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Save the Date 29. September 2019
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Newsarchiv

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Die deutsche Leichtathletik hofft bei den Europameisterschaften auf den Geist von München

Dieser Geist wäre willkommen, denn die deutsche Leichtathletik könnte

ihn gut gebrauchen. Vor 30 Jahren fanden in München die Olympischen Spiele

statt. Es war das bedeutendste Sportereignis in Deutschland in der

Nachkriegszeit. Und es war ein großer Erfolg, trotz des

fürchterlichen Terroraktes der blutig endete, nachdem ein

Palästinenser-Kommando israelische Sportler als Geiseln genommen hatte.

„Irgendwie trennt man das. Die Sache mit dem Terroranschlag behält

man in einer anderen Ecke in Erinnerung“, erzählt Heide

Ecker-Rosendahl, die damals im bundesdeutschen Trikot Gold im Weitsprung und

mit der 4x100-m-Staffel gewann sowie Silber im Fünfkampf. „Meine

Erinnerungen sind alle positiv, wir waren erfolgreich, und es gab tolle

Wettkämpfe.“ Bevor am Dienstag im Münchener Olympiastadion die

Leichtathletik-Europameisterschaften beginnen, ist nicht so sehr von den

erfolgreichen, jüngeren Veranstaltungen in Deutschland die Rede. Die

Weltmeisterschaften 1993 und die Europameisterschaften 1986, jeweils in

Stuttgart, galten als herausragend. Doch erinnert wird in diesen Tagen an den

Geist von München.

„Olympische Spiele, das ist natürlich noch eine andere

Dimension“, erklärt Heide Ecker-Rosendahl. „Und hinzu kommt

noch, dass es für uns Leichtathleten vor 30 Jahren an echten

Höhepunkten nur die Olympischen Spiele und die Europameisterschaften gab

– es gab weder Weltmeisterschaften noch eine Golden League.“

Für Heide Ecker-Rosendahl, die bis vor rund eineinhalb Jahren

Vizepräsidentin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) war und sich

jetzt für die Olympiabewerbung 2012 des Verbundes

Düsseldorf/Rhein-Ruhr engagiert, ist der Erfolg von München 1972

für die deutsche Leichtathletik ein langfristiger gewesen. „Ich

glaube, wir haben bis heute davon profitiert. Viele gute Athleten wurden lange

Zeit noch von den Spielen von München beeinflusst.“

Vor allen Dingen „als großen Bruder- und Schwesternkampf“

hat Armin Baumert die Olympia 1972 in Erinnerung. Der frühere

Weitspringer, der seine Karriere verletzungsbedingt im Winter 1972 beendet

hatte, erlebte die Spiele von der Tribüne. „Die eigentlich

unschlagbare DDR in der Sprintstaffel zu besiegen, das war wertvoller als die

Einzelmedaillen“, erinnert sich Armin Baumert an das 4x100-m-Rennen, als

Heide Rosendahl als Schlussläuferin vor Renate Stecher ins Ziel sprintete.

Baumert, heute als Leistungssportchef beim Deutschen Sportbund (DSB)

tätig, arbeitete damals als Lehrer an einem Gymnasium in Mayen

(Rheinland-Pfalz). „Mayen war eine fußballverrückte Stadt,

aber die Leichtathletik-Erfolge von München haben ausgestrahlt. Mit der

Leichtathletik hatte ich als Sportlehrer damals auch dort Rückenwind. Die

Siege von München haben im nationalen Konkurrenzkampf mit anderen

Sportarten geholfen“, erzählt Armin Baumert. „Der Aufschwung

hielt bis zu den Spielen 1976 in Montreal, dann kehrte wieder Realismus

zurück.“

War München 1972 auch ein Brüder- und Schwesternkampf, so wird

München 2002 als Überlebenskampf für die deutsche Leichtathletik

beschrieben. Das ist sicher etwas übertrieben. Aber richtungsweisend

werden diese zweiten Europameisterschaften auf deutschem Boden für die

olympische Kernsportart sein. In Zeiten, da große Meetings verschwinden,

eine Fernsehpräsenz immer schwieriger wird, Sponsoren verloren gehen und

es neuer Persönlichkeiten in der Leichtathletik bedarf, kann München

wie vor 30 Jahren wieder ein Signal geben.

„München ist eine entscheidende Chance für die deutsche

Leichtathletik bezüglich des Medieninteresses und der Begeisterung

für den Nachwuchs“, sagt Heide Ecker-Rosendahl, deren Sohn Danny

verletzungsbedingt auf seinen Start im Stabhochsprung verzichten muss.

„Ich denke, es werden stimmungsvolle Europameisterschaften, die

sicherlich auch eine Euphorie auslösen werden. Es kann einen Aufwind

für die Leichtathletik geben, denn es ist ja auch eine einfach zu

betreibende Sportart. Entscheidend ist, was der Verband aus der EM machen kann.

Ich hoffe, die Vereine sind darauf vorbereitet.“ „Die EM ist

für die deutsche Leichtathletik die große Chance, in einem Heimspiel

Stärke zu zeigen“, sagt Armin Baumert und fügt hinzu:

„München müsste das ideale Pflaster sein.“ Für die

Kernsportarten Leichtathletik, Schwimmen und Turnen sei Rückenwind

dringend nötig, um gegen die erdrückende Macht des Fußballs

antreten zu können. Die Schwimmer hatten in Berlin bei der EM den Aufwind,

den die Leichtathleten nun aus München mitnehmen sollen. „Es darf

nicht passieren“, so Armin Baumert, „dass man in Deutschland

beginnt, die Leichtathletik als eine Randsportart zu bezeichnen.“ Der

DSB-Leistungssportchef, der lange Jahre als Leichtathletiktrainer gearbeitet

hat, hofft deswegen vor allen Dingen auf eines: „Wir brauchen Idole. Und

die Möglichkeit ist da, denn es gibt vier bis fünf

Goldchancen.“

 

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