65. Lebensjahr auftraten.

Welche Anzeichen lassen erkennen, dass mit der Gesundheit etwas nicht stimmt?

Dr. Matthias Krüll: Als typische Anzeichen gelten Leistungsabfall, Gefühl von Herzrhythmusstörungen, Herzstolpern oder Herzrasen, Schmerzen in der Brust bei körperlicher Belastung, eventuell auch mit Ausstrahlung in die Schultern oder Arme, dabei links häufiger als rechts, oder in Unterkiefer oder Brustwirbelsäule, dazu Schwindel oder Bewusstlosigkeit bzw. Kollaps, vor allem bei körperlicher Belastung. Ebenfalls verdächtig ist auftretende Luftnot während gewohnter Belastungen, die bisher problemlos zu bewältigen waren.

Ließe sich durch eine sportmedizinische Untersuchung ein derartiger Vorfall verhindern?

Prof. Lars Brechtel: Eine regelmäßige sportmedizinische Untersuchung mit Durchführung eines Belastungs-EKG’s und gegebenenfalls auch einer Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens, Red.) kann eine Vielzahl von Erkrankungen, insbesondere  die koronare Herzerkrankung, diagnostizieren bzw. ausschließen. Hieraus kann dann eine Empfehlung für die richtige Sportart und die angemessene Belastungsdosierung gegeben werden. Sehr seltene, oftmals  angeborene oder genetisch bedingte Erkrankungen können jedoch mit den Standardverfahren nicht diagnostiziert werden. Auch wenn keine 100-prozentige Garantie für ein risikofreies Sporttreiben gegeben werden kann, wird jedoch das Risiko für schwere Zwischenfälle durch eine sportmedizinische Untersuchung deutlich minimiert.

Wenn etwas passiert wie vergangenen Sonntag, wird gerne gefragt, ob von Teilnehmern bei Laufveranstaltungen ein ärztliches Attest verlangt werden soll, wie das in Frankreich oder Italien der Fall ist.

Dr. Matthias Krüll: Eine Attestpflicht halten wir bzw. die Veranstalter in Deutschland und viele internationale sportmedizinische Fachgesellschaften nicht für sinnvoll, da bei den hohen Teilnehmerzahlen ein Kontrolle hinsichtlich Diagnosen und Qualität der durchgeführten Untersuchungen nicht möglich ist. Wer soll z.B. 40.000 Atteste lesen? Deshalb appellieren wir deutlich an die Eigenverantwortlichkeit der Teilnehmer, die ja auch bei der Anmeldung bestätigen, dass sie sportgesund sind.
Wichtig sind in diesem Zusammenhang aufklärende Maßnahmen, die wir als Veranstalter ernst nehmen. Hier ist insbesondere der PAPS-Test zu nennen, der dem Anmeldeprozess bei unseren Veranstaltungen vorgeschaltet ist. Er bietet die Möglichkeit, sich einen ersten Überblick über das eigene individuelle Risiko zu verschaffen. Seit Einführung des PAPS-Testes 2008 sind die Behandlungszahlen während der Läufe übrigens deutlich gesunken.
Eine weitere Möglichkeit stellt die Sportmedizinische Sprechstunde während der BERLIN VITAL-Messen bei unserem Halbmarathon und Marathon dar. Sie bietet eine Möglichkeit, sich bei gesundheitlichen Problemen durch erfahrene Sportmediziner hinsichtlich eines Startes untersuchen und beraten zulassen.

Was ist bei einem Infekt zu beachten hinsichtlich Lauftraining bzw. der Teilnahme an einem Wettkampf ?

Dr. Matthias Krüll:

Neben den kardiovaskulären Grunderkrankungen spielen vor allem akute, in selteneren Fällen auch mal chronisch verschleppte Infektionen eine entscheidenden Rolle, das Risiko für das Auftreten ernster Komplikationen und tödlicher Verläufe unter Belastung zu erhöhen. Vor allem in der kalten und nassen Jahreszeit ist die Gefahr, sich eine Erkältung, eine Entzündung des Rachens und der Gaumenmandeln, eine Nasennebenhöhlenentzündung, eine Bronchitis oder gar eine Lungenentzündung einzufangen besonders hoch. Meist treten im Verlauf dieser Infektionen kurzfristig auch die verschiedenen Krankheitserreger (Viren und Bakterien, Red.) in das Blut über und können sich so im gesamten Körper verteilen. Jede Form eines Infekts, und das gilt nicht nur für Infekte der Atemwege, sondern auch des Magen-Darm Traktes oder der harnableitenden Organe wie Nieren und Blase sowie Infektionen im Zahnbereich bzw. nach zahnärztlichen Eingriffen, ist somit für das Immunsystem eine besondere Herausforderung und kostet dieses und damit unseren gesamten Körper, einem Marathonlauf vergleichbar, viel Kraft. Die zusätzliche Belastung des Körpers durch eine Lauf- und Trainingseinheit in dieser Phase ist dann echter Stress und kann das Auftreten einer Reihe von schwerwiegenderen Komplikationen begünstigen. In der akuten Infektphase sollte daher unbedingt eine Trainingspause eingelegt werde, und zwar mindestens solange, bis alle Beschwerden und Symptome der Infektion wieder vollständig abgeklungen sind. Das sind manchmal nur drei-vier Tage, mitunter jedoch auch schon mal zwei-drei Wochen bei einer kräftigen Erkältung oder Bronchitis. Nach Abklingen der Symptome sollte frühestens eine, besser 2 Wochen nach Verschwinden der Symptome mit dem Training begonnen werden.

Wie sollte die Trainingsvorbereitung vor einem Halbmarathon idealerweise aussehen?

Prof. Lars Brechtel: Der Teilnehmer sollte sich mindestens drei bis vier Monate speziell auf einen Halbmarathonstart vorbereitet haben und dabei wenigstens 30 Kilometer in der Woche absolviert haben, verteilt auf zwei- bis dreimaliges Training – wie gesagt: als absolutes Minimum. Idealerweise sollte man über einen Zeitraum von drei bis vier Monaten drei bis fünfmal pro Woche gelaufen sein mit einem Gesamtpensum zwischen 30 und 60 km pro Woche und dabei innerhalb von drei Monaten mindestens  dreimal 15-20 km am Stück zurückgelegt haben.

Fragen und Redaktion: Thomas Steffens

 


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