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Save the Date 29. September 2019

Newsarchiv

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107. Boston-Marathon

Swetlana Sacharowa musste erst überredet werden, bevor sie einwilligte, in

Boston an den Start zu gehen. Die 32-jährige Russin hatte schlechte

Erinnerungen an den Boston-Marathon. 1997 war sie in der amerikanischen

Ostküstenmetropole bei dem Klassiker über 42,195 km fürchterlich

eingegangen – mit einer Zeit von 2:39:59 Stunden und Platz 15 hatte sie

sich über die Hügel gequält. “Es war eine

Überwindung, wieder hierher zurück zu kommen, um Marathon zu

laufen“, erklärte Swetlana Sacharowa. Die

Überredungskünste ihres Managers und ihres Mannes haben sich jedoch

gelohnt. In Boston feierte die Russin nun den größten Sieg ihrer

Karriere. Mit 2:25:20 Stunden gewann sie das Rennen und verdiente sich

dafür, ebenso wie der Sieger Robert Cheruiyot, eine Prämie von 80.000

Dollar. Auch für den Kenianer, der 2:10:11 Stunden lief, war es der

größte Erfolg seiner Laufbahn. Einmal mehr war der Boston-Marathon

nicht das ganz schnelle Rennen. Auf der zwar abfallenden, aber schwierigen

Strecke ging es bei warmem Wetter wieder einmal um das Prestige: einen Sieg bei

dem Klassiker.

Der Boston-Marathon war übrigens der zweitgrößte in der

Geschichte der 107 Rennen. Trotz der anspruchsvollen Qualifikationszeiten, die

es für alle Altersklassen gibt und die das Starterfeld automatisch stark

limitieren, wurden 20.223 Läufer registriert. Nur einmal waren es mehr:

1996, beim 100. Boston-Marathon, starteten 38.706 Athleten, von denen 35.868

das Ziel erreichten. Mehr Läufer wurden bis heute nirgendwo bei einem

Marathon im Ziel registriert.

Traditionell wird in Boston am dritten Montag im April gelaufen – und

der Startschuss fällt um 12 Uhr mittags. Das kann, wie dieses Mal, sehr

warm werden. Bereits vor dem Start wurden 21° Celsius gemessen. Die

Temperatur blieb relativ stabil, ein leichter Wind sorgte ebenfalls für

nicht allzu gute Bedingungen. Tempomacher gibt es in Boston, auch das ist eine

Tradition, nicht. Dennoch sorgte einer für Tempo: Vincent Kipsos, Dritter

beim Berlin-Marathon 2002 in 2:06:52 Stunden und damit der Läufer mit der

schnellsten Zeit im Feld, übernahm die Führung und setzte sich ab.

Teilweise betrug der Vorsprung des Kenianers rund 50 Meter. Und das, obwohl

auch Kipsos nicht extrem schnell unterwegs war. Kilometer 10 erreichte er in

30:26 Minuten, was auf eine Endzeit von etwa 2:08:20 Stunden hinausgelaufen

wäre. “Ich wollte eine gute Zeit laufen“, erklärte Kipsos

später, nachdem er das Rennen vorzeitig beendet hatte.

Bis zur Hälfte der Strecke (65:06 Minuten) führte Vincent Kipsos,

dann schluckte ihn die große kenianische Läufergruppe. Das Tempo war

weiterhin mäßig. Nach 1:17:25 Stunden waren 25 km gelaufen. Im

hügeligen Teil des Kurses kam dann Bewegung in die Spitzengruppe, zu der

zunächst auch der Sieger und die Nummer zwei des Vorjahres, Rodgers Rop

und Christopher Cheboiboch gehörten. Die Kenianer waren unter sich, doch

als eine Vorentscheidung fiel, waren Rop und Cheboiboch geschlagen. Zwischen

Kilometer 30 und 35 drückte Robert Cheruiyot auf das Tempo. “Ich

habe mir schon bei Kilometer 25 gedacht, dass ich dieses Rennen gewinne,

deswegen habe ich auch das Tempo erhöht“, erklärte Cheruiyot,

der seinen zweiten Marathon lief und seine Bestzeit im vergangenen Jahr in

Mailand aufgestellt hatte (2:08:59). Zunächst konnte Timothy Cherigat noch

mithalten, doch bei Kilometer 35 (1:48:15) hatte Cheruiyot einen Vorsprung von

neun Sekunden auf Cherigat und den späteren zweiten Benjamin Kimutai.

Immer wieder schaute sich Cheruiyot auf den letzten Kilometern um, doch er

zeigte keine Schwäche, und so konnte der ihn nun alleine verfolgende

Kimutai den Abstand nicht mehr verkürzen. Im Gegenteil, der Vorsprung

vergrößerte sich noch etwas. “Das ist ein Marathon mit dem man

sich einen Namen macht in der Welt, wenn man ihn gewinnt“, sagte

Cheruiyot später. Drei Kilometer vor dem Ziel hatte sich Kimutai

geschlagen gegeben. “Da wusste ich, dass ich ihn nicht mehr einholen

kann. Ich erwartete einen harten Lauf in Boston und war gut darauf vorbereitet.

Aber erst in der zweiten Hälfte startete das eigentliche Rennen“,

sagte Kimutai, der schließlich in 2:10:34 das Ziel vor Martin Lel

(Kenia/2:11:11) erreichte. Acht der besten zehn Läufer kamen an diesem Tag

aus Kenia. Und zum zwölften Mal in den letzten 13 Jahren stellte Kenia den

Sieger des Boston-Marathons.

Bei den Frauen riss dagegen die kleine kenianische Siegesserie. Zweimal

Catherine Ndereba und Margaret Okayo hatten zuletzt den Boston-Marathon

gewonnen. Doch dieses Mal gab es zum erstmals einen russischen Doppelsieg.

Swetlana Sacharowa war in 2:25:20 Stunden vor Ljubow Denisowa im Ziel

(2:26:51). Auf Rang drei folgte die New-York-Marathon-Siegerin 2002, Joyce

Chepchumba (Kenia/2:27:20), und nur Vierte wurde die Vorjahressiegerin.

“Ich bin anfangs etwas zu schnell gelaufen“, erklärte Margaret

Okayo, die vom Start weg alleine davongezogen war und 10 km nach 34:02 Minuten

erreicht hatte (Tempo für eine Endzeit zwischen 2:23 und 2:24 Stunden).

Doch der Sololauf bekam der Streckenrekordhalterin (2:20:43 Stunden/2002)

nicht. “Nach 25 km wurde ich langsamer“, erklärte die

26-Jährige. Schon bei Kilometer 13 hatte sie Ljubow Denisowa zusammen mit

Marla Runyan eingeholt, Sacharowa erreichte die Spitze bald darauf und

forcierte später das Tempo.

Nach einer Halbzeit in 1:12:39 Stunden, fiel die Entscheidung nach

mehrfachen Führungswechseln zwischen Sacharowa, Denisowa und Okayo am

Heartbreak Hill bei Kilometer 32. Nun konnte Swetlana Sacharowa keine mehr

folgen, und der Vorsprung der russischen Rekordhalterin wuchs. Die

32-Jährige hatte sich in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert.

2:24:04 war sie als Zweite in London 2001 gelaufen, ein Jahr später war

sie in London wiederum Zweite in 2:22:31, und in Chicago verbesserte sie sich

im vergangenen Oktober als Vierte auf 2:21:31. “Ich bin eine andere

Taktik als sonst gelaufen und habe schon nach gut 10 km an der Spitze auf das

Tempo gedrückt. Russische Läuferinnen trainieren sehr hart –

das hat sich hier ausgezahlt“, sagte die Siegerin, die sich nun auf den

WM-Marathon in Paris vorbereiten wird.

Ergebnisse:

Männer: 1. Cheruiyot (KEN) 2:10:11, 2. Kimutai (KEN) 2:10:34, 3. Lel

(KEN) 2:11:11, 4. Cherigat (KEN) 2:11:28, 5. Cheboiboch (KEN) 2:12:45, 6.

Ryzhow (RUS/Master) 2:15:29, 7. Rop (KEN) 2:16:14, 8. Kiptum (KEN) 2:16:16, 9.

Rono (KEN) 2:17:00, 10. Hellebuyck (USA/Master) 2:17:18.

Frauen: 1. Sacharowa (RUS) 2:25:20, 2. Denisowa (RUS) 2:26:51, 3. Chepchumba

(KEN) 2:27:20, 4. Okayo (KEN) 2:27:39, 5. Runyan (USA) 2:30:28, 6. Iwanowa

(RUS) 2:30:57, 7. Sultanowa-Zhdanowa (RUS/Master) 2:31:30, 8. Glusac (USA)

2:37:32, 9. Gaitenby (USA) 2:38:19, 10. Kiplagat (KEN) 2:38:43.

 

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