BMW BERLIN-MARATHON 2026: Spannende Rennen für Sonntag erwartet

- Streckenrekord in Gefahr
- Handbiker u. Rennrollstuhlfahrende
- Inlineskating: Swings peilt Sieg an
- Panel: FUTURE OF WOMEN* WHO RUN
Offene und spannende Rennen wie selten zuvor sind beim BMW BERLIN-MARATHON am Sonntag zu erwarten. Mindestens ein halbes Dutzend Athleten haben Chancen, den spektakulärsten deutschen Straßenlauf zu gewinnen, nachdem Weltrekordler Sabastian Sawe verletzungsbedingt passen musste. Ohne den Kenianer, der aber als Ehrengast nach Berlin kommt, wird es zwar keine Jagd auf eine Zeit unter zwei Stunden geben, aber es ist trotzdem mit einem sehr schnellen Rennen zu rechnen. Der Streckenrekord von Eliud Kipchoge könnte dabei in Gefahr geraten. Kenias Superstar hatte den BMW BERLIN-MARATHON 2022 mit der damaligen Weltrekordzeit von 2:01:09 Stunden gewonnen.
Liebäugeln mit dem Streckenrekord
Fünf Athleten auf der Startliste weisen hochklassige persönliche Rekorde von unter 2:05:00 Stunden auf. „Ich erwarte ein spannendes Rennen und wir liebäugeln mit dem Streckenrekord. Das Tempo wird auf eine 2:01er-Zeit hinauslaufen“, sagte Race-Direktor Mark Milde. Auch in der Breite der Spitze ist der BMW BERLIN-MARATHON ein weiteres Mal außerordentlich stark besetzt. Insgesamt 26 Starter sind schon unter 2:08:00 Stunden gelaufen - eine Zeit, die vor gut 25 Jahren noch Weltklasse war und in Berlin 1995 erstmals unterboten wurde. Drei deutsche Läufer gehen mit Bestzeiten im Bereich zwischen 2:07:00 und 2:09:00 Stunden ins Rennen: Sebastian Hendel, Haftom Welday und der Newcomer Aaron Bienenfeld.
Gabriel Geay mit starken Ambitionen
Der schnellste Läufer auf der Startliste ist jetzt Gabriel Geay. Mit 2:03:00 hält er den nationalen Rekord von Tansania und steht mit dieser Zeit auf Platz 17 in der Liste der schnellsten Läufer aller Zeiten. „Ich bin froh, dass ich jetzt eine zweite Chance habe, in Berlin zu laufen“, sagte der 29-Jährige, der vor einem Jahr wie etliche andere Athleten aufgrund der hohen Temperaturen das Rennen aufgeben musste. „Ich bin in guter Form und hoffe auf eine sehr gute Zeit.“
Guye Adola in der Form seines Lebens
Stark einzuschätzen ist weiterhin eine Gruppe von äthiopischen Läufern. Guye Adola ist ein Athlet, der seine hochkarätige persönliche Bestzeit beim BMW BERLIN-MARATHON aufstellte und zudem das Rennen auch schon gewann. Adola war 2017 Zweiter hinter Kenias Ausnahmeläufer Eliud Kipchoge. Er lief damals mit 2:03:46 einen inoffiziellen Debüt-Weltrekord, der weiterhin seine Bestzeit ist. 2021 triumphierte Guye Adola beim BMW BERLIN-MARATHON in 2:05:45 und ließ dabei unter anderen Superstar Kenenisa Bekele hinter sich, der verletzungsbedingt am Sonntag nicht starten kann. „Ich bin sehr gut vorbereitet und in der besten Form meines Lebens“, sagte der 35-Jährige, der in diesem Frühjahr den Rotterdam-Marathon gewann und mit 2:03:54 so dicht an seine Bestzeit heran kam wie in keinem anderen Rennen.
Starke äthiopische und japanische Athleten
Eine deutliche Steigerung ist Selemon Barega in Berlin zuzutrauen. Der 10.000-m-Olympiasieger von Tokio 2021 wird am Sonntag seinen dritten Marathon laufen und erreichte bisher 2:05:00. „Ich habe gut trainiert und will mich in Berlin weiter steigern“, sagte der 26-Jährige. Zwei äthiopische Landsleute gehören ebenfalls zum Favoritenkreis: Getaneh Molla und Shura Kitata haben mit 2:03:34 beziehungsweise 2:03:59 hochkarätige Bestzeiten. Gleich elf Japaner mit Bestzeiten zwischen rund 2:06 und 2:08 stehen auf der finalen Startliste. Es ist damit zu rechnen, dass diese starke Gruppe versuchen wird, den japanischen Rekord von 2:04:55 angreifen wird.
Sebastian Hendel und Haftom Welday
Die Dichte in diesem Zeitbereich könnte auch einigen deutschen Läufern helfen. Zurückmelden will sich Sebastian Hendel (Marathon Team Berlin). Vor zwei Jahren überraschte er mit einer starken persönlichen Bestzeit von 2:07:33 Stunden. Doch danach stoppten ihn immer wieder gesundheitliche Probleme und Verletzungen. „Ich bin noch nicht in der Form für eine Bestzeit, mit einer 2:09er oder 2:08er Zeit wäre ich zufrieden“, sagte Sebastian Hendel. Haftom Welday (TB Hamburg Eilbeck) zeigte in diesem Jahr bereits viel versprechende Form, als er sich im März in Barcelona auf 2:08:13 verbesserte. „Ich bin fit und mein Ziel ist es, meine persönliche Bestzeit zu unterbieten“, sagte der 36-Jährige, der sich in Äthiopien auf das Rennen in Berlin vorbereitet hat.
Aaron Bienenfeld als nationaler Favorit
Im Kampf um die Position des stärksten deutschen Läufers könnte Aaron Bienenfeld (Düsseldorf Athletics) der lachende Dritte sein. Er lief Ende April sein Marathon-Debüt in Hamburg und überzeugte auf Anhieb mit starken 2:08:47 Stunden. Damit erreichte Bienenfeld das schnellste Marathon-Debüt eines deutschen Läufers überhaupt. Jetzt will er sich weiter steigern und in den 2:06er- bis 2:08er-Bereich vordringen. „Ich habe besser trainiert als vor Hamburg, es war alles noch etwas professioneller“, sagte Aaron Bienenfeld, der rund drei Monate lang im Höhentraining in Flagstaff (USA) war.
Rennrollstuhlfahrer Marcel Hug will Siegesserie fortsetzen
Alles andere als ein weiterer Sieg von Marcel Hug im Rennrollstuhl-Wettbewerb wäre eine große Überraschung beim BMW BERLIN-MARATHON. Bereits zehn Mal und zuletzt sechs Mal in Folge gewann der Schweizer das traditionelle Rennen in Berlin gewonnen. „Ich bin sehr motiviert nach einer etwas längeren Pause. Die Berliner Strecke ist flach und schnell und vielleicht kann ich noch mal eine Topzeit erreichen“, so Hug. Einer seiner Herausforderer ist Jetze Plaat. Der Niederländer, der aus dem Handbike-Sport kommt und im vergangenen Jahr bei den Rollstuhlfahrern bereits Dritter beim BMW BERLIN-MARATHON war, sagte: „Ich wollte eine neue Herausforderung, daher bin ich zu den Rollstuhlfahrern gewechselt. Ich werde am Sonntag versuchen, Marcel zu folgen, das das wird nicht so leicht.“
Schär und Debrunner sind Favoritinnen der Rennrollstuhlfahrerinnen
Bei den Frauen starten unter anderen jene beiden Rollstuhlfahrerinnen, die in den vergangenen Jahren den BMW BERLIN-MARATHON dominierten. Als Titelverteidigerin geht Manuela Schär ins Rennen. „Meine zweite Saisonhälfte lief gut bisher und Berlin ist ja fast ein Heimspiel, daher freue ich mich sehr auf das Rennen“, erklärt Schär. Ihre Landsfrau Catherine Debrunner gewann den BMW BERLIN-MARATHON dreimal in Folge zwischen 2022 und 2024. „Ich bin sehr gut vorbereitet und hoffe auf ein gutes Rennen, aber die Konkurrenz ist stark“, sagte Catherine Debrunner.
Der Wettbewerb der Handbiker
Das Rennen der Handbiker wird mit den Top-Athletinnen Jady Malavizzi, Anne Vosgerau und Julia Dierkesmann besetzt sein. Bei den Männern sind in dieser Kategorie Daniel Ulmann, Heinz Frei sowie Michael Jörgensen als Favoriten einzuschätzen.
Bart Swings peilt zehnten Sieg in Berlin an
Für den Belgier Bart Swings steht beim BMW BERLIN-MARATHON Inlineskating am Samstag ein besonderes Ziel im Mittelpunkt: Der Belgier will seinen zehnten Sieg in Berlin feiern. „Ich bin sehr froh, wieder hier zu sein. Im vergangenen Jahr konnte ich verletzungsbedingt nicht starten. Jetzt ist mein Ziel der zehnte Sieg. Der BMW BERLIN-MARATHON ist eines der größten Rennen der Welt und fühlt sich für mich fast wie eine Weltmeisterschaft an.“ Swings hält mit 56:49 Minuten auch den Streckenrekord. Sollte sich die Möglichkeit ergeben, will er diesen angreifen. Der Belgier kündigt frühe Ausreißversuche an, eine Taktik, mit der er in Berlin bereits mehrfach erfolgreich war. Insgesamt gehen morgen rund 2.000 Skater an den Start. Auch hier treffen internationale Spitzenathlet:innen auf eine große Breite des Inlinesports.
FUTURE OF WOMEN* WHO RUN – Panel mit starken Stimmen
Der Anteil der Frauen beim BMW BERLIN-MARATHON wächst: 36,2 Prozent der Startenden am Sonntag sind Frauen, bei den 26- bis 30-Jährigen liegt der Anteil bereits bei 40,2 Prozent. Wie kann die Zukunft von Frauen* im Laufsport positiv gestaltet werden? Dieser Frage widmete sich am gestrigen Tag das Panel „FUTURE OF WOMEN* WHO RUN“. Vertreterinnen aus Breiten- und Spitzensport, Medien und Wirtschaft diskutierten über Sichtbarkeit, Chancengleichheit und bessere Rahmenbedingungen.
Initiative von SCC EVENTS und Tagesspiegel
Mit dabei waren unter anderem Rosemary Wanjiru, Siegerin des BMW BERLIN-MARATHON 2025, Esther Pfeiffer, Jennifer Thomas von adidas, Anna Hankings-Evans, Gründerin von Black Women Run, sowie Gladys Cherono, dreimalige Siegerin des BMW BERLIN-MARATHON. Neben vielen positiven Entwicklungen wurde deutlich, dass insbesondere die Sicherheit von Frauen weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Mit „WOMEN WHO RUN in the Dark“ hat SCC EVENTS gemeinsam mit dem Tagesspiegel ein Laufangebot für Frauen in der dunklen Jahreszeit geschaffen, das im kommenden Winter fortgesetzt werden soll. Auch bei Trainingswissenschaft, Rennverpflegung und medizinischen Themen besteht weiterhin Bedarf an einer besseren Studienlage zu den spezifischen Bedürfnissen von Frauen. Im Spitzen- wie im Breitensport sind zudem weibliche Vorbilder und sichere Räume wichtig, in denen Mädchen und Frauen eigene Erfahrungen sammeln und ihre Möglichkeiten entdecken können.









