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Save the Date 29. September 2019

Newsarchiv

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Paula Radcliffe drückt Weltrekord auf 2:17:18

Chicago hat London noch übertrumpft. Nachdem das Rennen in der britischen

Metropole im April das bislang hochkarätigste aller Zeiten war, legte der

Chicago-Marathon nach. Dabei sorgte Paula Radcliffe für den Höhepunkt

des Laufes: Die Engländerin siegte in der neuen Weltbestzeit von 2:17:18

Stunden und verbesserte die vor einem Jahr in Chicago aufgestellte Marke von

Catherine Ndereba (Kenia/2:18:47) damit gleich um 89 Sekunden. Ndereba wurde im

direkten Duell mit Radcliffe in 2:19:26 Zweite. Zum ersten Mal blieben zwei

Frauen in einem Rennen unter 2:20 Stunden. Bei den Männern siegte Khalid

Khannouchi (USA) mit 2:05:56 Stunden. Er blieb schon zum dritten Mal in seiner

Karriere unter 2:06 Stunden und verpasste seinen im Frühjahr in London

aufgestellten Weltrekord lediglich um 18 Sekunden.

Damit hat der Chicago-Marathon 2002 die selben Sieger wie der

London-Marathon 2002. Zählt man Männer- und Frauensiegzeit zusammen,

ergibt dies in Chicago einen neuen "Weltrekord": 4:23:14 Stunden.

Zuletzt war hier London das Maß der Dinge mit 4:24:34. Berlin liegt mit

4:27:27 Stunden an dritter Stelle (1999). Das einzige, was den Chicagoer

Rekordlauf zu stoppen drohte, war das Wetter. Vorhergesagt war starker Wind,

doch die Läufer hatten Glück. Bei Sonnenschein und anfänglichen

Temperaturen von lediglich 3° Celsius kam vor mehreren hunderttausend

Zuschauern erst auf den letzten Kilometern etwas Wind auf. Auch in punkto Masse

gab es beim 25. Chicago-Marathon einen Rekord: 37.500 Athleten aus 66 Nationen

hatten gemeldet, etwa 28.000 wurden im Ziel erwartet. Zumindest bezüglich

der Masse bleibt London damit die Nummer eins. Hier erreichten im April knapp

über 30.000 Läufer das Ziel.

Paula Radcliffe krönte in Chicago ein großartiges Jahr.

Angefangen hatte es mit ihrem Sieg bei der Cross-WM im März. Im April

folgte ihr Triumph beim Marathon-Debüt in London, wo sie mit 2:18:56

Stunden auf Anhieb die zweitschnellste bis dahin gelaufene Zeit erzielt hatte.

Auch auf der Bahn gewann Paula Radcliffe, die in früheren Jahren so oft

große Finals als große Verliererin beendet hatte, ihre ersten

Titel: Bei den Commonwealth Games in Manchester siegte sie über 5000 m,

bei den Europameisterschafen in München über 10.000 m in

Europarekordzeit. Nun folgte als krönender Abschluss die

Marathon-Weltbestzeit. Erst gut ein Jahr ist es her, da rannte Naoko Takahashi

(Japan) in Berlin als erste Frau unter 2:20 Stunden (2:19:46). Nach dem

Durchbruch dieser Barriere gibt es nun schon fünf Zeiten unter 2:20. Je

zwei davon erzielten Radcliffe und Ndereba. Es hat sich bestätigt, dass

nach einem Durchbruch einer Barriere schnell weitere Verbesserungen

möglich sind. Im Marathon hatte die internationale Frauenspitze lange Zeit

Nachholbedarf. Nun darf man gespannt sein, wie lange Paula Radcliffes

glänzende Vorgabe hält.

Angesichts der Vorleistungen von Paula Radcliffe konnte die Weltbestzeit

nicht wirklich überraschen. Sowohl ihr Ehemann und Manager als auch ihr

Physiotherapeut Gerard Hartmann hatten eine Zeit von 2:17:30 Stunden als

mögliches Ergebnis vorhergesagt. Und in den britischen Medien wurden in

den letzten Tagen vor dem Rennen immer wieder verschiedenste Insider zitiert,

die Zeiten zwischen 2:15 und 2:18 Stunden für möglich hielten. Nur

Paula Radcliffe selbst hielt sich öffentlich zurück: "Ich

weiß, dass ich schneller laufen kann als in London, aber in einem derart

hochkarätigen Rennen geht es in erster Linie darum, meine Siegserie dieses

Jahres fortzusetzen."

Umrahmt von einer Männergruppe, darunter ein Tempomacher, war Paula

Radcliffe von Beginn an ein hohes Tempo gelaufen. Doch trotz der

Geschwindigkeit, die schon auf den ersten Meilen auf eine Zeit um 2:18 Stunden

hinauslief, war die 28-Jährige nicht alleine. Catherine Ndereba sowie die

beiden Japanerinnen Yoko Shibui und Masako Chiba liefen wenige Meter hinter

ihr. Nach 49:00 Minuten hatte Paula Radcliffe die 15-km-Marke erreicht, und

erst danach fielen ihre Konkurrentinnen nach und nach zurück. Bei der

Halbmarathonmarke (69:05 Minuten) hatte Paula Radcliffe in der Kälte ihre

Mütze verloren und Catherine Ndereba etwa 50 Meter zur führenden

Britin. Zwischenzeitlich hatte die Kenianerin den Abstand noch einmal etwas

verkürzen können, doch mit mehreren Meilenzeiten von 5:10 Minuten

sorgte Paula Radcliffe dann für die Vorentscheidung. Wie schon bei ihrem

Debüt in London lief sie die zweite Hälfte schneller als die erste.

Dieses Mal benötigte sie dafür 68:13 Minuten. "Ich hatte mich

auf der ersten Hälfte etwas zurückgehalten und hoffte auf eine

schnellere zweite Hälfte", erklärte Paula Radcliffe später

und berichtete von einer Schwächephase bei Kilometer 35: "Da dachte

ich: Oh, nein. Denn ich musste auf Toilette und fürchtete, dass ich

anhalten müsste. Aber es ging dann doch ohne Toilettenpause."

Während Paula Radcliffe die Rekordsumme von 250.000 Dollar verdiente -

100.000 Dollar für den Sieg, 150.000 für die Weltbestzeit -, musste

sich Khalid Khannouchi mit 175.000 Dollar zufrieden geben. Zum vierten Mal nach

1997, 1999 und 2000 gewann der gebürtige Marokkaner den Chicago-Marathon.

"Chicago hat etwas magisches für mich", sagte Khannouchi, der

sich in einer anfangs großen Führungsgruppe lange Zeit

zurückgehalten hatte und die Halbmarathonmarke nach schnellen 62:35

Minuten erreicht hatte.

Wie bei seinem Sieg 1999, als er seine erste Weltbestzeit von 2:05:42

Stunden gelaufen war, sorgte der 30-Jährige für die Entscheidung beim

Durchlaufen eines Tunnels mit Höhenunterschieden. Als es etwa bei

Kilometer 40 bergab ging, hatte Khannouchi aufgeschlossen zum überraschend

starken Japaner Toshinari Takaoka, als es nach dem Tunnel wieder aufwärts

ging, führte der Amerikaner. 1999 hatte Moses Tanui an dieser Stelle das

Rennen verloren, nun also der Japaner, der mit einer Bestzeit von 2:09:41

Stunden nach Chicago gekommen war und mit glänzenden 2:06:16 nach Hause

fährt. Dies reichte am Ende jedoch nur noch für Platz drei, weil der

zeitgleiche Kenianer Daniel Njenga, der zuvor nur 2:11:01 gelaufen war, im

Spurt knapp vor Takaoka lag. Wiederum eine glänzende Zeit lief Paul Tergat

(Kenia), doch seine 2:06:18 Stunden reichten dieses Mal nur für Platz vier

- auch das gab es noch nie in der Marathonhistorie. Und Paul Tergat wartet

weiter auf seinen ersten großen Marathonsieg.

 

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