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Save the Date 29. September 2019

Newsarchiv

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10 000 m-Challenge ohne Glanz

Für nur wenige der europäischen Spitzenläufer gehört

diesmal die längst etablierte European 10 000 m-Challenge in Maribor zum

“Muss“ auf dem Weg nach Olympia. Ganz im Gegensatz zum Event der

vergangenen Jahre fehlte heuer im Tabor Sport Park in der

zweitgrößten Stadt Sloweniens der Stellenwert, den die stets in der

frühen Saison platzierte 10 000 m-Challenge als Qualifikationslauf

für Welt- oder Europameisterschaften seit ihrer Installation vor nunmehr

acht Jahren besaß. Der Glanz der vergangenen Jahre mit Starts der

europäischen Topathleten wie Paula Radcliffe, Dieter Baumann oder

José Rios wirkt zweifellos nach, aber der Europäische

Leichtathletik-Verband hat mit der Vergabe dieser inoffiziellen

Europameisterschaft außerhalb der iberischen Halbinsel nicht unbedingt

das Glück des Tüchtigen, denn nach Camaiore (2002) und Athen (2003)

ist mit dem vornehmlich im alpinen Skisport bekannten Maribor der

vorläufige sportliche Tiefpunkt erreicht. Alleine Mihaela Botezan,

Fernanda Ribeiro und José Manuel Martinez aus der ersten Garde des alten

Kontinents unterstrichen durch ihre Präsenz die Sonderstellung, wenngleich

die Siegerzeiten mit 32:01,0 der kenianischen Französin Margaret Maury und

28:11,1 des 10 000 m-Europameisters Martinez nahezu alle Wünsche offen

ließen.

Ähnlich wie im italienischen Camaiore vor zwei Jahren, als Dieter

Baumann und José Rios ein furioses Finale hinlegten, trennten zwar auch

in Maribor mit José Manuel Martinez und dessen spanischen Landsmann

Carlos Castillejo zwei Läufer nur einen Schritt, nur waren die

Endresultate seinerzeit in der Toskana fast eine halbe Minute schneller. Mit

28:11,1 und 28:11,3 Minuten gab es zudem die schwächsten Resultate der

letzten Jahre überhaupt. Auch Kamiel Maase, Dritter der Challenge 2001 in

Barakaldo, lag mit 28:20,3 deutlich über seiner Bestmarke – und

damit auch den Olympiaanforderungen über der 25-Runden-Distanz. Für

den 10 000 m-Europameister José Manuel Martinez wird nach seinem nicht

sonderlich erfolgreichen Abstecher auf die Marathondistanz in Tokio mit 2:13:14

die Zeit gewiss etwas knapp, währenddessen José Rios inzwischen

auch nach seinem Marathonsieg im japanischen Otsu mit 2:07:42 eine weitere

Option hat. Auch Vorjahressieger Ismail Sghyr zog einen Marathonstart in Paris

der 10 000 m-Challenge vor. Aber auch die komplette portugiesische Elite fehlte

diesmal, die zusammen mit den spanischen Langstrecklern gerade diesen Wettkampf

mit starken Leistungen nachhaltig befruchteten.

Zwar waren mit Mihaela Botezan die Challenge-Siegerin von Camaiore und der

inzwischen allerdings in die Jahre gekommene frühere Olympiasiegerin

Fernanda Ribeiro als “Titelverteidigerin“ zwei prominente

Läuferinnen am Start in Maribor, doch sie konnten weder den nötigen

Druck für eine Endzeit unter 32:00 Minuten erzeugen noch Margaret Maury

bei ihrer letztlich souveränen Vorstellung gefährden. Die seit zwei

Jahren durch ihre Heirat für Frankreich startberechtigte Margaret Kerubo

setzte sich deutlich in sogar Hausrekord von 32:01,0 Minuten gegen Mihaela

Botezan (32:15,4) und Fernanda Ribeiro (32:23,1) durch, dagegen hatte die im

Vorjahr noch so stark auftrumpfende Cross-Europameisterin Helena Javornik bei

ihrem Heimspiel mit 32:31,4 keine Chance.

Deutsche Läufer fehlten diesmal gänzlich, obgleich gerade in der

Vergangenheit insbesondere Dieter Baumann oder Irina Mikitenko mit einem Start

bei der Challenge den rechten Einstieg in die Saison schaffen konnten und

gerade die Bedeutung dieses Frühjahrskriteriums hervorzuheben wussten.

Gerade für die sogenannte zweite Reihe hätte sich hier eine ideale

Wettkampfgelegenheit angeboten. Stattdessen gehen die zugegeben wenigen

deutschen Läufer mit Perspektiven wie auch schon zwei Wochen zuvor bei der

Cross-Weltmeisterschaft in Brüssel einer internationalen

Standortbestimmung aus dem Wege und trainieren “im stillen

Kämmerlein“ auf ein oftmals nicht näher definiertes

(realistisches) Ziel hin. Verständlich hingegen, dass Sabrina Mockenhaupt

nach zwei Negativerlebnissen bei Challenge-Auflagen diesmal ein

Höhentrainingslager in Flagstaff dem Start vorzog. Sie wird zusammen mit

Irina Mikitenko, mit der sie übrigens derzeit im US-Laufeldorado

trainiert, die Olympianorm über die 25-Runden-Distanz bei den deutschen

Meisterschaften in Borna am 20. Mai in Angriff nehmen.

Wilfried Raatz

 

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