42. BMW BERLIN-MARATHON am 27. September 2015

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Forschung ganz im Sinne der Prävention

Die Versorgung der Berliner Laufveranstaltungen gilt weltweit als das Maß der Dinge. Ziel des Medical Team ist, bereits im Vorfeld der Veranstaltungen dafür zu sorgen, dass es zu keinen Zwischenfällen kommt. Doch wie sieht er eigentlich aus, der typische Teilnehmer des BERLIN-MARATHON? Wie ist sein Gesundheitsstatus und wie trainiert er? Um möglichst gut auf die Probleme der Läufer eingehen zu können, führt das Medical Team mit der Humboldt-Universität zu Berlin regelmäßig wissenschaftliche Studien durch.

Wie gesund sind unsere Marathonläufer?

Eine Studie der Humboldt-Universität Berlin, Abteilung Sportmedizin

Logo Humboldt-Universität BerlinWie gesund sind unsere Marathonläufer? Um die medizinische Versorgung während der Laufveranstaltungen optimal gestalten zu können, wollten wir wie bereits auch im Jahr 2001 wissen, wie gesund unsere Läufer sind und wie gewissenhaft sie sich auf den real,- BERLIN-MARATHON 2005 vorbereitet haben. Hierzu erhielten alle Teilnehmer eine E-Mail mit der Bitte, sich zu beteiligen. Die Dauer des Ausfüllens betrug etwa 15 Minuten. Nachfolgend nun die Ergebnisse der ersten Auswertungsstufe:

An der Umfrage beteiligten sich 2550 Teilnehmer. Hiervon waren 94,3% Läufer, weshalb auch im Folgenden nur Ihre Daten dargestellt werden. Es beteiligten sich 76,8% Männer und 23,2% Frauen. Im Mittel waren die Befragten 40,8 Jahre alt. Somit entsprachen die Befragten ungefähr dem durchschnittlichen Marathon-Teilnehmer.

Körperlich aktiv waren die Läufer seit den letzten 12,5 Jahren, wobei im Schnitt das Lauftraining vor fünf Jahren aufgenommen wurde. Die spezielle Vorbereitung auf den diesjährigen real,- BERLIN-MARATHON 2005 betrug bei knapp der Hälfte zwischen drei und sechs Monaten, jeweils ein Viertel bereitete sich kürzer als drei Monate oder länger als sechs Monate vor. Wieviel trainiert der durchschnittliche Läufer? Es sind ca. fünf Stunden pro Woche, wobei etwa 45 km in vier Trainingseinheiten zurückgelegt werden. Aus sportmedizinischer Sicht könnte der Trainingsumfang durchaus etwas mehr betragen. Hinzu kommen ca. dreimal pro Woche Dehnungsübungen für insgesamt eine halbe Stunde. Geschlafen, das heißt regeneriert, wird wie beim Bevölkerungsdurchschnitt, das heißt im Mittel sieben Stunden je Tag.

Ein herzfrequenzgesteuertes Training führen 57,8 Prozent der Läufer durch, wobei dieses nicht vor einem Übertraining schützt. Hier stellt sich die Frage, ob nicht häufiger eine Leistungsdiagnostik mit Trainingsberatung sinnvoll wäre, da noch nicht einmal jeder zehnte Läufer eine entsprechende Laktat-Leistungsdiagnostik oder Spiroergometrie durchgeführt hatte. Aus sportmedizinischer Sicht ist deshalb eine sinnvolle Einordnung der Herzfrequenz unter Berücksichtigung von Stoffwechselwerten, wie z.B. Laktat, zu empfehlen.

Wie gesund sind nun unsere Laufteilnehmer?

Sie leiden seltener an Infekten der oberen Luftwege (im Mittel weniger als einmal je Jahr) und fehlen weniger am Arbeitsplatz als die Normalbevölkerung (ca. 2,7 Tage im Jahr). Die Infekte treten mit einer leichten Verzögerung von ca. drei bis vier Tagen oftmals nach Wettkämpfen oder nach intensiven Trainingsperioden auf. Erstaunlicherweise sind die Sportverletzungen mit weniger als zweimal pro Jahr seltener als angenommen.

Diesen positiven Ergebnissen stehen leider auch negative Erkenntnisse gegenüber: Nur ca. 23 Prozent führten regelmäßig eine Sporttauglichkeitsuntersuchung mit Belastungs-EKG durch, obwohl viele typische „Zivilisationskrankheiten" für sich selbst oder für einen nahen Verwandten angaben. Jeder achte Teilnehmer hatte einen Bluthochdruck, 16,8 Prozent erhöhte Blutfettwerte, 4,6 Prozent Herzrhythmusstörungen und 6,7 Prozent eine asthmatische Erkrankung. 18,7 Prozent waren übergewichtig, jeder 100. Läufer adipös. Unter den Teilnehmern sind fast unverändert gegenüber der Befragung aus dem Jahr 2001 sehr viele Ex-Raucher: 38,5 Prozent. Aktuell rauchen 10,5 Prozent, davon gibt jeder 20. Teilnehmer einen täglichen Zigarettenkonsum zu.

Jeder 100. Befragte gab eine Durchblutungsstörung des Herzens an. Auch in der Familie traten Herzerkrankungen häufig auf: 15,6 Prozent der Läufer gaben für einen nahen Verwandten einen Herzinfarkt vor dem 60. Lebensjahr bzw. 8,8 Prozent einen plötzlichen Herztod eines engen Verwandten an.

Fazit:

Viel zu wenig Läufer lassen Sporttauglichkeitsuntersuchungen durchführen, obwohl eigene Erkrankungen oder die genetische Belastung das Risiko erhöhen, auch während des Trainings oder Wettkampfes gesundheitlich Schaden zu nehmen. Trotz der unbestrittenen positiven Effekte des Lauftrainings, welche auch hier z.B. für die Häufigkeit von Infekten der oberen Luftwege nachgewiesen wurden, sollte die eigene Sicherheit also nicht ignoriert werden. Zu einer gewissenhaften Vorbereitung gehört nicht nur ein Trainingsplan, sondern auch die Gewissheit einer aktuellen Sporttauglichkeit.

Zu guter Letzt möchten wir uns noch einmal recht herzlich bei allen Teilnehmern der Umfrage bedanken. Weitere Ergebnisse werden wir in wissenschaftlichen Zeitschriften, aber natürlich auch in den Publikationen von SCC-RUNNING vorstellen.

Dr. Lars Brechtel
SCC EVENTS, Medical-Team

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