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Save the Date 29. September 2019

Newsarchiv

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Der Beitrag des Sports für eine lebenswerte Gesellschaft

In gesellschaftlich schwierigen Zeiten ist es dringender denn je sich einer

Idee von seiner Gesellschaft zu vergewissern, in der man heute und in Zukunft

leben möchte.

Das Leitbild, an dem sich unsere Gesellschaft orientieren sollte,

müsste meines Erachtens von der Idee des Fairplay geprägt sein.

Gesucht ist eine Gesellschaft, in der die Mitglieder dieser Gesellschaft fair

mit einander umgehen. Die individuelle Leistung müsste in dieser

Gesellschaft gefördert und geschätzt werden, das Leistungsprinzip

sollte dabei das herausragende Selektionskriterium für das Erreichen von

bedeutsamen Positionen in dieser Gesellschaft sein. Gesellschaftlich relevante

Positionen müssten nur über erbrachte und intersubjektiv anerkannte

Leistungen besetzt werden und die Dotierung der erbrachten Leistung hat sich am

Prinzip der Gerechtigkeit zu messen. Die Kluft zwischen arm und reich sollte in

dieser Gesellschaft möglichst klein gehalten sein. Solidarität muss

deshalb eine anerkannte Tugend in einer derart lebenswerten Gesellschaft sein.

Die Menschen, die in dieser Gesellschaft leben, begegnen sich in aller

Offenheit.

Offenheit gegenüber Fremden, Offenheit gegenüber dem Andersartigen

macht eine Gesellschaft erst richtig lebenswert. Frauen und Männer

müssen sich nicht nur in Sonntagsreden, sondern im alltäglichen Leben

gleichberechtigt gegenüber treten können, Behinderte werden in dieser

Gesellschaft nicht diskriminiert und ausgegrenzt, das Zusammenleben von

Nichtbehinderten und Behinderten wird als eine Selbstverständlichkeit

aufgefasst, Krankheit wird nicht individualisiert, vielmehr wird akzeptiert,

dass Krankheit Lebenssinn stiften kann, ja das Krankheit notwendig ist, will

man das Lebenswerte für sich selbst erkennen. Bildung, Ausbildung und

Weiterbildung müssten für jeden Mann und für jede Frau

zugänglich sein. Die Bürger in dieser lebenswerten Gesellschaft

wollen deshalb friedlich zusammenleben, sie sind friedliebend und

friedensengagiert. Wissenschaft, Kultur, Kunst, Literatur und Musik erbringen

auf ihre je verschiedene Weise unverzichtbare lebensbejahende Beiträge

für die Bürgerinnen und Bürger in dieser Gesellschaft.

Dies alles sollte in dieser Gesellschaft möglichst auf der Grundlage

einer intakten Ökonomie erfolgen, so dass alt und jung gleichermaßen

zuversichtlich in die Zukunft blicken können.

Der Sport als wohl der bedeutsamste Inhalt der Alltagskultur in

Massengesellschaften kann für diese Wunschvorstellung von einer

lebenswerten Gesellschaft durchaus wichtige Beiträge erbringen. Durch den

Sport können sich Menschen aktiv oder passiv im positiven Sinne

unterhalten. Der Sport vermittelt Menschen Spaß und Freude

(sozial-emotionale Funktion). Mittels Bewegung, Spiel und Sport können die

Menschen leiblich gebildet und sozialisiert werden. Nicht nur im Schulwesen,

sondern in den Vereinen und sonstigen Institutionen des Sports kann der Sport

einen wichtigen Erziehungsbeitrag leisten (Sozialisations- bzw.

Erziehungsfunktion). Der Sport kann dazu beitragen, dass die Menschen sich

aktiv auf ein selbstverantwortliches gesundes Leben ausrichten. Das aktive

Sporttreiben trägt zum Wohlbefinden bei und ist nicht zuletzt unter

präventiven Gesichtspunkten unverzichtbar (biologische Funktion bzw.

Gesundheitsfunktion). Der Sport kann aber auch bei der Lösung von sozialen

Pro-blemen eine Hilfe sein. Probleme wie Kriminalität, Drogenkonsum oder

Arbeitslosigkeit können mittels Sport gemindert, manche können sogar

gelöst werden (sozialpolitische Funktion). Der Sport ist aber auch ein

wichtiger Teil der Volkswirtschaft geworden. Er schafft Arbeitsplätze, ist

eine wichtige Dienstleistung in einer Gesellschaft, die immer mehr zu einer

Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft wird (ökonomische Funktion).

Sportliche Leistungen ermöglichen Identifikation, sie rufen Begeisterung

hervor, unterhalten Menschen in angenehmer Weise und nicht selten haben

Athleten eine Stellvertreterfunktion, sie repräsentieren ihr Land im

positiven Sinne (repräsentative Funktion bzw. Unterhaltungsfunktion).

Schließlich kann im Sport auch dann, wenn immer häufiger im Sport

selbst dagegen verstoßen wird, das Prinzip des Fairplay gelernt werden.

Die Achtung der Fairplay-Maxime kann den Sport zu einer wichtigen symbolischen

Instanz erheben, auf die unsere Gesellschaft dringend angewiesen wird

(ethisch-moralische Funktion). Die Integrationskraft des Sports lässt sich

nicht nur in den Gemeinden und Städten beobachten. Menschen, die am Rand

unserer Gesellschaft leben, können über das Medium des Sports den Weg

in die Mitte finden. Ausländer können beim gemeinsamen Sporttreiben

zu Partnern werden. Aber auch die in modernen Gesellschaften geforderte

Mobilität ihrer Bürger kann mit dem Gemeinschaftserlebnis des Sports

in ihren negativen Auswirkungen gemindert werden (sozial-integrative

Funktion).

Betrachten wir die Merkmale einer lebenswerten Gesellschaft und werfen einen

Blick auf die Funktionen, die in der Vergangenheit und heute dem Sport

zugeschrieben werden, so wird sehr schnell erkennbar, dass der Sport durchaus

einen wichtigen Beitrag für eine lebenswerte Gesellschaft erbringen kann,

wenn er jene Funktionen erfüllt, die er sich selbst zugeschrieben hat oder

die andere an ihn heran tragen. Nicht jede dieser Funktionen muss sich dabei

der empirischen Kontrolle durch die Wissenschaft stellen, insbesondere dann,

wenn die Wissenschaft selbst den Nachweis der Funktion nicht erbringen kann.

Doch der Sport selbst muss sich zumindest mit der Frage auseinander setzen, ob

er diesen Ansprüchen genügt, ob seine Realität mit den positiven

Vorstellungen in Einklang zu bringen ist, die das Kulturgut des Sports als

etwas Besonderes ausweisen könnte. Nicht zuletzt die politischen

Repräsentanten des Sports müssen sich fragen, ob sie der

Verantwortung genügen, die aus diesen kulturellen Möglichkeiten des

Sports erwächst. Das gelebte Vorbild scheint dabei auch heute der

geeignetste Weg zu sein, um dieser Verantwortung zu entsprechen.

Artikel von Prof. Dr.

Helmut Digel, er ist Direktor des Instituts für Sportwissenschaft der

Eberhard-Karls-Universtiät Tübingen, Ehrenpräsident des DLV und

Vizepräsident der IAAF

 

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