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BMW BERLIN-MARATHON

50 Mal an der Startlinie: Wilfried Köhnke und fünf Jahrzehnte BMW BERLIN-MARATHON

Wie sind Sie damals eigentlich zum Laufen gekommen?

Wilfried Köhnke: “Das kleine Olympia-Buch von 1964 hat den Anstoß gegeben. Ich habe mir das als Schüler gekauft. Ein Jahr später, als ich auf die Handelsschule ging, habe ich mir gedacht: Du sitzt sechs Stunden in der Schule, machst anschließend deine Schulaufgaben – du musst dich bewegen. Also habe ich mir ein Paar Sportschuhe und eine Sporthose gekauft. Dann habe ich dort, wo wir wohnten, angefangen zu trainieren. Ab 1966 war ich im Verein TuS Wesseling (Rheinland). 1969 zog ich nach Berlin und trainierte beim BSV Rehberge. Später wechselte ich zum BFC Preußen in Lankwitz, wo ich elf Jahre blieb. Seit 1988 bin ich beim Polizeisportverein.” 

Sie hatten sich damals das Ziel gesetzt, auf allen fünf Kontinenten einen Marathon zu laufen. Gibt es einen Marathon, den Sie gerne noch einmal laufen würden, einfach um ihn noch einmal zu erleben?

Wilfried Köhnke: “Den Marathon in Shellharbour. Diesen bin ich 2022 gelaufen und würde ihn gerne noch einmal erleben wollen, weil er nicht weit vom Wohnhaus meiner Schwester entfernt ist und es außerdem auch mein 100. Marathon war. Noch dazu fand der Marathon am 1. Mai statt, mein im Krieg gefallener Onkel hätte an diesem Tag Geburtstag gehabt. Deshalb war das für mich ein ganz besonderer Marathon.”

Was bedeutet es Ihnen, nun zum 50. Mal an der Startlinie des BMW BERLIN-MARATHON zu stehen?

Wilfried Köhnke: “Damit habe ich anfangs natürlich nicht gerechnet. Irgendwann kam dann schon einmal die Idee: Vielleicht erreichst du den 50. 2012 habe ich den Rekord von Bernd Hübner mit 36 Teilnahmen geknackt. Auch Martin W. Teague, der schon beim ersten Volksmarathon dabei war, läuft dieses Jahr wieder mit. Beide haben mich motiviert, ebenfalls lange dabei zu bleiben.”

Warum sind Sie Berlin über so viele Jahre treu geblieben? Was hat Sie immer wieder hierhergezogen?

Wilfried Köhnke: „Ich wohne seit 1969 in Berlin. Da war es für mich naheliegend, den BMW BERLIN-MARATHON mitzulaufen. In den 70er, 80er und 90er Jahren bin ich auch andere Berliner Marathons mitgelaufen, aber der Heimatmarathon war immer etwas Besonderes.“ 

Sie haben Berlin über viele Jahrzehnte erlebt. Wenn Sie die Jahre vergleichen: Wie hat sich der BMW BERLIN-MARATHON aus Ihrer Sicht verändert?

Wilfried Köhnke: “Der Marathon hat sich natürlich stark verändert. Die ersten sechs Läufe fanden noch entlang der Avus mit höchstens 600 Teilnehmern statt. Horst Milde hat mit den Volksmarathons von 1974 bis 1980 und den City-Marathons ab 1981 etwas Tolles in Bewegung gebracht. Ab 1981 gab es dann die City-Strecke. Das war natürlich sehr schön, durch die Stadt zu laufen, mit vielen Zuschauern. Der Nachteil ist aber, wenn man mehr Teilnehmer hat und heute 50.000 unterwegs sind, ist das nicht mehr derselbe Wettkampfcharakter, den es früher einmal hatte. Ich möchte aber trotzdem, wenn ich schon für einen Marathon trainiere, eher einen Wettkampf laufen.”

Was macht Berlin aus Ihrer Sicht zu einer besonderen Marathonstadt?

Wilfried Köhnke: “Es ist eine schnelle Strecke und es macht Spaß, mit so vielen Läuferinnen und Läufern aus dem Ausland zu laufen.”

Sie sind mittlerweile mehr als 100 Marathons gelaufen. Was war für Sie persönlich einer der schönsten oder vielleicht emotionalsten Momente?

Wilfried Köhnke: “Da gibt es natürlich mehrere. An den ersten erinnert man sich schon noch. Mein erster Marathon wurde im Mommsenstadion gestartet. Wir mussten 300 Meter im Stadion laufen, durch das enge Marathon-Tor. Und dann ist man so bescheuert und läuft auf diesen 300 Metern viel zu schnell, weil man möglichst schnell durch das Tor kommen will. Das ist natürlich Blödsinn, denn man hat noch über 42 Kilometer vor sich. Aber das war so ein Moment, an den ich mich erinnere. 1984 war dann ein total verregneter Marathon. Und bei meiner Bestzeit 1985 merkte ich während des Laufes irgendwann: Oh, du läufst eine Bestzeit. Dann hat man eine ganze Menge Adrenalin im Körper und es fällt einem wirklich leicht, bis ins Ziel zu kommen. Schön war auch immer das Ziel am Kurfürstendamm, auf Höhe des Kaufhauses Wertheim, das heute Galeria heißt. Über den Kurfürstendamm ins Ziel zu laufen, fand ich eigentlich mit am schönsten. Und im Ausland war natürlich der Marathon 2022 in Shellharbour etwas Besonderes. An den erinnert man sich auch gerne.”

Sie sind 1985 Ihre persönliche Bestzeit von 2:44 Stunden gelaufen. Wie hat sich Ihr Trainingsumfang im Laufe der Jahre verändert?

Wilfried Köhnke: “Ich bin in der Marathonvorbereitung mal 68 Kilometer in der Woche gelaufen. Aber als älterer Mensch läuft man dann doch etwas weniger. Heute sind es im Schnitt 43 Kilometer pro Woche.”

Und zum Abschluss: Was würden Sie allen mit auf den Weg geben, die gerade darüber nachdenken, ihren ersten BMW BERLIN-MARATHON zu laufen?

Wilfried Köhnke: “Man sollte sich sportärztlich untersuchen lassen, ob man marathontauglich ist. Und dann wäre es sicher empfehlenswert, in einem Lauftreff oder in einem Verein dafür zu trainieren. Ich denke, man braucht doch ein ganzes Jahr dafür. Dann fällt es sicher etwas leichter. Und beim Marathon selbst, das merkt man ja dann, wenn man Probleme bekommt, sollte man versuchen, nicht zu gehen, sondern wenigstens mit kleinen Tippelschritten weiterzukommen. Denn der Schmerz, der vergeht. Aber der Stolz, dass man es dann geschafft hat, der bleibt.”

Fazit: 50 Mal Berlin und die Leidenschaft bleibt

50-mal an der Startlinie des BMW BERLIN-MARATHON eine Zahl, hinter der vor allem unzählige Kilometer, Erinnerungen und persönliche Geschichten stecken. Wilfried Köhnke hat den BERLIN-MARATHON über Jahrzehnte begleitet und dabei erlebt, wie sich Strecke, Stadt und Veranstaltung verändert haben, ohne dabei seine eigene Leidenschaft für das Laufen zu verlieren.

Wir bedanken uns bei Wilfried Köhnke für die Zeit, die persönlichen Einblicke und die Geschichten aus mehr als fünf Jahrzehnten Marathon. Und natürlich wünschen wir ihm für seinen 50. BMW BERLIN-MARATHON ganz viel Freude, Erfolg und vor allem weiterhin Spaß am Laufen.

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