Auf den Straßen Berlins: BMW BERLIN-MARATHON zwischen Geschichte und Asphalt

Jedes Jahr erwacht der BMW BERLIN-MARATHON am Brandenburger Tor zum Leben. Tausende Läufer:innen bewältigen 42,195 Kilometer voller Energie durch Berlin. Doch sie laufen nicht nur über Asphalt – sondern über Geschichte. Straßen und Plätze erzählen von Mut, Freiheit und Demokratie.
Straße des 17. Juni
Die „Straße des 17. Juni” liegt im Zentrum Berlins, führt vom Brandenburger Tor durch den Tiergarten bis zum Ernst-Reuter Platz und erinnert an den Volksaufstand in der DDR, der am 17. Juni 1953 erfolgte. An dem Tag demonstrieren hunderttausende Menschen in Ost-Berlin gegen die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse des SED Regimes. Der Volksaufstand wurde von sowjetischen Truppen brutal niedergeschlagen, wobei zahlreiche Menschen verhaftet oder getötet wurden. Die Umbenennung der Charlottenburger Chaussee zur Straße des 17. Juni erfolgte im Juli 1953, als Zeichen der Solidarität mit den Aufständischen der DDR. Für den BMW BERLIN-MARATHON ist die Straße des 17. Juni besonders bedeutsam. Sowohl Start als auch Ziel der Strecke befinden sich hier, direkt im historischen Herzen Berlins, sodass Läufer:innen die sportliche Herausforderung auf einem Stück lebendiger Geschichte beginnen und beenden.

Paul-Löbe-Allee
Die Paul-Löbe-Allee und das Paul-Löbe-Haus wurden nach dem letzten demokratischen Reichstagspräsidenten der Weimarer Republik “Paul Löbe” (1875-1967) benannt. Die Allee erinnert an einen Mann, der für parlamentarische Verantwortung, Toleranz und Demokratie stand. Der Sozialdemokrat überstand, trotz mehrfacher Festnahme, Verfolgung und dem Einsperren über mehrere Monate im KZ Groß-Rosen, die Zeit des Nationalsozialismus. Nach dem 2. Weltkrieg engagierte sich Löbe 1945 in West-Berlin für den Wiederaufbau demokratischer Institutionen und war 1949 Mitglied des ersten deutschen Bundestages. Die Paul-Löbe-Allee verläuft durch das Berliner Regierungsviertel, entlang des Platz der Republik bis hin zum Reichstagsgebäude. Hier befindet sich auch das Paul-Löbe-Haus, ein Parlamentsgebäude des deutschen Bundestages mit mehreren Ausschüssen und Büros der Abgeordneten. Für den BMW BERLIN-MARATHON ist die Paul-Löbe-Allee Teil des Start- und Zielgebiets. Läufer:innen passieren diese historische Allee auf dem Weg zum Brandenburger Tor, wodurch sportliche Leistung und politische Geschichte unmittelbar aufeinandertreffen.

Ebertstraße
Die Ebertstraße trägt den Namen von Friedrich Ebert (1871-1925), einem bedeutenden Politiker der SPD und dem ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik. Friedrich Ebert ist eine Schlüsselperson der deutschen Geschichte nach dem Ersten Weltkrieg. Er übernahm als Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) 1918, nach Ende des Kaiserreiches, die Führung der jungen Republik und trug Verantwortung in einer Zeit erheblicher politischer und sozialer Veränderungen. Er engagierte sich für Demokratie, soziale Stabilität und parlamentarische Ordnung und versuchte, Deutschland in eine demokratische Zukunft zu lenken.
Im Start- und Zielgebiet des BMW BERLIN-MARATHON, unmittelbar am Brandenburger Tor, wird die Ebertstraße jedes Jahr zur Bühne für sportliche Höchstleistungen und internationale Begegnungen. Tausende Läufer:innen aus aller Welt starten und finishen hier - an einem Ort, der wie kaum ein anderer für den demokratischen Neubeginn Deutschlands und die Überwindung der Teilung steht. Hier verlief nämlich während der Zeit der deutschen Teilung ein Abschnitt der Berliner Mauer, welche Ost- und West-Berlin voneinander trennte. Heutzutage symbolisiert die Ebertstraße einen Politiker, der sich in einer Zeit politischer Spannungen und Krisen entschlossen für Freiheit und Demokratie einsetzte, sowie die Wiedervereinigung Deutschlands durch die Überwindung der Teilung von Ost- und West-Berlin.
Vom Potsdamer Platz bis zur Scheidemannstraße, direkt am Brandenburger Tor und am Tiergarten entlang, erstreckt sich die Ebertstraße.

Annemarie-Renger-Straße
Mit der Annemarie-Renger-Straße ehrt Berlin eine Frau, die politische Geschichte schrieb. Annemarie Renger (1919-2008), war eine wichtige SPD Politikerin und eine der einflussreichsten Frauen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschlands. Als erste Präsidentin des Deutschen Bundestages 1972 führte sie bis 1976 das Parlament an und setzte somit ein Zeichen für Neuanfang, Gleichstellung der Frauen und die Stärke der Demokratie in der jungen Bundesrepublik. Nach ihrer Amtszeit als Bundestagspräsidentin blieb sie von 1976-1990 Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Später äußerte sie sich zu ihrem Erfolg mit den Worten: “Ich habe erreicht, was ich wollte. Es ist bewiesen, dass eine Frau das kann.” Zu Ehren Annemarie Rengers wurde die Straße im Jahr 2020 anlässlich ihres 101. Geburtstag nach ihr benannt. Die Annemarie-Renger-Straße verbindet die Otto-von-Bismarck-Allee und die Paul-Löbe-Allee miteinander und liegt direkt zwischen dem Paul-Löbe-Haus und dem Bundeskanzleramt. Damit befindet sie sich unmittelbar neben dem Start- und Zielgebiets des BMW BERLIN-MARATHON. Die Straße erinnert an eine Frau, die mit Mut, Haltung, Verantwortung und Leidenschaft die Türen zur politischen Gleichberechtigung sehr weit geöffnet hat.
Scheidemannstraße
Die Benennung der Scheidemannstraße erfolgte nach dem deutschen Politiker Philipp Scheidemann (1865-1939). Er gehörte der SPD an und rief am 9. November 1918 vom Balkon des Reichstags die erste deutsche Republik aus (“Es lebe die deutsche Republik!”). Er wird somit als einer der wichtigsten Repräsentanten der frühen deutschen Demokratie angesehen. Die Straße gedenkt seines Engagements für Demokratie und soziale Gerechtigkeit. Scheidemann war während der Weimarer Republik Reichskanzler und kämpfte für die Etablierung einer demokratischen Regierung. Die Scheidemannstraße erstreckt sich unmittelbar südlich des Reichstagsgebäudes und vorbei am Platz der Republik. Sie befindet sich im Herzen des Berliner Regierungsviertels und verknüpft bedeutende politische Stätten. Außerdem liegt sie unmittelbar neben dem Start- und Zielgebiets des BMW BERLIN- MARATHON.

Fazit zum Start-Zielgebiet des BMW BERLIN-MARATHON
Das Start- und Zielgebiet des BMW BERLIN-MARATHON ist mehr als nur eine Laufstrecke. Hier treffen sportliche Höchstleistung auf Berliner Geschichte, politische Meilensteine und das Erbe prägender Persönlichkeiten. Von der Straße des 17. Juni über die Paul-Löbe-Allee bis zur John-Foster-Dulles-Allee, jede Straße erzählt ihre eigene Geschichte von Mut, Freiheit und Demokratie. Für Läufer:innen bedeutet jeder Schritt nicht nur Herausforderung und Ausdauer, sondern auch eine direkte Verbindung einer einzigartigen Erfahrung, bei der Sport und Geschichte auf beeindruckende Weise verschmelzen.









